Amazon Aktie: Mehr Gegenwind

Amazon sieht sich milliardenschweren Sammelklagen in Großbritannien ausgesetzt, während ein riesiges KI-Investment in OpenAI an Bedingungen geknüpft ist und politischer Druck aus Washington wächst.

Dr. Robert Sasse ·
Amazon Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Zwei milliardenschwere Sammelklagen in UK zugelassen
  • Mögliches 50-Milliarden-Dollar-Investment in OpenAI
  • Politische Anfrage zu Preispolitik aus Washington
  • Hohe Investitionsausgaben für KI belasten Stimmung

Amazon bekommt gleich von mehreren Seiten Druck: In Großbritannien rollen milliardenschwere Sammelklagen an, in Washington nimmt Senatorin Elizabeth Warren die Preisgestaltung ins Visier. Parallel laufen Gespräche über ein potenziell riesiges KI-Investment in OpenAI – allerdings mit klaren Bedingungen. Was bedeutet diese Gemengelage kurzfristig für die Stimmung rund um den Konzern?

UK-Gericht lässt Sammelklagen weiterlaufen

In den vergangenen 48 Stunden kam ein wichtiger juristischer Dämpfer: Am Donnerstag verweigerte das britische Berufungsgericht Amazon die Erlaubnis, gegen die Zulassung zweier Sammelklagen vorzugehen (Reuters). Damit ist der Weg frei, dass die Verfahren weiter Richtung Prozess laufen.

Im Kern geht es um den Vorwurf, Amazon missbrauche seine Marktmacht. Eine Klage, angestoßen vom Wettbewerbsrechtler Andreas Stephan, wird im Namen von mehr als 200.000 Drittanbietern geführt und hat ein mögliches Volumen von bis zu 2,7 Milliarden Pfund. Der Vorwurf: Die „Buy Box“ werde so beeinflusst, dass Amazon-eigene Angebote und Verkäufer mit Nutzung des hauseigenen Logistiknetzwerks bevorzugt werden. Eine zweite Klage, eingebracht vom Verbraucherschützer Robert Hammond im Namen von Millionen Kunden, fordert bis zu 1,3 Milliarden Pfund Schadenersatz wegen ähnlicher Praktiken. Beide Verfahren sind als „Opt-out“-Sammelklagen zugelassen – Betroffene wären also automatisch Teil der Klage, sofern sie nicht aktiv widersprechen.

OpenAI-Deal: groß – aber an Meilensteine gekoppelt

Ebenfalls am 26. Februar berichtete Reuters unter Berufung auf The Information, dass ein mögliches Amazon-Investment in OpenAI bis zu 50 Milliarden Dollar erreichen könnte. Entscheidend: Das Geld soll nicht einfach „blind“ fließen.

Demnach stünden 15 Milliarden Dollar als Sofortbetrag im Raum. Weitere 35 Milliarden Dollar würden nur dann fällig, wenn OpenAI entweder einen Meilenstein auf dem Weg zu „Artificial General Intelligence“ (AGI) erreicht oder einen Börsengang anstrebt. In derselben Runde sollen SoftBank und Nvidia jeweils 30 Milliarden Dollar in drei Tranchen planen. Sollte Amazon voll einsteigen, wäre es der größte Einzelinvestor dieser Finanzierungsrunde. Gleichzeitig hält Amazon bereits eine bestehende Beteiligung von 8 Milliarden Dollar am OpenAI-Konkurrenten Anthropic – ein Hinweis auf eine bewusst zweigleisige KI-Positionierung.

Politischer Druck wegen Zoll-bedingter Preisanstiege

Aus Washington kommt zusätzlicher Gegenwind: Senatorin Elizabeth Warren forderte Amazon am 25. Februar schriftlich auf, Fragen zur Preisgestaltung zu beantworten (CNBC; bestätigt über die Mitteilung des Senate Banking Committee). Im Zentrum steht der Vorwurf, Amazon habe zu spät eingeräumt, dass Zölle Preissteigerungen auf der Plattform mitverursachen.

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Amazon soll bis zum 5. März schriftlich antworten. Warren fragt unter anderem, welche Produktkategorien besonders betroffen sind, wie Amazon gegen mögliches „Mitnahmeverhalten“ externer Händler vorgeht und ob potenzielle Zoll-Rückerstattungen an Verbraucher weitergegeben würden.

Anleger verdauen weiter die Capex-Botschaft

All das trifft auf eine ohnehin empfindliche Börsenlage seit dem Q4-Bericht Anfang Februar. Zwar meldete Amazon für das vierte Quartal 2025 einen Umsatz von 213,4 Milliarden Dollar (+13,6% im Jahresvergleich) und ein Ergebnis je Aktie von 1,95 Dollar, verfehlte damit aber knapp die Konsensschätzungen. Positiv stach AWS heraus: Der Cloud-Umsatz legte um 24% auf 35,6 Milliarden Dollar zu – das schnellste Wachstum seit 13 Quartalen (CNBC).

Der eigentliche Auslöser für die stärkere Nervosität war jedoch die Investitionsplanung: Rund 200 Milliarden Dollar Capex für 2026 stellte Amazon in Aussicht – deutlich über der erwarteten Größenordnung von etwa 146 Milliarden Dollar. Der Markt interpretierte das als Signal: KI-Infrastruktur wird teuer, und der Zeitpunkt, wann sich diese Ausgaben in Cashflows „zurückzahlen“, bleibt schwer greifbar.

Passend dazu steht der Kurs auch in den bereitgestellten Daten klar unter dem längerfristigen Durchschnitt: Der Schlusskurs von gestern lag bei 176,20 Euro, rund 13,5% unter dem Niveau vor 30 Tagen.

Zum Gesamtbild passt auch, dass laut MarketBeat sowohl AWS-Chef Matthew Garman als auch CEO Andrew Jassy am 23. Februar Aktien verkauft haben; beide Transaktionen wurden in SEC-Unterlagen offengelegt.

Zum nächsten Fixpunkt wird nun der 5. März: Dann will Warren Antworten auf ihre Fragen zur Preisgestaltung. Parallel rücken in Großbritannien die Sammelklagen ein Stück näher an die nächste Verfahrensphase heran – und genau diese Mischung aus Rechtsrisiko, Politikdruck und hohen KI-Investitionen dürfte die Debatte um Amazons Bewertungsprämie in den kommenden Wochen weiter prägen.

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