Amazon Aktie: Rekordgewinn, roter Cashflow
Amazon verzeichnet einen massiven Gewinnsprung, der jedoch durch Sondereffekte verzerrt wird. Der freie Cashflow ist wegen hoher Investitionen erstmals negativ.

Kurz zusammengefasst
- Nettogewinn steigt auf 62,65 Milliarden Dollar
- Cloud-Sparte AWS mit starkem Wachstum
- Freier Cashflow rutscht ins Minus
- Robotaxi-Tochter Zoox erhält US-Zulassung
Ein Gewinnsprung um mehr als 245 Prozent, aber unterm Strich brennt trotzdem Kapital ab. Amazon hat mit seinen Quartalszahlen einen Widerspruch geliefert, der Anleger nicht abschreckt, sondern begeistert — die Aktie schoss im nachbörslichen Handel um rund neun Prozent nach oben.
Der Konzern meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 200,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis kletterte um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von knapp 62,65 Milliarden Dollar, verglichen mit 18,2 Milliarden Dollar vor einem Jahr.
AWS liefert das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen
Die Cloud-Sparte AWS bleibt der Wachstumsmotor. Die Erlöse stiegen um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar — deutlich über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit rund 40,5 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Damit läuft AWS inzwischen auf einer annualisierten Umsatzbasis von 169 Milliarden Dollar, was den Bereich laut CEO Andy Jassy rechnerisch auf Rang 24 der Fortune-500-Liste katapultieren würde.
Sowohl das KI-Geschäft als auch die hauseigene Chip-Sparte überschritten jeweils eine annualisierte Umsatzrate von 25 Milliarden Dollar, mit dreistelligen Wachstumsraten. Werbung, ein weiterer viel beachteter Bereich, legte um 26 Prozent auf 19,8 Milliarden Dollar zu.
Ein gewichtiger Teil des Gewinnsprungs stammt allerdings nicht aus dem operativen Geschäft. Vor Steuern flossen 53,4 Milliarden Dollar an nicht-operativen Erträgen ein, größtenteils aus der Neubewertung der Beteiligung an der KI-Firma Anthropic. Der bereinigte operative Fortschritt bleibt davon unberührt, doch die Schlagzeilenzahl beim Nettogewinn verzerrt das Bild deutlich.
Kapitalausgaben treiben Cashflow ins Minus
Der auffälligste Bruch in den Zahlen betrifft den freien Cashflow. Auf Basis der vergangenen zwölf Monate rutschte er erstmals seit Langem ins Minus — ein Abfluss von 7,6 Milliarden Dollar, nach einem Zufluss von 18,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der operative Cashflow selbst legte im gleichen Zeitraum um 33 Prozent auf 161,4 Milliarden Dollar zu.
Verantwortlich für die Lücke sind die Investitionsausgaben, die auf Zwölfmonatssicht von 102,9 auf 169 Milliarden Dollar hochschnellten. Das Management erhöhte zudem die Prognose für die Kapitalausgaben im laufenden Jahr auf rund 220 Milliarden Dollar, ein Aufschlag von zehn Prozent gegenüber der bisherigen Schätzung. Als Grund nannte Jassy vor allem gestiegene Speicherchip-Preise.
„Selbst mit diesem Betrag werden wir 2026 nicht genug Kapazität haben, um die gesamte Nachfrage zu decken“, sagte der CEO im Analystencall. Finanzchef Brian Olsavsky ergänzte, die Kapazität für 2027 sei bereits größtenteils reserviert, erste Reservierungen für 2028 lägen ebenfalls vor. Amazon reiht sich damit neben Microsoft, Alphabet und Meta ein, die zuletzt ebenfalls deutliche Rückgänge beim freien Cashflow wegen ihrer KI-Investitionen meldeten.
Ausblick moderater wegen Prime-Day-Effekt
Für das dritte Quartal rechnet Amazon mit Erlösen zwischen 197 und 202 Milliarden Dollar sowie einem operativen Ergebnis zwischen 22,5 und 26,5 Milliarden Dollar. Die etwas gedämpfte Wachstumsrate erklärt das Management vor allem mit dem Timing-Effekt des Prime Day, der in diesem Jahr bereits ins zweite Quartal fiel, sowie mit Währungseffekten. Ohne diesen Verschiebungseffekt wäre das Wachstum im dritten Quartal nach eigenen Angaben fast vier Prozentpunkte höher ausgefallen.
Parallel zu den Zahlen erhielt die Amazon-Tochter Zoox von der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA die Zulassung für einen kostenpflichtigen Robotaxi-Betrieb ohne Lenkrad und Pedale — eine Premiere für dieses Fahrzeugkonzept in den USA. Der Service soll zunächst in Las Vegas starten, vorbehaltlich weiterer Genehmigungen auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene. Bis zu 2.500 Fahrzeuge pro Jahr sind für die kommenden zwei Jahre freigegeben, verbunden mit zusätzlichen Meldepflichten zu Unfällen und sicherheitsrelevanten Vorfällen.
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