Amazon Aktie: TorchNeuron fordert Nvidia heraus
Amazons neues PyTorch-Werkzeug läuft auf Trainium-Chips; Morgan Stanley erhöht das Kursziel, während ein Atomprojekt noch geprüft wird.

Kurz zusammengefasst
- TorchNeuron unterstützt PyTorch auf Trainium
- Mehr als 30 frühe Nutzer
- Morgan Stanley hebt Kursziel auf 350 Dollar
- Zwölf Reaktoren mit 960 Megawatt geprüft
Amazon greift Nvidia an einer empfindlichen Stelle an: der Software. Mit dem neuen Tool TorchNeuron sollen Entwickler Code in der verbreiteten KI-Sprache PyTorch auf Amazons eigenen Trainium-Chips ausführen können, ohne ihn umzuschreiben. Die Aktie legte im Handel deutlich zu, zeitweise um rund fünf Prozent.
Ein Konfigurationswechsel statt Neuprogrammierung
Bisher war Nvidias Software-Plattform Cuda der Graben um die eigene Burg. Der Konzern hat über ein Jahrzehnt daran gearbeitet, dass PyTorch-Code auf seinen Chips reibungslos läuft. Wer wechseln wollte, musste Aufwand in Kauf nehmen.
Genau hier setzt Amazons Chip-Einheit Annapurna Labs an. Laut Unternehmen genügt eine einzige Konfigurationsänderung. Die Software soll kostenlos und als Open Source veröffentlicht werden, vorgestellt wird sie auf einer Entwicklerkonferenz im Silicon Valley.
Annapurna-Softwarechef Colin Brace sprach davon, die Kunden dort abzuholen, wo sie stehen. Mehr als 30 frühe Anwender aus Robotik, Weltmodellen und Sprach-KI nutzen das Tool bereits. Der Wechsel auf Amazons Chips könne erhebliche Kosten sparen. Auch Google arbeitet mit eigenen Chips an besseren PyTorch-Werkzeugen, um Entwickler von Nvidia wegzulocken.
Morgan Stanley macht Amazon zum Favoriten
Rückenwind kam zusätzlich von der Analystenseite. Morgan Stanley erklärte Amazon zur „Top Pick“ und hob das Kursziel auf 350 Dollar an, zuvor lagen die Analysten bei 335 Dollar. Das Haus sieht rund 40 Prozent Aufwärtspotenzial und bleibt bei „Overweight“.
Als Treiber nennen die Analysten das Wachstum der Cloud-Sparte AWS. Sie erwarten dort 47 Prozent Plus im Jahr 2027 und 42 Prozent 2028, auch weil mehr Nvidia-GPUs ausgeliefert werden.
Für 2028 halten sie einen Gewinn von etwa 16,50 Dollar je Aktie für möglich. Weitere Katalysatoren sind die KI-Plattform Bedrock, agentenbasierter Handel und der Ausbau der Robotik: Amazon will 2026 seine Flotte an Roboterarmen mehr als verdoppeln.
Atomstrom für den Energiehunger
Parallel dazu treibt Amazon die Energieversorgung seiner Rechenzentren voran. Gemeinsam mit dem Versorger American Electric Power und dem Reaktorentwickler X-energy prüft der Konzern ein Atomprojekt in Sullivan County, Indiana.
Geplant wären auf dem Gelände eines früheren Kohlekraftwerks zwölf kleine modulare Reaktoren mit zusammen 960 Megawatt. Amazon würde den Strom per Langfristvertrag abnehmen. Bislang handelt es sich um eine Machbarkeitsstudie, nicht um einen Bauentscheid.
Der nächste feste Termin steht bereits: Am 29. Oktober legt Amazon seine Quartalszahlen vor.
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