Amazon startet mit einigen offenen Baustellen ins Börsenjahr 2026. Auf der einen Seite stehen steigende Ausgaben für KI-Infrastruktur und operative Hürden, etwa beim Tech-Personal in Indien. Auf der anderen Seite könnte eine erneute Preisanpassung von Prime Milliarden in die Kasse spülen und damit genau diese Investitionen absichern. Wie gut gelingt der Balanceakt zwischen Wachstumsfantasie und Kapitaldisziplin?
Prime-Preise als Gewinnhebel
Ein Schwerpunkt der Analysten zu Jahresbeginn ist die Preisstrategie bei Amazon Prime. Marktbeobachter – darunter JP-Morgan-Analyst Doug Anmuth – rechnen 2026 mit einer erneuten Anhebung der Prime-Gebühr in den USA, der ersten seit 2022. Diskutiert wird ein Aufschlag von rund 20 US-Dollar auf den Jahresbeitrag.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt ein klares Muster: 2018 stieg der Preis um etwa 20 %, 2022 um rund 17 %. Schätzungen zufolge könnte die nun erwartete Anpassung zusätzlich etwa 3 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr bringen. Dieses zusätzliche Polster wäre für Amazon wichtig, da der Konzern seine kapitalintensive Expansion in Künstliche Intelligenz und Cloud-Infrastruktur weiter vorantreibt.
Institutionelle Käufer, verkaufende Insider
Auffällig ist der Gegensatz zwischen institutionellen Investoren und internen Verkäufen. Aus den Meldungen für das dritte und vierte Quartal geht hervor, dass mehrere große Adressen ihre Positionen ausgebaut haben:
- Symmetry Partners LLC erhöhte seine Beteiligung um 17,0 %
- Norden Group LLC stockte um 3,6 % auf und hält nun Anteile im Wert von rund 21,36 Mio. US-Dollar
- James Hambro & Partners LLP legte 3,1 % zu
Gleichzeitig zeigen die Insidertransaktionen ein anderes Bild. In den vergangenen 90 Tagen wurden insgesamt 79.734 Aktien von Insidern verkauft, darunter Stücke von CEO Andrew Jassy und Manager Matthew Garman. Während verstärkte Käufe institutioneller Investoren häufig als Vertrauenssignal für den langfristigen Wert gesehen werden, werten Marktteilnehmer Insiderverkäufe eher als Hinweis auf begrenztes Aufwärtspotenzial auf kurze Sicht. Ein klarer Widerspruch ist das nicht, verdeutlicht aber die gemischten Signale rund um die Aktie.
Hohe Bewertung, hohe KI-Investitionen
Auf Bewertungsseite bleibt Amazon anspruchsvoll. Das Unternehmen bringt es aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 2,47 Billionen US-Dollar, die Aktie wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 32,61 gehandelt. Die Frage, ob dieser Aufschlag gerechtfertigt ist, hängt stark an den Wachstumsannahmen für die nächsten Jahre.
Besonders ins Gewicht fallen die Investitionen in Infrastruktur. Für 2025 wurden Kapitalausgaben (Capex) von rund 125 Milliarden US-Dollar erwartet – vor allem für den Ausbau von KI-Hardware und Rechenzentren bei AWS. Diese Summen drücken kurzfristig auf den freien Cashflow und machen Bewertungsmodelle sehr sensitiv für kleine Änderungen in den Annahmen.
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Discounted-Cashflow-Analysen liefern entsprechend große Spannbreiten: In pessimistischen Szenarien mit hohen Kapitalkosten liegt der berechnete faire Wert bei nur etwa 71 US-Dollar je Aktie. In optimistischen Modellen, die starkes Wachstum und eine hohe Rendite auf die KI-Investitionen unterstellen, ergeben sich dagegen Werte von über 305 US-Dollar. Der aktuelle Analystenkonsens für das Kursziel liegt bei 297,45 US-Dollar und signalisiert aus dieser Perspektive ein Aufwärtspotenzial von knapp 28 % gegenüber dem aktuellen Kursniveau.
Operative Bremsklötze: Visa-Probleme in Indien
Neben den großen strategischen Fragen hat Amazon auch mit ganz praktischen Problemen zu tun. In Indien ist ein Teil der Belegschaft von Verzögerungen bei der Bearbeitung von US-Visa betroffen. Laut einem internen Memo dürfen H‑1B-Mitarbeiter, die derzeit nicht in die USA zurückkehren können, zwar bis zum 2. März 2026 aus Indien heraus arbeiten – allerdings mit klaren Einschränkungen.
Diese Beschäftigten dürfen keine zentralen technischen Tätigkeiten ausführen, also weder programmieren noch Software testen oder ausrollen. Damit ist ein Teil der technischen Ressourcen nur eingeschränkt nutzbar – ausgerechnet in einer Phase, in der Amazon im Bereich generative KI mit Hochdruck an neuen Angeboten arbeitet. Operativ erhöht das den Druck auf andere Standorte und Teams.
Marktumfeld und Kursbild
Zum Handelsschluss gestern lag die Amazon-Aktie bei 230,82 US-Dollar und damit nur gut 1 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch. Der Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt von 20,97 % zeigt, wie kräftig die Rallye der vergangenen Monate ausgefallen ist.
Für 2026 bleibt das Umfeld dennoch herausfordernd. Zwar konnte AWS Ende 2025 wieder ein Umsatzwachstum von 20 % im Jahresvergleich vorweisen, doch einige Marktkommentatoren erwarten für wichtige Indizes wie den Nasdaq Composite eine mögliche Korrektur von mindestens 20 %. Begründet wird dies unter anderem mit historisch hohen Bewertungsniveaus (Shiller-KGV) und dem Risiko einer Stagflation.
Entscheidend für den weiteren Kursverlauf in den kommenden Quartalen dürfte sein, ob Amazon die erwartete Prime-Preiserhöhung durchsetzen und damit zusätzliche Milliarden einspielen kann, während gleichzeitig die gewaltigen KI-Investitionen von zuletzt rund 125 Milliarden US-Dollar schrittweise Ergebnisse liefern. Genau diese Kombination aus Preissetzungsmacht und Kapitalrendite auf die Infrastruktur-Ausgaben wird 2026 zum zentralen Test für die Amazon-Story.
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