AMD Aktie: 10,19-Prozent-Sturz nach Broadcom-Schock

AMD verliert über zehn Prozent an Wert, nachdem Broadcoms KI-Prognose enttäuscht und der Arbeitsmarkt Zinssenkungen unwahrscheinlicher macht.

Dieter Jaworski ·
AMD Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Broadcom-Prognose löst Sektorausverkauf aus
  • AMD-Rechenzentrumsgeschäft wächst stark
  • Agentic AI als neuer CPU-Treiber
  • MI450 und Helios starten im zweiten Halbjahr

Ein einziger Freitag hat den Chipsektor erschüttert. AMD verlor 10,19 Prozent und schloss bei 404,55 Euro — Teil eines sektorweiten Ausverkaufs, der rund eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung vernichtete.

Der Auslöser war doppelt. Broadcom verfehlte mit seiner KI-Chip-Umsatzprognose für das dritte Quartal die Erwartungen: 16 Milliarden Dollar statt der erwarteten 17,2 Milliarden. Obendrein erhöhte Broadcom seine Jahresprognose für KI-Halbleiter nicht. Dann kam der US-Arbeitsmarktbericht für Mai: 172.000 neue Stellen, Arbeitslosenquote stabil bei 4,3 Prozent. Stärker als erwartet — und damit ein Dämpfer für Zinssenkungshoffnungen. Laut CME FedWatch preist der Markt inzwischen sogar Zinserhöhungsrisiken bis Jahresende ein. Für Halbleiterwerte mit ambitionierten Gewinnerwartungen ist das eine giftige Kombination.

Der SOXX-Semiconductor-ETF fiel um 10,4 Prozent. Arm Holdings verlor 12,8 Prozent, Intel 11,3 Prozent.

Starke Zahlen, schwacher Kurs

Das operative Bild bei AMD erzählt eine andere Geschichte. Im ersten Quartal 2026 erzielte AMD einen Umsatz von 10,3 Milliarden Dollar — ein Plus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 57 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow verdreifachte sich auf einen Rekordwert von 2,6 Milliarden Dollar, was 25 Prozent des Umsatzes entspricht.

Für das zweite Quartal erwartet AMD rund 11,2 Milliarden Dollar Umsatz. Das entspricht einem Wachstum von etwa 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr — deutlich über dem Konsensus von rund 10,5 Milliarden Dollar.

Agentic AI als Wachstumstreiber

Kurz vor dem Ausverkauf hatte AMD-Finanzchefin Jean Hu auf der Bank of America Global Technology Conference eine klare Botschaft: Der Aufstieg von Agentic AI sei der größte Wandel der vergangenen Monate. Diese KI-Workloads — darunter autonome Software-Engineering-Tools — verlangen deutlich mehr CPU-Rechenleistung pro Einheit Beschleuniger als frühere KI-Anwendungen.

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Das zeigt sich in den Zahlen. Das Rechenzentrum-CPU-Geschäft wuchs im ersten Quartal um mehr als 50 Prozent. Für das zweite Quartal erwartet das Management ein CPU-Umsatzwachstum von mehr als 70 Prozent — rund zwei Drittel davon durch mehr verkaufte Einheiten, nicht durch höhere Preise.

CEO Lisa Su hat die Konsequenz gezogen. Sie hob die Marktprognose für Server-CPUs von rund 60 Milliarden Dollar auf über 120 Milliarden Dollar an. Das jährliche Wachstum soll bis 2030 auf mehr als 35 Prozent steigen — fast doppelt so schnell wie zuvor angenommen.

MI450 und Helios: Zweites Halbjahr entscheidend

Auf der GPU-Seite nimmt die nächste Generation Form an. Der MI450 befindet sich bereits in der Musterphase. Das Rack-Scale-System Helios startet in der zweiten Jahreshälfte 2026. AMD liefert im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit Meta Instinct-GPUs auf Basis der MI450-Architektur — mit einem Volumen von bis zu 6 Gigawatt. Die Auslieferungen beginnen planmäßig in der zweiten Jahreshälfte, und die Kundenabrufe liegen bereits über den ursprünglichen Planungen für 2027.

Allerdings warnte Finanzchefin Hu: In der Anlaufphase liegen die Bruttomargen für MI450 und Helios unter dem Unternehmensdurchschnitt. Das erzeugt kurzfristigen Margendruck.

Was die Woche bringt

Wall Street bleibt trotz des Kurseinbruchs konstruktiv. Laut einer Erhebung von S&P Global unter 51 Analysten liegt das Konsens-Rating bei „Strong Buy“, das durchschnittliche Kursziel bei 479,77 Dollar. DBS bestätigte am Samstag ein Kaufurteil mit einem Ziel von 500 Dollar. Die drei jüngsten Einschätzungen von Barclays, TD Cowen und Mizuho vom 1. Juni 2026 kommen auf ein durchschnittliches Kursziel von 626,67 Dollar.

Der wichtigste externe Katalysator der Woche folgt am Mittwoch: Oracle veröffentlicht nach US-Börsenschluss seine Quartalsergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Jede Aussage des Oracle-Managements zur KI-Infrastrukturnachfrage oder zu Hyperscaler-Investitionen dürfte die Stimmung im gesamten Sektor neu kalibrieren. Ebenfalls am Mittwoch erscheint der US-Verbraucherpreisindex, am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise. AMD notiert seit Jahresbeginn noch immer rund 112 Prozent im Plus — der Freitag war ein harter Rückschlag, aber kein Bruch des übergeordneten Trends.

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AMD Aktie

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KGV 156,50
Sektor Technologie
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Marktkapitalisierung 760,48 Mrd. EUR
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