AMD Aktie: 982,3 Millionen Dollar Insider-Verkäufe

Trotz überzeugender KI-Geschäftszahlen verliert die AMD-Aktie an Wert. Analysten bleiben optimistisch, während Insiderverkäufe und Konkurrenzdruck belasten.

Dieter Jaworski ·

Kurz zusammengefasst

  • Umsatz übertrifft Analystenerwartungen deutlich
  • KI-Rechenzentrum wächst um 107 Prozent
  • Kurszielanhebungen trotz fallendem Aktienkurs
  • Strategische Partnerschaften und Übernahmen geplant

Wer in den vergangenen Tagen auf die Zahlen von AMD geschaut hat, konnte sich nur wundern. Der Chiphersteller legte für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 11,5 Milliarden Dollar vor, mehr als von Analysten mit 11,28 Milliarden Dollar erwartet.

Und doch gab die Aktie nach den Zahlen kräftig nach. Für mich zeigt genau dieser Widerspruch, worum es bei AMD derzeit wirklich geht: nicht um die operative Substanz, sondern um die Frage, wie viel Zukunft der Markt bereits eingepreist hat.

Die operativen Zahlen überzeugen

Das Segment Rechenzentren wuchs im zweiten Quartal um 107 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar und stellt inzwischen 58 Prozent des Gesamtumsatzes. Die Bruttomarge lag nach GAAP bei 54 Prozent, non-GAAP bei 56 Prozent, das verwässerte Ergebnis je Aktie bei 1,38 Dollar GAAP beziehungsweise 1,66 Dollar non-GAAP.

CEO Lisa Su stellte für 2027 eine Verdopplung der Rechenzentrumsumsätze in Aussicht und rechnet für die zweite Jahreshälfte 2026 mit einem Serverumsatzplus von mehr als 80 Prozent.

Für das dritte Quartal 2026 peilt AMD rund 13 Milliarden Dollar Umsatz an, plus/minus 300 Millionen Dollar – ein Plus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das sind keine Zahlen, die für sich genommen einen Kursrückgang rechtfertigen. Im Gegenteil: Sie untermauern die These, dass AMD im KI-Rennen tatsächlich Boden gutmacht.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Die Reaktion der Wall Street fiel entsprechend positiv aus. Rosenblatt hob das Kursziel am 6. August von 665 auf 700 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Wells Fargo zog am 5. August nach und erhöhte sein Ziel von 615 auf 700 Dollar bei einer Übergewichten-Einstufung.

Weitere Häuser folgten mit teils deutlichen Anhebungen zwischen 465 Dollar (Morgan Stanley) und 650 Dollar (Jefferies, KeyCorp). Nach Angaben von S&P Global liegt der durchschnittliche Kursziel-Konsens von 51 befragten Analysten bei 613,33 Dollar, verbunden mit einer „Strong Buy“-Einstufung.

Auch automatisierte Bewertungsdienste wie Zacks stuften die Aktie Anfang August auf „Strong Buy“ hoch – ein Signal, das ich angesichts seines mechanischen Charakters aber nicht überbewerten würde.

Strategische Weichenstellungen: Taalas und Anthropic

Parallel zu den Zahlen baut AMD sein KI-Ökosystem aus. Anfang August vereinbarte das Unternehmen die Übernahme von Taalas, einem auf spezialisierte KI-Inferenz-Silizium fokussierten Anbieter aus Toronto, dessen Technologie Rechen- und Speicherengpässe bei Inferenz-Workloads reduzieren soll. Der Deal soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden.

Bereits im Juli hatte AMD eine strategische Partnerschaft mit Anthropic verkündet, inklusive einer möglichen Investition von bis zu 5 Milliarden Dollar und dem Einsatz von 2 Gigawatt AMD-Instinct-MI450-GPUs, die erste Gigawatt-Stufe soll in der ersten Jahreshälfte 2027 folgen. Beide Schritte zielen darauf, AMD nicht nur als GPU-Lieferant, sondern als Anbieter der gesamten Inferenz-Kette zu positionieren.

Warum der Kurs trotzdem fällt

Und trotzdem: Der Kurs schloss am Montag bei 407,60 Euro, ein Minus von 2,49 Prozent, und liegt inzwischen gut 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Für mich sind dafür drei Faktoren entscheidend. Erstens die Positionierung: Nach dem massiven Lauf der Aktie waren offenbar viele Investoren bereits stark investiert, sodass selbst ein Zahlenwerk über den Erwartungen nicht ausreichte, um neue Käufer zu mobilisieren.

Zweitens die Konkurrenzsituation: Als CEO Lisa Su Anfang August gegenüber CNBC „tremendous respect“ für Elon Musk äußerte, nachdem SpaceX sich exklusiv auf Nvidia-KI-Chips festgelegt hatte, wurde deutlich, dass AMD im Kampf um Großkunden noch nicht überall die Nase vorn hat.

Drittens die Insider-Aktivität: In 157 SEC-Meldungen von 15 Insidern stehen 155 Verkäufen im Gesamtvolumen von rund 982,3 Millionen Dollar nur zwei Käufe über 1,5 Millionen Dollar gegenüber, wobei die jüngste erfasste Meldung bereits vom 17. Juni datiert. Ein Muster, das zumindest nicht für blinden Optimismus des Managements spricht.

Mein Fazit

Unterm Strich überzeugt mich die operative Entwicklung von AMD nach wie vor: Wachstumsraten im Rechenzentrumsgeschäft, eine ambitionierte, aber begründete Guidance und strategische Zukäufe wie Taalas sprechen für ein Unternehmen, das im KI-Zyklus mitspielt statt nur zuzuschauen.

Die aktuelle Kursschwäche lese ich weniger als Fundamentalkritik denn als Verdauung einer sehr optimistischen Vorlaufbewertung, verschärft durch Konkurrenzsorgen und Gewinnmitnahmen von Insidern.

Wer von der langfristigen Wachstumsstory überzeugt ist, dürfte die aktuelle Korrektur eher als Normalisierung denn als Warnsignal einordnen – Volatilität wird die Aktie angesichts einer annualisierten Schwankungsbreite von knapp 79 Prozent aber wohl vorerst begleiten.

Anzeige

AMD-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue AMD-Analyse vom 11. August liefert die Antwort:

Die neusten AMD-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für AMD-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

AMD: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

AMD Aktie

411,75 EUR

– 6,15 EUR -1,47 %
KGV 123,31
KUV 19,10
Sektor Technologie
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 789,07 Mrd. EUR
Ø Kursziel 608,23 USD
ISIN: US0079031078 WKN: 863186

Community Forum zu AMD

Ähnliche Artikel

Münchener Rück Aktie: 38-Milliarden-Ziel nach Preisrückgang

Münchener Rück Aktie: 38-Milliarden-Ziel nach Preisrückgang

Quantum X Labs Aktie: 50 auf Tausende Qubits bis 2027

Quantum X Labs Aktie: 50 auf Tausende Qubits bis 2027

Pharma & Biotech ·
Micron Technology Aktie: 2027 wird Speicherknappheit enger

Micron Technology Aktie: 2027 wird Speicherknappheit enger

Halbleiter ·
Airbus Aktie: 3,32 Prozent vor der Entscheidung

Airbus Aktie: 3,32 Prozent vor der Entscheidung

Rüstung & Luftfahrt ·
SAP Aktie: Goldman Sachs sieht 215 Euro

SAP Aktie: Goldman Sachs sieht 215 Euro

Tech & Software ·

Weitere Artikel zu AMD

Alle Artikel anzeigen
AMD Aktie: Rosenblatt hebt auf 700 Dollar

AMD Aktie: Rosenblatt hebt auf 700 Dollar

KI & Quantencomputing ·
AMD Aktie: Anthropic-Partnerschaft über 2 Gigawatt

AMD Aktie: Anthropic-Partnerschaft über 2 Gigawatt

KI & Quantencomputing ·
AMD Aktie: 17.000 Token pro Sekunde mit Taalas

AMD Aktie: 17.000 Token pro Sekunde mit Taalas

KI & Quantencomputing ·
Rekordzahlen, Kursrutsch: Tech-Aktien im Widerspruch zu sich selbst

Rekordzahlen, Kursrutsch: Tech-Aktien im Widerspruch zu sich selbst

Earnings ·
AMD Aktie: 7,45 Prozent Absturz trotz Rekordumsatz

AMD Aktie: 7,45 Prozent Absturz trotz Rekordumsatz

KI & Quantencomputing ·