AMD Aktie: Anthropic-Partnerschaft über 2 Gigawatt
AMD meldet Rekordumsätze im KI-Geschäft, doch die Aktie fällt. Analysten erhöhen Kursziele, während Insider Verkäufe tätigen.

Kurz zusammengefasst
- Rekordquartal mit 11,5 Mrd. Dollar Umsatz
- KI-Rechenzentrum wächst um 107 Prozent
- Übernahme von Taalas und Anthropic-Deal
- Kurszielanhebungen trotz fallendem Aktienkurs
Wer in diesen Wochen auf den Kurs von AMD schaut, reibt sich die Augen. Da meldet ein Chipkonzern das stärkste Quartal seiner Geschichte, schließt eine Übernahme ab, verkündet eine milliardenschwere Partnerschaft mit Anthropic – und der Kurs gibt trotzdem nach. Am Freitag schloss die Aktie bei 418,00 Euro, auf Monatssicht steht ein Minus von 14,47 Prozent, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt 18,31 Prozent. Genau dieses Spannungsfeld zwischen operativer Wucht und nervöser Marktreaktion erzählt derzeit mehr über den Zustand der KI-Rally als jede einzelne Kennzahl.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Im zweiten Quartal 2026 setzte AMD 11,5 Milliarden Dollar um, die GAAP-Bruttomarge lag bei 54 Prozent, der operative Gewinn bei 2,0 Milliarden Dollar. Auf non-GAAP-Basis stieg der Nettogewinn auf 2,8 Milliarden Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie auf 1,66 Dollar. Der eigentliche Treiber sitzt im Rechenzentrumsgeschäft: Dessen Umsatz kletterte um 107 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar, getragen von starker Nachfrage nach den EPYC-Prozessoren und den Instinct-GPUs. Für das dritte Quartal stellte AMD einen Umsatz zwischen 12,7 und 13,3 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich über den zuvor erwarteten 12,5 Milliarden Dollar. Auf der Analystenkonferenz präzisierte Konzernchefin Lisa Su die Erwartungen weiter: Das Servergeschäft solle in der zweiten Jahreshälfte 2026 um 80 Prozent wachsen, für 2027 rechnet sie mit einem Plus von mehr als 70 Prozent.
Das ist nicht das Bild eines Unternehmens, das die Erwartungen enttäuscht. Es ist das Bild eines Marktes, der nach Jahren des Aufwärtssogs jede Nachricht durch die Brille des bereits Eingepreisten liest.
Wall Street rechnet die Kursziele neu
Entsprechend überschlugen sich die Kurszielanhebungen. Wells Fargo & Company hob ihr Kursziel von 615 auf 700 Dollar an und bestätigte die Einstufung Overweight. Rosenblatt Securities zog nach und setzte das Ziel von 665 auf 700 Dollar herauf, verbunden mit einem Kauf-Votum. Auch Truist, DA Davidson, Argus und KeyCorp erhöhten ihre Kursziele in der ersten Augustwoche spürbar, während JPMorgan trotz einer Anhebung auf 550 Dollar bei einer neutralen Einstufung blieb und Morgan Stanley mit einem Ziel von 465 Dollar am zurückhaltendsten unter den großen Häusern agiert. Bereits Ende Juli hatte Citigroup die Aktie von „Market Perform“ auf „Buy“ hochgestuft – ein früher Vorbote der Euphorie, die sich nach den Quartalszahlen fortsetzte.
Diese Bandbreite an Kurszielen, von 465 bis 700 Dollar, zeigt, wie unterschiedlich die Häuser das Verhältnis zwischen Wachstumstempo und Bewertung gewichten. Genau darin liegt die eigentliche Frage hinter der Aktie: Wächst das Geschäft schnell genug, um mit dem Tempo der eigenen Bewertung Schritt zu halten?
Taalas, Anthropic und die nächste Ausbaustufe
Die strategische Antwort von AMD kam in Form zweier Ankündigungen. Der Konzern vereinbarte die Übernahme von Taalas, einem 2023 gegründeten Toronto-Unternehmen, das auf spezialisierte Silizium-Lösungen für KI-Inferenz spezialisiert ist und Rechen- sowie Speicherengpässe in Inferenz-Datenflüssen reduzieren soll. Parallel dazu besiegelte AMD eine Partnerschaft mit Anthropic: Bis zu zwei Gigawatt an MI450-GPUs sollen im Helios-System zum Einsatz kommen, das erste Gigawatt bereits in der ersten Jahreshälfte 2027. Microsoft wiederum kündigte an, Helios in großem Maßstab über Azure für Inferenz-Aufgaben großer KI-Modelle zu nutzen – für Microsoft selbst, für dessen KI-Kunden und für Azure-AI-Dienste.
Das sind keine Randnotizen, sondern Bausteine eines Infrastruktur-Wettrennens, in dem sich Chiphersteller, Cloud-Anbieter und KI-Labore zunehmend gegenseitig binden. Wer hier mitspielt, sichert sich Nachfrage über Jahre – riskiert aber auch, dass ein einzelner Partner überproportional wichtig wird.
Etwas Nüchternheit liefert ein Blick ins Kleingedruckte: Medienberichten zufolge verzeichnete AMD in den vergangenen 90 Tagen Insiderverkäufe mit einem Nettovolumen von 15,37 Millionen Dollar, ausschließlich durch Führungskräfte – darunter geplante Verkäufe von Mark Papermaster und Lisa Su. Kein Alarmsignal, aber ein Hinweis darauf, dass selbst die Optimisten im eigenen Haus Gewinne mitnehmen, während der Markt draußen noch über die richtige Bewertung streitet.
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