AMD Aktie: Helios in Serienproduktion
AMD präsentiert die zweite Helios-Generation und sichert sich milliardenschwere Aufträge von Anthropic, OpenAI und Microsoft. Die Aktie fällt dennoch leicht.

Kurz zusammengefasst
- Helios-Plattform geht in Serie
- Fünf-Milliarden-Deal mit Anthropic
- Meta und OpenAI bekräftigen Aufträge
- Kursziel-Anhebungen trotz Kursminus
AMD hat auf seiner Hausmesse Advancing AI 2026 in San Francisco die zweite Generation seiner KI-Rack-Plattform Helios vorgestellt – und gleichzeitig eine Serie milliardenschwerer Kundendeals verkündet. Die Aktie reagierte darauf mit einem Kursrückgang, während mehrere Analysehäuser ihre Kursziele deutlich anhoben. Der Widerspruch zwischen starker Produktnachricht und schwächerem Kurs prägt das Bild vom 23. Juli 2026.
Helios geht in Serienproduktion
Firmenchefin Lisa Su erklärte auf der Konferenz, Helios befinde sich bereits in voller Produktion, die Auslieferung solle zum Ende des dritten Quartals 2026 beginnen. Das Rack-System kombiniert 72 Instinct-MI455X-Grafikprozessoren mit EPYC-Prozessoren der sechsten Generation (Codename Venice) und Pensando-Netzwerktechnik. Der MI455X-Chip bringt laut Unternehmensangaben 432 Gigabyte HBM4-Speicher und eine Bandbreite von 23,3 Terabyte pro Sekunde mit, was gegenüber dem Vorgänger MI355X einen bis zu 34-fach höheren Token-Durchsatz ermöglichen soll. Das Gesamtsystem kommt laut AMD auf 2,9 Exaflops Rechenleistung im FP4-Format und 31 Terabyte HBM4-Speicher.
Im Vergleich zu Nvidias Vera-Rubin-NVL72-System beansprucht AMD nach eigenen Angaben 15 Prozent mehr KI-Rechenleistung, 50 Prozent mehr Speicherkapazität und 50 Prozent höhere Scale-out-Bandbreite, bei bis zu 30 Prozent mehr Tokens pro investiertem Dollar. Das Fachmedium The Register bestätigte in eigenen Tests einen real erzielten Durchsatz von rund 20 Petaflops im FP4-Format, was etwa der Hälfte der theoretischen Spitzenleistung entspricht. Parallel launchte AMD die EPYC-9006-Serie mit bis zu 256 Kernen, die laut Tom’s Hardware bis zu 3,4-fach schneller als vergleichbare Intel-Xeon-Prozessoren und rund 20 Prozent leistungsfähiger als Nvidias Vera-CPU ausfallen soll.
Anthropic, OpenAI, Meta und Microsoft als Großkunden
Kern der Ankündigungen war eine strategische Partnerschaft mit Anthropic: AMD investiert bis zu 5 Milliarden US-Dollar in das KI-Unternehmen und stellt im Gegenzug bis zu zwei Gigawatt an MI450-Grafikprozessoren in Helios-Systemen bereit, das erste Gigawatt soll in der ersten Hälfte 2027 online gehen. Anthropic-Technikchef Tom Brown bezeichnete Helios als „erstaunliche Plattform“. Die Kooperation reicht laut Berichten über reine Hardwarelieferung hinaus: Anthropics Chatbot Claude soll künftig bei der Optimierung der AMD-Softwareplattform ROCm mitwirken, während AMD intern Claude für die eigene Softwareentwicklung einsetzt.
Daneben bekräftigten Meta und OpenAI ihre bereits bestehenden Verpflichtungen über jeweils sechs Gigawatt an Instinct-Grafikprozessoren. OpenAI soll Helios im vierten Quartal 2026 in Betrieb nehmen, Microsoft kündigte an, seine Azure-Cloud mit den neuen Systemen auszubauen. Oracle bestellte laut Berichten 50.000 MI450-Chips. Zusätzlich vereinbarte AMD eine technische Partnerschaft mit dem Chiphersteller Cerebras: Die Kombination aus Helios-Racks und Cerebras‘ Wafer-Scale-Engine soll bei der KI-Inferenz bis zu fünffach höhere Token-Ausbeute pro Watt liefern und ab der zweiten Jahreshälfte 2026 über die Cerebras Cloud verfügbar sein.
Wall Street bleibt trotz Kursrückgang optimistisch
Trotz der Fülle an Ankündigungen gab die Aktie am Ankündigungstag nach – Marktbeobachter führten dies vor allem auf eine allgemeine Schwäche im Halbleitersektor zurück, nicht auf die Produktnews selbst. Ein Analyst kommentierte den Rückgang mit Verweis auf die breitere Marktlage. Am gestrigen Handelstag schloss die Aktie mit einem Minus von 2,51 Prozent bei 471,80 Euro. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 8,97 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch trennen das Papier lediglich 7,80 Prozent.
Die Analysten von Benchmark reagierten auf die Nachrichtenlage mit einer deutlichen Anhebung ihres Kursziels von 485 auf 685 US-Dollar bei bestehender Kaufempfehlung. Als Begründung nannten sie die erweiterte Microsoft-Azure-Roadmap mit Helios sowie den Anthropic-Deal. Die Analysten von Wedbush bezeichneten den Microsoft-Deal als Startpunkt einer „scharfen KI-Rampe“, warnten zugleich aber, dies allein sei kein Grund für einen Einstieg auf dem aktuellen Kursniveau. Nach Konsensschätzungen mehrerer Häuser gilt AMD überwiegend als Kauf, mit Kurszielen, die deutlich über dem zuletzt gehandelten Niveau liegen.
Unternehmensseitig untermauerte AMD die Wachstumsstory mit Zahlen aus dem ersten Quartal: Der Rechenzentrumsumsatz legte um 57 Prozent zu, der Gesamtumsatz übertraf mit 10,25 Milliarden US-Dollar die Analystenerwartungen von 9,90 Milliarden. Für das laufende zweite Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 11,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Su bezifferte den erwarteten Gesamtmarkt für Rechenleistung bis 2030 auf 2 Billionen US-Dollar, wovon 1,4 Billionen auf KI-Beschleuniger entfallen sollen – ein Markt, der nach ihren Worten von einer „außerordentlich starken“ Nachfrage aller großen Cloud-Anbieter getragen werde. Für die kommenden Jahre kündigte AMD zudem eine Roadmap mit den Nachfolgechips MI500 für 2027 und MI600 für 2028 sowie neuen Zen-Prozessorgenerationen an.
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