AMD Aktie: Rosenblatt hebt auf 700 Dollar

Trotz Rekordumsatz und milliardenschwerer KI-Deals fällt die AMD-Aktie. Analysten streiten über die Bewertung des Chipherstellers.

Dieter Jaworski ·
AMD Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordumsatz von 11,54 Milliarden Dollar
  • KI-Deals mit Anthropic und Microsoft
  • Analysten uneins über Aktienbewertung
  • Aktie trotz starker Zahlen gefallen

Manche Aktien erzählen die Geschichte einer ganzen Branche in einem einzigen Kursverlauf. AMD ist gerade so ein Fall: Der Chiphersteller liefert Rekordzahlen, unterschreibt Milliarden-Deals mit den größten Namen der KI-Welt – und der Kurs fällt trotzdem. Wer verstehen will, wohin die Reise der künstlichen Intelligenz an der Börse geht, kommt an diesem Widerspruch nicht vorbei.

Das Rekordquartal, das nicht reichte

Am Dienstag vergangener Woche legte AMD Zahlen vor, die auf den ersten Blick keine Wünsche offenließen: 11,54 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal, ein Plus von 50,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ein bereinigter Gewinn pro Aktie von 1,66 Dollar – mehr als die von Analysten erwarteten 1,62 Dollar.

Das Rechenzentrumsgeschäft, mittlerweile das Herzstück des Konzerns, verdoppelte sich nahezu auf 6,7 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellte AMD rund 13,0 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, ein Wachstum von 41 Prozent und deutlich über der Konsensschätzung von 12,52 Milliarden Dollar.

Die Reaktion der Börse fiel trotzdem kühl aus: Zwischen dem 4. und 5. August rutschte die Aktie um rund 9 Prozent ab. Anleger stießen sich weniger an den Zahlen selbst als an der Bewertung, die diesen Zahlen bereits vorausgeeilt war.

Aktuell notiert das Papier bei 413,25 Euro – seit Jahresbeginn ein Plus von 124,57 Prozent, aber rund 7,8 Prozent unter dem eigenen 50-Tage-Durchschnitt. Genau diese Spannung zwischen fundamentaler Stärke und ausgereizter Erwartungshaltung prägt die Aktie seit Wochen.

Helios, Anthropic, Microsoft – die Infrastrukturwelle rollt weiter

Während der Markt noch die Bewertung verdaut, baut AMD an der nächsten Eskalationsstufe des KI-Wettlaufs. Auf dem Investorentag stellte das Unternehmen „Helios“ vor, eine Rack-Scale-Plattform aus EPYC-Venice-Prozessoren, MI450-Grafikchips und Pensando-Netzwerktechnik, deren erste Auslieferungen für das dritte Quartal angekündigt sind.

Wenige Tage später kündigte Anthropic an, bis zu zwei Gigawatt an AMD-Instinct-MI450-Beschleunigern in genau diesen Helios-Racks einzusetzen – ab der ersten Hälfte 2027. Microsoft erklärte parallel, die Helios-Plattform in großem Maßstab auf seiner Azure-Cloud für Inferenz-Aufgaben führender KI-Modelle einzusetzen.

Auch abseits der Software-Giganten wächst das Ökosystem: Core Scientific vereinbarte Ende Juli, bis zu 2,5 Gigawatt Rechenzentrumskapazität für AMD-Kunden bereitzustellen – im Gegenzug erhält AMD marktpreisige Optionsscheine auf Core-Scientific-Aktien.

Am Donnerstag kam mit der Übernahmevereinbarung für das Toronto-Startup Taalas ein weiterer Baustein hinzu: Dessen „Weight-Hardwiring“-Technologie soll künftig direkt in die Systemlösungen der Instinct-GPUs einfließen.

Wer diese Kette aus Partnerschaften und Zukäufen betrachtet, erkennt ein Unternehmen, das sich nicht mehr nur als Chiplieferant versteht, sondern als Architekt kompletter KI-Infrastruktur positionieren will.

Die Wall Street ist sich uneinig – und das ist die eigentliche Botschaft

Diese Ambivalenz spiegelt sich exakt in den Analystenlagern wider. Rosenblatt hob das Kursziel heute auf 700 Dollar an und bestätigte das Kaufvotum – nach eigener Lesart trägt allein die Wachstumsdynamik der Rechenzentrumssparte diese Bewertung.

JPMorgan Chase & Co. zog das Ziel am selben Tag auf 550 Dollar hoch, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“ – ein Hinweis darauf, dass selbst optimistischere Zahlen die grundsätzliche Bewertungsskepsis nicht auflösen.

Zuvor hatten bereits Morgan Stanley und DA Davidson ihre Kursziele nach den Q2-Zahlen kräftig angehoben, ohne sich in der Einstufung einig zu werden. Ein automatisiertes Bewertungsmodell von GuruFocus stufte die Aktie zuletzt sogar als „deutlich überbewertet“ gegenüber einem berechneten fairen Wert von 266,48 Dollar ein – ein Datenpunkt, der die Debatte befeuert, aber keine eigene Analyse ersetzt.

Was bleibt

Die Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei knapp 79 Prozent annualisiert – ein Wert, der zeigt, wie nervös der Markt auf jede neue Nachricht reagiert. Fundamental wächst AMD so schnell wie kaum ein anderer Halbleiterkonzern, mit 12,3 Milliarden Dollar Kassenbestand als Puffer laut jüngstem Quartalsbericht.

Ob der Markt der Wachstumsstory oder der Bewertungsangst mehr Gewicht gibt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen – ein Muster, das die gesamte KI-Rallye seit Monaten begleitet.

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Sektor Technologie
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