AMD jagt Rekordhoch, ASML kämpft mit China-Risiko — fünf Tech-Aktien vor dem Mai-Showdown

AMD erreicht neues Allzeithoch vor Quartalszahlen, während ASML trotz Rekordaufträgen unter China-Risiken leidet. IREN, D-Wave und Quantum eMotion stehen vor entscheidenden Tests.

Felix Baarz ·
AMD Aktie

Kurz zusammengefasst

  • AMD erreicht Rekordhoch vor Earnings
  • ASML mit China-Risiko trotz Rekordaufträgen
  • IREN wandelt sich zum KI-Cloud-Anbieter
  • D-Wave und Quantum eMotion vor Härtetests

Allein im April hat AMD mehr als 246 Prozent auf Jahressicht zugelegt. ASML verbucht Rekordaufträge, muss aber regulatorischen Gegenwind aus Washington einpreisen. Und bei den Quanten-Werten entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob aus Euphorie belastbare Umsätze werden. Der Tech-Sektor startet zwiegespalten in den Mai — mit geballter Earnings-Power und offenen politischen Fragen.

AMD: Allzeithoch vor dem Earnings-Test am Montag

Die Rallye bei Advanced Micro Devices hat historische Dimensionen erreicht. Am 30. April markierte die Aktie bei 353,08 US-Dollar ein neues Rekordhoch, die Marktkapitalisierung durchbrach die Marke von 574 Milliarden Dollar.

Getrieben wird der Anstieg von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Die Quartalszahlen von Alphabet und Amazon bestätigten massiv steigende KI-Infrastrukturausgaben — genau das Segment, in dem AMD mit seinen GPUs und CPUs punktet. Susquehanna hob das Kursziel auf 375 Dollar an. DA Davidson stufte die Aktie auf „Buy“ hoch und verwies auf Intels starkes Quartal als Vorboten eines „gewaltigen Schubs für AMDs CPU-Franchise“ durch agentische KI-Workloads.

Das Verhältnis von GPU- zu CPU-Nachfrage verschiebt sich: Beim Vortraining liegt es noch bei 8:1, bei agentischen Workloads nähert es sich der Parität. AMDs Ziel eines Umsatzwachstums von 35 Prozent jährlich wirkt vor diesem Hintergrund erreichbarer denn je — zumal Metas 6-GW-Commitment für KI-Rechenzentren und OpenAIs milliardenschwere Finanzierungsrunde zusätzlichen Rückenwind liefern.

Für das erste Quartal 2026 hat das Management rund 9,8 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht gestellt, ein Plus von etwa 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Non-GAAP-Bruttomarge soll bei circa 55 Prozent liegen. Im zweiten Halbjahr 2026 beginnt AMD zudem, die Großaufträge von OpenAI und Meta Platforms abzuarbeiten.

Von rund 40 Analysten empfehlen 29 die Aktie zum Kauf, kein einziger rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt allerdings bei nur 289 bis 290 Dollar — deutlich unter dem aktuellen Kurs. Northland Capital Markets senkte Ende April sogar auf 260 Dollar und warnte vor einer überhitzten Rallye. Der Earnings-Bericht am 5. Mai wird zeigen, ob die Bewertung gerechtfertigt ist.

ASML: Rekordaufträge im Schatten des MATCH Act

ASML lieferte im ersten Quartal 2026 starke Zahlen: 8,8 Milliarden Euro Umsatz, 2,8 Milliarden Euro Nettogewinn, eine Bruttomarge von 53 Prozent. Der niederländische Lithografie-Spezialist hob seine Jahresprognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro Umsatz an und steigerte die Dividende um 17 Prozent auf 7,50 Euro.

Trotzdem fiel die Aktie am Berichtstag um sechs Prozent. Der Grund: Investoren blicken weniger auf die Ergebnisse als auf die regulatorischen Risiken. Eine parteiübergreifende Gruppe im US-Kongress hat den MATCH Act eingebracht — ein Gesetzesvorhaben, das Chinas Zugang zu Chipfertigungstechnologie weiter einschränken soll. JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande beziffert den möglichen Gewinnrückgang auf bis zu zehn Prozent, sollte das Gesetz in Kraft treten.

Die Verschiebung ist bereits sichtbar: Der Anteil Chinas am Systemumsatz sank von 36 Prozent im Dezemberquartal auf 19 Prozent im ersten Quartal 2026. Gleichzeitig stützen milliardenschwere Bestellungen die Auftragsbücher:

  • SK Hynix und Samsung Electronics orderten jeweils EUV-Maschinen im Wert von rund 8 Milliarden Dollar
  • Samsung bestellte zusätzlich 50 Lithografieanlagen älterer Technologie
  • Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 1.460 Dollar mit Kaufempfehlung

Für ASML wird der legislative Weg des MATCH Act durch den Kongress die bestimmende Variable der kommenden Wochen bleiben — selbst wenn Auftragsbestand und KI-getriebene Investitionen der Kunden einen strukturellen Boden bilden.

IREN: Vom Bitcoin-Miner zum KI-Cloud-Anbieter

IREN hat einen bemerkenswerten Wandel vollzogen. Das Unternehmen positioniert sich als vertikal integrierter KI-Cloud-Anbieter mit großflächigen Rechenzentren und GPU-Clustern für KI-Training und -Inferenz — angebunden an erneuerbare Energiequellen in den USA und Kanada.

Die jüngste Ankündigung unterstreicht das Tempo: IREN hat den Kauf von mehr als 50.000 NVIDIA-B300-GPUs vereinbart. Die gesamte GPU-Flotte soll damit auf 150.000 Einheiten wachsen und bis Ende des Geschäftsjahres 2026 annualisierte Umsätze von über 3,7 Milliarden Dollar stützen.

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Das Finanzierungsgerüst steht: Ein 3,6 Milliarden Dollar schweres GPU-Finanzierungspaket mit verzögerter Auszahlung deckt zusammen mit Microsofts Vorauszahlungen von 1,9 Milliarden Dollar rund 95 Prozent der GPU-Investitionen für einen Fünfjahresvertrag mit Microsoft ab. Bei einer Marktkapitalisierung von 15 Milliarden Dollar handelt die Aktie mit einem KGV von knapp 49.

Am 7. Mai liefert IREN die Q3-Zahlen des Geschäftsjahres 2026. Dieser Bericht wird erstmals harte Daten darüber liefern, ob der Umsatzhochlauf im KI-Cloud-Geschäft das ambitionierte Ziel von 3,4 Milliarden Dollar annualisiertem Umsatz tatsächlich stützt. Elf Analysten bewerten die Aktie einhellig mit „Buy“.

D-Wave Quantum: Erster Investor Day soll Vertrauen schaffen

D-Wave Quantum hat am 29. April angekündigt, am 1. Juni seinen allerersten Investor Day an der New Yorker Börse auszurichten. Unter dem Motto „The D-Wave Difference“ will das Management seinen Dual-Plattform-Ansatz im Quantencomputing präsentieren, den Fortschritt bei fehlerkorrigierten Gate-Modell-Systemen erläutern und die kommerzielle Dynamik untermauern.

Die Aktie reagierte positiv: Am 1. Mai legte sie über zehn Prozent zu und notierte bei 20,04 Dollar. Im vergangenen Monat hat sich der Kurs um 41 Prozent erholt — liegt aber weiterhin 35 Prozent unter dem Jahresstartniveau.

Kommerziell zeigt D-Wave durchaus Substanz. Das Umsatzwachstum beträgt 179 Prozent, die Buchungen im frühen 2026 beliefen sich auf 32,8 Millionen Dollar. Als einziger Anbieter betreibt das Unternehmen eine öffentlich zugängliche Dual-Plattform für Quantencomputing. Die Kehrseite: Die Marktkapitalisierung von 7,4 Milliarden Dollar steht einem negativen KGV gegenüber, und die Bewertung mit rund dem 276-Fachen des Trailing-Umsatzes spiegelt erhebliche Vorschusslorbeeren wider.

Mizuho senkte das Kursziel von 40 auf 31 Dollar, hielt aber an „Outperform“ fest. Northland startete die Abdeckung mit „Market Perform“ und einem Ziel von 22 Dollar. Am 12. Mai folgen die Q1-Ergebnisse — ein entscheidender Härtetest für die Frage, ob die Subskriptionsumsätze und Buchungskonvertierungen tatsächlich skalieren.

Quantum eMotion: ISO-Zertifizierung trifft auf technische Schwäche

Quantum eMotion hat in den vergangenen Monaten eine Reihe strategischer Meilensteine abgehakt. Im Februar startete der Handel an der NYSE American unter dem Kürzel „QNC“ — ein Uplisting, das die institutionelle Sichtbarkeit deutlich erhöht. Im April folgte die ISO/IEC 27001-Überwachungsaudit-Bestätigung ohne Abweichungen sowie die neue ISO/IEC 27017-Zertifizierung für Cloud-Sicherheit.

Strategisch hat sich das Unternehmen vom Anbieter quantenbasierter Entropiequellen zum ausführungsorientierten Cybersecurity-Unternehmen gewandelt. Die Anfang April abgeschlossene Übernahme der kalifornischen SKV Technology integriert die SecureKey-Plattform, die mit einer „speicherlosen“ kryptographischen Architektur persistente Schlüsseloffenlegung — eine Hauptursache von Datenlecks — eliminieren soll.

Der Aktienkurs spiegelt die strategischen Fortschritte bislang nicht wider. An der TSX Venture Exchange notiert das Papier bei 3,64 CAD, ein Tagesverlust von knapp fünf Prozent. Technisch bleibt die Aktie unter dem 20-Tage-Durchschnitt. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 595 Millionen CAD und einem negativen KGV von fast -70 signalisiert die Bewertung den Frühphasen-Charakter des Geschäftsmodells. Der Markt wartet auf Umsatzbelege, die zur strategischen Erzählung passen.

Drei Phasen eines Technologiezyklus — und ein entscheidender Mai

Die fünf Aktien illustrieren drei distinkte Phasen im KI- und Quantentechnologie-Zyklus:

  • Reife Infrastruktur-Player (AMD, ASML): Umsatzstark, earningsgetrieben, aber politisch exponiert
  • Schnell skalierende Mittelstufe (IREN): Der Sprung vom Bitcoin-Mining zur KI-Cloud ist vollzogen — jetzt muss aus vertraglich gesichertem ARR berichteter Umsatz werden
  • Frühphasen-Frontier (D-Wave Quantum, Quantum eMotion): Kommerzielle Traktion entsteht, Verluste bleiben hoch, die Volatilität ist extrem

Der breite Halbleiteraufschwung — der Philadelphia Semiconductor Index liegt fast 47 Prozent im Plus seit Jahresbeginn — hat die gesamte Branche angehoben. Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen KI-getriebener Nachfrage und geopolitischer Regulierung. Für die Quanten-Werte kommt eine weitere Dimension hinzu: kommerzielle Glaubwürdigkeit.

Die nächsten zehn Tage werden diese Trennlinien schärfen. AMDs Bericht am Montag, IRENs Zahlen am 7. Mai, D-Waves Ergebnisse am 12. Mai — jedes dieser Ereignisse kann bestätigen oder infrage stellen, was der Markt bereits eingepreist hat. Für Technologie-Investoren beginnt der Mai als Realitätscheck.

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AMD Aktie

298,05 EUR

+ 17,75 EUR +6,33 %
KGV 129,66
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 549,63 Mrd. EUR
ISIN: US0079031078 WKN: 863186

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