AMD sprengt Erwartungen, Micron liefert 245-TB-SSD — fünf Chip- und Raumfahrtwerte im Aufwind

Starke Quartalszahlen von AMD und Micron sowie Rekordaufträge bei Rocket Lab treiben die Kurse. Analysten warnen vor Überhitzung.

Andreas Sommer ·
Micron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • AMD übertrifft Erwartungen deutlich
  • Micron liefert 245-TB-SSD aus
  • ASML hebt Jahresprognose an
  • Rocket Lab mit Rekordumsatz

Agentische KI verändert die Spielregeln im Halbleitermarkt. Nicht mehr nur ein einzelner GPU-Gigant profitiert — die Nachfrage verbreitert sich auf CPUs, Speicher, Lithografie-Equipment und sogar Raketenstarts. Die Woche bis zum 9. Mai 2026 lieferte für AMD, Micron, ASML, Qualcomm und Rocket Lab USA gleich mehrere Katalysatoren, die den gesamten Technologiesektor nach oben zogen.

AMD: Lisa Su verdoppelt den adressierbaren Markt

Die Skeptiker verstummten am 6. Mai. AMD legte Quartalszahlen vor, die in fast jeder Kategorie über den Erwartungen lagen. Der Umsatz stieg um 38 % auf 10,25 Milliarden Dollar, das Rechenzentrumssegment allein wuchs um 57 % auf 5,8 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 1,37 Dollar schlug die Konsensschätzung von 1,29 Dollar.

Entscheidend ist der strategische Schwenk. CPUs erleben eine Renaissance, weil agentische KI — also autonome Software-Agenten — andere Rechenanforderungen stellt als klassische Chatbots. CEO Lisa Su bezifferte den adressierbaren Markt für Server-CPUs bis 2030 auf über 120 Milliarden Dollar und damit doppelt so hoch wie die bisherige Prognose. OpenAI und Meta haben bereits Lieferverträge für Helios unterzeichnet, AMDs erstes Rack-Scale-KI-System. Metas mehrjähriger Vertrag umfasst den Einsatz von bis zu 6 Gigawatt AMD-GPU-Kapazität.

Für das zweite Quartal stellte Su einen Umsatz von 11,2 Milliarden Dollar in Aussicht — deutlich über den 10,5 Milliarden, die Wall Street erwartet hatte. Die Aktie schloss am Freitag bei 386,15 € und markierte damit ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresanfang hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.

Die Analystenreaktionen fielen entsprechend aus:

  • Bernstein stufte auf „Outperform“ hoch, Kursziel 525 Dollar
  • Goldman Sachs wechselte auf „Buy“ mit einem Ziel von 450 Dollar
  • Baird erhöhte das Kursziel auf 625 Dollar

Bei einem KGV von 134 preist der Markt allerdings bereits viel Zukunftsmusik ein. Der Ramp-up der MI450-GPUs und der nächsten EPYC-Generation in der zweiten Jahreshälfte wird zeigen, ob die Bewertung gerechtfertigt ist.

Micron: Die größte kommerziell verfügbare SSD der Welt

245 Terabyte in einem einzigen Laufwerk. Micron hat Anfang Mai mit der Auslieferung der 6600 ION SSD begonnen — gebaut auf Basis der hauseigenen G9-QLC-NAND-Technologie und konzipiert für KI-Datenseen, Hyperscaler und Cloud-Objektspeicher. Im Vergleich zu HDD-basierten Systemen reduziert das Laufwerk den benötigten Rack-Platz um 82 %.

Die Leistungsdaten sprechen eine klare Sprache: Für KI-Workloads liefert die SSD bis zu 84-fach bessere Energieeffizienz und 8,6-fach schnellere Datenvorverarbeitung bei 29-fach niedrigerer Latenz. Kein Nischenprodukt, sondern ein Infrastruktur-Baustein für die nächste Generation von KI-Rechenzentren.

Hinter der Produktneuheit steckt eine noch mächtigere Dynamik auf der Angebotsseite. Microns Kapazitäten für High-Bandwidth Memory (HBM) sind für das gesamte Kalenderjahr 2026 ausverkauft. Ein IDC-Bericht prognostiziert, dass die DRAM-Branchenumsätze sich auf 418,6 Milliarden Dollar nahezu verdreifachen könnten — ein Bruch mit historischen Zyklusmustern.

Der Aktienkurs spiegelt diese Sondersituation wider. Am Freitag schloss Micron bei 633,50 € — ein Plus von knapp 15 % an einem einzigen Handelstag. Allein im letzten Monat legte der Kurs um rund 82 % zu. Der Durchschnittskonsens der Analysten liegt allerdings etwas unterhalb des aktuellen Niveaus. Die Frage lautet nicht mehr, ob die Nachfrage da ist, sondern ob Micron schnell genug liefern kann.

ASML: Die EUV-Monopolstellung zieht frische Upgrades an

Der niederländische Lithografie-Spezialist profitiert von der gleichen Nachfragewelle, die AMD und Micron treibt — allerdings eine Stufe weiter oben in der Wertschöpfungskette. Ohne ASMLs Extrem-Ultraviolett-Maschinen lässt sich kein moderner KI-Chip fertigen.

Die Zahlen zum ersten Quartal 2026 untermauern die Marktposition: Nettoumsatz von 8,8 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 53 %. Beide Werte trafen oder übertrafen die Guidance. Noch wichtiger war die Anhebung der Jahresprognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro Umsatz — zuvor hatte das Unternehmen 34 bis 39 Milliarden in Aussicht gestellt.

Bank of America hob die Umsatzwachstumsprognose für 2026 auf 19,8 % an und blickt bereits auf 2028, wo ein Umsatz oberhalb von 50 Milliarden Euro erwartet wird. Berenberg bestätigte die Kaufempfehlung, die Royal Bank of Canada erhöhte ihr Kursziel bei beibehaltener „Outperform“-Einstufung. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt bei rund 1.670 Dollar.

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Am Freitag notierte die ASML-Aktie bei 1.350,20 € — ebenfalls ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresanfang beträgt das Plus gut 37 %. Der RSI von 69 signalisiert zwar eine gewisse Überhitzung, aber die strukturelle Nachfrage nach EUV-Kapazität dürfte den Kurs mittelfristig stützen. Die nächsten Quartalszahlen im Juli werden zeigen, ob der Auftragseingang das Tempo halten kann.

Rocket Lab USA: Rekordumsatz, Rekordauftrag, Rekordtag

Am 8. Mai erlebte Rocket Lab seinen bisher besten Börsentag. Die Aktie schoss um über 34 % nach oben und schloss bei 105,47 Dollar. Der Auslöser: eine Kombination aus Rekordquartalszahlen und dem größten Startvertrag der Unternehmensgeschichte.

Die Eckdaten des ersten Quartals 2026 übertrafen sämtliche Schätzungen. Der Umsatz kletterte um 63,5 % auf 200,3 Millionen Dollar, die Bruttomarge erreichte 38,2 %. Das Auftragspolster wuchs auf 2,2 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 225 bis 240 Millionen Dollar in Aussicht — 16 % sequenzielles Wachstum.

Parallel zu den Zahlen gab Rocket Lab mehrere Großaufträge bekannt:

  • Einen bisher beispiellosen Startvertrag mit einem vertraulichen Kunden für Neutron- und Electron-Raketen bis 2029
  • Einen 190-Millionen-Dollar-Vertrag über 20 Hyperschall-Testflüge
  • Einen 30-Millionen-Dollar-Auftrag von Anduril für Hyperschalltests mit dem HASTE-Vehikel
  • Die Auswahl als Partner von Raytheon für das Space Based Interceptor-Programm der U.S. Space Force

Strategisch bedeutsam ist auch die geplante Übernahme von Motiv Space Systems. Das Unternehmen bringt marserprobte Robotik und Bewegungssteuerungssysteme mit — eine kritische Lücke in Rocket Labs vertikaler Integration.

Der Wermutstropfen: Profitabilität bleibt ein offenes Thema. Die Prognose für den bereinigten EBITDA-Verlust im zweiten Quartal liegt bei 20 bis 26 Millionen Dollar — breiter als die von Wall Street erwarteten 15 Millionen. Der durchschnittliche Analystenkonsens-Kurs von 87,56 Dollar liegt deutlich unter dem aktuellen Niveau. CEO Peter Beck hat den Erstflug der Neutron-Rakete für Ende 2026 angekündigt — ein Ereignis mit dem Potenzial, die Bewertung grundlegend zu verändern.

Qualcomm: Snapdragon erobert die Massenklasse

Während AMD und Micron den Rechenzentrumsmarkt dominieren, setzt Qualcomm den Hebel am anderen Ende an: bei Milliarden von Smartphones. Die neuen Snapdragon 4 Gen 5 und Snapdragon 6 Gen 5 Chips bringen KI-Funktionen, verbesserte Grafik und 5G-Konnektivität in das Budget- und Mittelklassesegment.

Die Leistungssprünge sind beachtlich. Der Snapdragon 4 Gen 5 bietet eine um 77 % verbesserte GPU-Performance und erstmals 90-FPS-Gameplay in der 4er-Serie. Displays mit 144Hz bei Full-HD+-Auflösung und Dual-SIM-Dual-Active-5G runden das Paket ab. Xiaomi hat bereits Geräte mit den neuen Chips bestätigt, Honor, Oppo, Realme und Redmi ziehen nach. Die ersten Smartphones sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 auf den Markt kommen.

Daiwa stufte Qualcomm am 8. Mai auf „Outperform“ hoch und hob das Kursziel drastisch von 140 auf 225 Dollar an. Analyst Louis Miscioscia argumentiert, dass sich Qualcomms Identität vom reinen Smartphone-Chiplieferanten zum breiteren KI-Infrastrukturanbieter wandelt — und der Markt diesen Wandel unterschätzt. Der Investor Day am 24. Juni könnte Details zur Rechenzentrumsstrategie liefern.

Die Q2-Zahlen des Geschäftsjahres 2026 zeigen allerdings ein gemischtes Bild. Der Umsatz sank leicht um 3 % auf 10,6 Milliarden Dollar, wobei das Automotive-Segment mit einem Rekord von 1,33 Milliarden Dollar herausstach, während das Handset-Geschäft um 13 % fiel. Am Freitag notierte die Aktie bei 185,90 € und legte allein an diesem Tag 7,6 % zu. Mit einem KGV von 22 bleibt Qualcomm im Halbleitersektor vergleichsweise moderat bewertet.

KI-Boom verbreitert sich — aber die Bewertungsfrage bleibt

Die gemeinsame Klammer dieser Woche: Der KI-getriebene Investitionszyklus verteilt sich auf immer mehr Profiteure. CPUs, Speicher, Lithografie, Mobilchips und sogar Raketenstarts partizipieren an der Nachfragewelle. AMDs Rekordquartal zog ASML und Qualcomm im Windschatten mit nach oben. Microns SSD-Launch vertiefte den strategischen Burggraben im KI-Speicher. Rocket Lab positionierte sich als Multi-Missions-Unternehmen jenseits des reinen Startgeschäfts.

Die Kehrseite der Euphorie verdient Beachtung. BTIG-Analyst Jonathan Krinsky verglich das Ausmaß der Kursanstiege im Halbleitersektor mit 1999 und warnte vor einer Korrektur von 25 bis 30 % beim Philadelphia Semiconductor Index, der seit Jahresanfang bereits 66 % zugelegt hat. Für Rocket Lab steht die Profitabilität als ungelöstes Spannungsfeld im Raum. Und selbst bei Micron liegt der Analystenkonsens unter dem aktuellen Kurs.

Die kommenden Wochen werden klären, ob die aktuelle Dynamik fundamentale Substanz hat — oder ob der Markt der Realität davongelaufen ist. ASMLs nächster Quartalsbericht im Juli, Qualcomms Investor Day im Juni und der geplante Neutron-Erstflug von Rocket Lab Ende des Jahres liefern die entscheidenden Prüfsteine.

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Micron Aktie

441,55 EUR

– 2,15 EUR -0,48 %
KGV 24,38
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,10 %
Marktkapitalisierung 583,22 Mrd. EUR
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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