Ams Osram Aktie: Kartellamt entscheidet über Infineon-Deal
Ams Osram erwartet Kartellamts-Entscheidung zum Verkauf an Infineon. Schuldenabbau und KI-Photonik prägen die Neuausrichtung.

Kurz zusammengefasst
- Kartellamt prüft Verkauf an Infineon
- Schulden sinken durch Anleihen-Umschuldung
- KI-Photonik als Wachstumschance ab 2030
- Freier Cashflow von über 300 Millionen Euro
Ams Osram steckt mitten im größten Umbau der Unternehmensgeschichte. Der Konzern verkauft Geschäftsbereiche, refinanziert Schulden und wettet auf KI-Photonik. Ob das alles aufgeht, hängt gerade an einer Behörde in Bonn.
Infineon-Deal wartet auf grünes Licht
Das Bundeskartellamt prüft seit dem 3. März 2026 den Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon. Der Kaufpreis: 570 Millionen Euro in bar. Eine Entscheidung wird noch im laufenden Quartal erwartet.
Die Bilanzwirkung wäre erheblich. Bei Genehmigung sinkt der Verschuldungsgrad von 3,3 auf rund 2,5. Das ist kein kosmetischer Effekt — sondern ein struktureller Sprung für ein Unternehmen, das jahrelang unter seiner Schuldenlast ächzte.
Schuldenabbau auf mehreren Wegen
Ams Osram hat parallel bereits gehandelt. Der Konzern platzierte eine Milliarden-Euro-Anleihe mit einem Kupon von 7,25 Prozent und Laufzeit bis Mai 2032. Mit den Erlösen löst er zwei deutlich teurere Altanleihen ab: USD-Papiere mit 12,25 Prozent werden vollständig zurückgezahlt, Euro-Anleihen mit 10,50 Prozent zumindest teilweise. Die jährlichen Zinskosten sinken dadurch um rund 40 Millionen Euro.
Das übergeordnete Ziel ist ambitioniert. Die gesamten Finanzierungskosten sollen bis 2028 von bis zu 300 Millionen Euro auf unter 150 Millionen Euro sinken.
Ein weiterer Portfolioabbau läuft bereits: Ams Osram verkauft sein CMOS-Bildsensorgeschäft für 40 Millionen Euro an indie Semiconductor. Davon fließen 35 Millionen Euro in bar, fünf Millionen Euro als Verkäuferdarlehen mit zweijähriger Laufzeit. Der Abschluss wird innerhalb der nächsten sechs Monate erwartet. Aus allen laufenden Desinvestitionen rechnet der Konzern mit rund 670 Millionen Euro.
Operative Basis und der lange Weg zur KI
Im ersten Quartal 2026 erzielte Ams Osram einen Umsatz von 796 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 16,5 Prozent, das Halbleiter-Kerngeschäft wuchs um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das zweite Quartal erwartet der Konzern einen Umsatz zwischen 725 und 825 Millionen Euro bei einer Marge von etwa 15,5 Prozent.
Der strategische Wachstumshebel liegt in der KI-Photonik. Ams Osram hat eine Entwicklungsvereinbarung für optische Verbindungen auf Basis von Mikro-Emitter-Arrays für Rechenzentren abgeschlossen. Finanzchef Rainer Irle sieht dort eine Umsatzchance im hohen dreistelligen Millionenbereich — allerdings erst ab 2030.
Die Zürcher Kantonalbank mahnte zur Geduld. Hohe KI-Umsätze seien noch Jahre entfernt, Enttäuschungen auf dem Weg dorthin könnten heftige Korrekturen auslösen.
Für das Gesamtjahr 2026 peilt Ams Osram einen freien Cashflow von mehr als 300 Millionen Euro an — gestützt durch Einmaleffekte aus den Verkäufen. Ab 2027 soll der Cashflow strukturell positiv sein. Das setzt voraus, dass das Kartellamt den Infineon-Deal durchwinkt und der größte Einzelverkauf des Umbaus planmäßig über die Bühne geht.
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