ams-OSRAM springt 22 Prozent, Vonovia fällt auf Jahrestief: Ein Montag mit Ausschlägen

ams-OSRAM profitiert von KI-Fantasie, während Vonovia politisch unter Druck gerät und Bitcoin durch Liquidationen über 85.000 Dollar steigt.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • ams-OSRAM meldet VCSEL-Fortschritt für KI
  • Vonovia fällt auf 17,28 Euro
  • Bitcoin übersteigt 85.000 US-Dollar
  • Pontes bindet Deutsche Bank an

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

22 Prozent Kursplus an einem einzigen Handelstag – das schafft normalerweise kein DAX-Wert, sondern höchstens ein Biotech-Titel nach positiven Studiendaten. Heute gelingt es ams-OSRAM, und der Grund liegt tief in der Lieferkette für künstliche Intelligenz. Gleichzeitig markiert Vonovia ein neues 52-Wochen-Tief, und Bitcoin springt über 85.000 Dollar. Drei Bewegungen, drei völlig unterschiedliche Zeithorizonte – wer sie durcheinanderwirft, trifft die falschen Schlüsse.

Chip-Werte: ams-OSRAM sticht heraus, der Trump-Xi-Gipfel liefert die Kulisse

Drei Tage vor dem Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Washington positionieren sich Anleger in Halbleiterwerten neu. Laut Bloomberg sollen beim Staatsbankett am Donnerstag auch Nvidia-Chef Jensen Huang, Microsoft-CEO Satya Nadella, Apple-Chairman Tim Cook und OpenAI-Chef Sam Altman dabei sein – ein Line-up, das den Gipfel zur Weichenstellung für die globale KI-Lieferkette macht, nicht nur zur Zoll-Verhandlung. US-Finanzminister Scott Bessent nannte seine zwölfstündigen Vorgespräche mit Vize-Premier He Lifeng „sehr erfolgreich“; verhandelt wird über reziproke Zollsenkungen auf jeweils 30 Milliarden Dollar Warenwert sowie ein gegenseitiges Meldesystem für KI-Vorfälle.

Infineon notiert rund 3 Prozent höher, Intel legt über die Frankfurter Handelsplattform sogar 8,6 Prozent zu. Den größten Ausschlag liefert aber ams-OSRAM mit seinem Plus von 22 Prozent: Das Unternehmen meldete einen technologischen Durchbruch bei Dünnschicht-Oberflächenemittern (VCSELs) für KI-Rechenzentren und will auf der Fachmesse ECOC gemeinsam mit Partner BizLink eine Multicore-Faserlösung demonstrieren. UBS und Jefferies bewerteten die Entwicklung positiv, Aixtron und Siltronic ziehen im Sog mit. Für Anleger, die auf den Halbleiter-Zyklus setzen, ist das die eigentliche Botschaft: Nicht der Zollstreit selbst, sondern die Frage, wer die Bauteile für die nächste KI-Generation liefert, treibt die Kurse.

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Der Kurssprung bei ams-OSRAM zeigt, wie stark Anleger auf Fortschritte in der KI-Infrastruktur reagieren – doch die eigentlichen Gewinner der Rechenzentrums-Welle sitzen oft im Hintergrund. Ein kostenloser Spezialreport stellt vier KI-Aktien vor, darunter einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz, die abseits des Rampenlichts vom Boom profitieren könnten. Vier KI-Profiteure entdecken

Immobilien: Berlins Vergesellschaftungspläne drücken Vonovia auf 17,28 Euro

Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin unter Spitzenkandidatin Elif Eralp gerät der gesamte Immobiliensektor unter Druck – und das ist mehr als eine kurzfristige Verkaufswelle. Eralp plant die Vergesellschaftung von rund 240.000 Wohnungen bei acht Großkonzernen mit jeweils über 3.000 Einheiten über eine kreditfinanzierte Anstalt öffentlichen Rechts. Ziel: Der öffentliche Wohnungsanteil in Berlin soll von rund 20 auf über 30 Prozent steigen. Die Entschädigung soll nach Eralps Vorstellung deutlich unter Marktwert liegen – Rechnungshof und DIW warnen bereits vor rechtlichen Risiken und Bürgschaftslasten für die Steuerzahler.

Vonovia und Deutsche Wohnen halten zusammen gut 130.000 Berliner Wohnungen, davon nur rund 1.000 im Bau – die Bestände sind also fast ausschließlich Bestandsimmobilien, genau die Kategorie, die Eralp ins Visier nimmt. Die Kursreaktion fällt entsprechend deutlich aus: Vonovia notiert rund 1,5 Prozent im Minus und markierte im Tagesverlauf mit 17,28 Euro ein neues 52-Wochen-Tief, Deutsche Wohnen fiel im Tagestief auf 15,80 Euro, ebenfalls ein Jahrestief. Vonovia-Chef Mucic kritisierte die Pläne scharf. Der Bewertungsabschlag dürfte bleiben, solange die politische Unsicherheit anhält – das ist ein Risiko mit Jahren Vorlaufzeit, kein Tagesphänomen.

Bitcoin über 85.000 Dollar: Short-Squeeze trifft auf ETF-Rückenwind

Bitcoin sprang in den vergangenen Tagen über 85.000 US-Dollar und markiert damit den höchsten Stand seit Monaten, ein Plus von rund 5 Prozent gegenüber dem Vortagesniveau. Auslöser war ein Short-Squeeze: Binnen 24 Stunden wurden nach Marktdaten weit über 600 Millionen Dollar an Short-Positionen zwangsliquidiert, ein Großteil davon binnen wenigen Stunden. Unterfüttert wird die Bewegung durch US-Spot-Bitcoin-ETFs, die am vergangenen Freitag netto rund 433 Millionen Dollar an Zuflüssen verzeichneten – nach zwei schwächeren Vortagen. Wer die Bewegung am Aktienmarkt handelbar machen will, findet sie bei Coinbase: Die Aktie notiert rund 6 Prozent höher.

Bemerkenswert ist der Kontext: Die US-Notenbank hatte erst vergangene Woche erstmals seit 2023 die Zinsen angehoben, während gleichzeitig geopolitische Entspannungssignale – etwa Trumps zeitweise Aussetzung geplanter Militärschläge gegen die Houthis – Risikoappetit zurückbringen. Zins-Unsicherheit und Krypto-Rally gleichzeitig: Das ist ungewöhnlich und zeigt, dass Bitcoin derzeit als Risiko-Asset gehandelt wird, nicht als Absicherung gegen Zinsschritte.

Deutsche Bank positioniert sich in der Tokenisierung des Kapitalmarkts

Das Eurosystem startete die Plattform „Pontes“, über die Großtransaktionen mit tokenisierten Vermögenswerten künftig direkt in Zentralbankgeld abgewickelt werden. Zum Start sind 13 Institute angebunden, darunter die Deutsche Bank, BayernLB, DZ Bank, KfW und die EIB, dazu vier Registerbetreiber wie Clearstream. Die EZB plant zudem, Eigenmittel künftig direkt in tokenisierte Euro-Schuldtitel über Pontes zu investieren; die volle Leistungsfähigkeit der Plattform soll bis 2028 stehen, ein Pilotprojekt für einen digitalen Euro für Bürger ist für September 2027 mit 36 Dienstleistern vorgesehen. Die Deutsche-Bank-Aktie reagierte mit einem Plus von rund 0,7 Prozent – wenig Kursreaktion für eine Infrastruktur, die mittelfristig Abwicklungskosten im Wertpapierhandel senken und neue Ertragsquellen im Depotgeschäft schaffen könnte. Wer hier früh positioniert ist, spielt keinen Tagestrend, sondern eine mehrjährige Wette auf die Marktinfrastruktur.

Bundesbank dämpft das dritte Quartal, die Politik kontert mit dem Tankrabatt

Der Bundesbank-Monatsbericht bremst die Erwartungen: Nach einem Plus von 0,4 Prozent im ersten und 0,3 Prozent im zweiten Quartal wird für das dritte Quartal nur noch ein leichtes Wachstum erwartet – gebremst durch Niedrigwasser am Rhein und die Folgen des Nahost-Konflikts für Energiepreise und Exporte. Für das vierte Quartal rechnet die Bundesbank wieder mit stärkerer Dynamik. Die Inflationsrate lag im August bei 2,9 Prozent, nachdem der vorherige Tankrabatt Ende Juni ausgelaufen war – eine Rückkehr zum EZB-Ziel von 2,0 Prozent dürfte sich verzögern. Das Ifo-Institut erwartet für das Gesamtjahr 2026 ein BIP-Wachstum von 1,4 Prozent, nach nur 0,2 Prozent im Jahr 2025.

Die Politik will gegensteuern: Das Kabinett soll heute grünes Licht für eine Spritpreissenkung von Oktober bis Dezember geben. Die Energiesteuer soll um 14 Cent je Liter sinken, inklusive Mehrwertsteuer eine Entlastung von knapp 17 Cent – Gesamtkosten rund 2,5 Milliarden Euro, je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen. Ein dauerhafter Spritpreisdeckel soll spätestens Anfang 2027 folgen. Für Anleger in zinssensitiven Sektoren bleibt die Botschaft zweigeteilt: Die kurzfristige Konjunkturdelle spricht gegen zyklische Wetten, die für das vierte Quartal erwartete Erholung dagegen für einen Blick nach vorn.

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Während die Bundesbank für das dritte Quartal nur mit einem leichten Wachstum rechnet, bleibt der KI-Megatrend einer der wenigen Bereiche, die sich weitgehend unabhängig vom Konjunkturzyklus entwickeln. Ein aktueller Report bündelt die Top 10 Big-Data-Aktien und zeigt, welche Unternehmen künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber tatsächlich nutzen. Report zu den Top-10-KI-Aktien anfordern

Unterm Strich

Drei Bewegungen, drei Zeithorizonte. Die Chip-Rally vor dem Trump-Xi-Gipfel ist eine Wette auf die kommenden Tage – ams-OSRAM mit 22 Prozent Plus zeigt, wie viel Fantasie in der KI-Lieferkette steckt. Die Vonovia-Schwäche nach der Berlin-Wahl ist ein politisches Risiko mit Jahren Vorlaufzeit, das sich nicht durch eine gute Nachrichtenwoche auflöst. Und der Bitcoin-Sprung über 85.000 Dollar bleibt ein Liquiditätsphänomen, getrieben von Zwangsliquidationen und ETF-Zuflüssen, das ebenso schnell abebben kann, wie es kam. Wer diese Woche ins Depot schaut, sollte vor allem Donnerstag im Kalender markieren: Beim Gipfel in Washington entscheidet sich, ob die Chip-Euphorie trägt oder correction-reif ist.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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