Ams Osram und Süss MicroTec auf Rekordhoch — D-Wave vor dem Härtetest
Ams Osram und Süss MicroTec erreichen neue Höchststände, während D-Wave vor wichtigen Quartalszahlen steht. Der KI-Infrastruktur-Boom treibt die Kurse.

Kurz zusammengefasst
- Ams Osram mit Photonics-Deal auf Rekordhoch
- Süss MicroTec meldet Rekordauftragseingang
- D-Wave vor entscheidender Quartalsmitteilung
- Applied Digital erreicht neues Allzeithoch
Fünf Tech-Aktien, ein gemeinsamer Treiber: der KI-Infrastruktur-Boom. Während Ams Osram mit einem Photonics-Deal für Furore sorgt und Süss MicroTec Rekordaufträge verbucht, steht D-Wave Quantum vor der wichtigsten Quartalsmeldung des Jahres. ASML nutzt die politische Bühne, Applied Digital erreicht ein Allzeithoch. Ein Blick auf fünf Unternehmen, die unterschiedlicher kaum agieren könnten — und doch vom selben Megatrend profitieren.
D-Wave Quantum: Alles wartet auf den 12. Mai
Die Nervosität ist greifbar. Am Mittwoch schloss D-Wave Quantum bei 21,99 US-Dollar — ein Tagesverlust von knapp 8 %, nachdem der Kurs im Handelsverlauf noch 23,68 Dollar erreicht hatte. Die Schwankungsbreite der vergangenen zwölf Monate zwischen rund 6,82 und 46,75 Dollar zeigt, wie extrem die Erwartungshaltung bei diesem Titel pendelt.
Am kommenden Montag vor Börsenöffnung veröffentlicht D-Wave seine Zahlen zum ersten Fiskalquartal 2026. Die Wall Street rechnet mit etwa 4,1 Millionen Dollar Umsatz und einem Verlust je Aktie von 0,10 Dollar. Kleine Zahlen — aber der eigentliche Gradmesser liegt woanders.
Die Buchungen nach Quartalsende liefern den relevanteren Hinweis auf die Geschäftsentwicklung: Allein im Januar und Februar 2026 beliefen sie sich auf 32,8 Millionen Dollar. Sollte dieses Tempo anhalten, wäre 2026 das Jahr, in dem D-Wave erstmals eine echte Umsatzwende erreichen könnte. Im Geschäftsjahr 2025 hatte das Unternehmen bereits ein Umsatzwachstum von 179 % erzielt und technische Meilensteine gesetzt — darunter den Nachweis eines Quantenvorteils und die Dualstrategie aus Annealing- und Gate-Model-Systemen.
Das durchschnittliche Kursziel von zehn Analysten liegt bei 39,10 Dollar, die Spanne reicht von 30 bis 45 Dollar. Northland startete die Coverage jüngst mit einem neutralen „Market Perform“-Rating — ein Signal, dass nicht alle an der Wall Street den Bull Case teilen.
ASML: Zwischen Brüsseler Lobbying und milliardenschwerem Rückkauf
ASML notierte gestern bei 1.295,60 Euro — nur gut ein Prozent unter dem frischen 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 31 % zu Buche.
Die auffälligste Entwicklung dieser Woche war allerdings keine Finanzkennzahl, sondern ein politischer Vorstoß. CEO Christophe Fouquet unterzeichnete gemeinsam mit Führungskräften von Airbus, Ericsson, Mistral AI, Nokia, SAP und Siemens einen offenen Brief in Tageszeitungen acht europäischer Länder. Die Forderung: schnellere Deregulierung, weniger Bürokratie bei KI-Themen, bessere Rahmenbedingungen für Technologieführerschaft in Europa. Die Unterzeichner repräsentieren zusammen über 417 Milliarden Euro Umsatz und fast eine Billion Euro Marktkapitalisierung.
Dass Fouquet gleichzeitig chinesische Nachahmer als ernsthaftes Risiko herunterspielt, Lieferverzögerungen abstreitet und politisch in die Offensive geht, zeigt das Selbstbewusstsein Europas wertvollsten Technologieunternehmens. Der regulatorische Gegenwind ist allerdings real: Der US-Kongressausschuss für Auswärtige Angelegenheiten hat den MATCH Act verabschiedet, der den Verkauf älterer DUV-Lithographiemaschinen an China einschränken könnte. Den Niederlanden und Japan bleiben 150 Tage, um ihre Exportregeln anzupassen.
Die Quartalszahlen untermauern die operative Stärke:
- Umsatz Q1 2026: 8,8 Milliarden Euro
- Bruttomarge: 53,0 %
- Nettoergebnis: 2,8 Milliarden Euro
- Aktienrückkauf 2026–2028: geplantes Volumen von 12 Milliarden Euro
Allein im ersten Quartal flossen 1,1 Milliarden Euro in Rückkäufe. Wells Fargo bestätigte ein Kursziel von 1.750 Dollar bei „Overweight“-Rating, die Royal Bank of Canada hob ihr Ziel auf 1.700 Dollar an.
Ams Osram: Ein Photonics-Deal verändert die Bewertungslogik
Selten hat eine Quartalsmeldung bei Ams Osram so viel Aufmerksamkeit erzeugt. Am Mittwoch markierte die Aktie mit 17,45 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch — ein Kursanstieg von über 105 % seit Jahresbeginn. Die Volatilität ist mit annualisiert über 100 % enorm, aber die Richtung stimmt.
Der Auslöser: Die Q1-Zahlen übertrafen die Erwartungen deutlich. Bei einem Umsatz von 796 Millionen Euro lag die bereinigte EBITDA-Marge bei 16,5 % — anderthalb Prozentpunkte über dem Konsens. Das Kern-Halbleitergeschäft wuchs währungsbereinigt um 9 % gegenüber dem Vorjahr, und der freie Cashflow verbesserte sich auf 37 Millionen Euro.
Noch wichtiger war aber die strategische Ankündigung. Ams Osram hat eine Entwicklungsvereinbarung mit einem „führenden Partner für KI-Rechenzentrumsinfrastruktur“ geschlossen. Im Kern geht es um optische Interconnects — hochparallele Mikro-Emitter-Arrays, die Daten zwischen Server-Racks transportieren. Die Produktentwicklung läuft bereits. Für ein Unternehmen, das bislang vor allem mit Automobil- und Consumer-Sensorik assoziiert wurde, ist der Eintritt in den KI-Rechenzentrumsmarkt ein Paradigmenwechsel.
Die Transformation geht über den Photonics-Deal hinaus. Desinvestitionen — darunter der Verkauf der Speziallampensparte an Ushio und der nicht-optischen Sensorik an Infineon — treiben den Schuldenabbau voran. Moody’s hob den Ausblick für das B3-Rating von „stabil“ auf „positiv“ an. Strukturell positiver freier Cashflow wird ab 2027 angepeilt.
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Die Analystenmeinungen bleiben gespalten. J.P. Morgan hält an einem Sell-Rating fest, UBS stuft die Aktie als Kauf ein. Die Kurszielspanne reicht von 5,45 bis 13,28 Schweizer Franken — ein Beleg dafür, dass die Transformation polarisiert.
Applied Digital: Allzeithoch dank Hyperscaler-Milliarden
Kaum eine Tech-Aktie hat 2026 eine solche Rally hingelegt wie Applied Digital. Der Kurs erreichte am Mittwoch mit 44,25 Dollar ein neues Allzeithoch. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf über 572 % — gegenüber rund 5 % beim S&P 500.
Hinter der Kursexplosion steht eine klare Strategie: Applied Digital positioniert sich als reiner KI-Rechenzentrumsbetreiber. Anfang Mai wurde die Cloud-Sparte abgespalten und in die neugegründete ChronoScale Corporation eingebracht, die nun unter dem Kürzel CHRN an der Nasdaq notiert. Applied Digital hält rund 97 % der ausstehenden Anteile.
Der operative Treiber ist der Leasing-Deal am 430-MW-Campus Delta Forge 1. Ein US-Hyperscaler mit Investment-Grade-Rating mietete 300 Megawatt IT-Last — ein Vertrag mit einem geschätzten Gesamtvolumen von 7,5 Milliarden Dollar über 15 Jahre. Insgesamt summieren sich die kontrahierten Mieterlöse über alle KI-Factory-Standorte hinweg auf über 23 Milliarden Dollar.
Die jüngsten Quartalszahlen untermauern das Wachstumstempo:
- Umsatz Q3 Fiskaljahr 2026: 126,6 Millionen Dollar (+139 % ggü. Vorjahr)
- Haupttreiber: HPC-Hosting-Geschäft nach Inbetriebnahme des ersten Rechenzentrums Polaris Forge 1
Der Analystenkonsens lautet „Strong Buy“. Needham bestätigte Ende April ein Kursziel von 48 Dollar. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 53,91 Dollar — keiner der elf Analysten empfiehlt den Verkauf.
Süss MicroTec: Rekordaufträge im vermeintlichen Übergangsjahr
Süss MicroTec liefert das Kunststück, ein Übergangsjahr zum Rekordquartal umzufunktionieren. Die Aktie schloss gestern bei 86,25 Euro — ebenfalls auf einem neuen 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.
Der Auftragseingang im ersten Quartal 2026 erreichte 149,3 Millionen Euro — ein Plus von 69,5 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand schwoll um knapp 24 % auf 330,1 Millionen Euro an. Der Umsatz lag mit 86,5 Millionen Euro im Rahmen der Erwartungen, die Bruttomarge bei 36,1 % und die EBIT-Marge bei 4,3 %.
Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte CFO Dr. Cornelia Ballwießer die Prognose:
- Umsatz: 425 bis 485 Millionen Euro
- Bruttomarge: 35 bis 37 %
- EBIT-Marge: 8 bis 10 %
2025 hatte Süss MicroTec noch einen Rekordumsatz von 503 Millionen Euro erzielt. Das Jahr 2026 war ursprünglich als Phase niedrigerer Erlöse bei stabilen Margen konzipiert — die Auftragsflut wirft dieses Szenario nun in ein deutlich positiveres Licht. Ein neuer Produktionsstandort in Taiwan und die starke Nachfrage nach UV-Projektionsscannern sollen ab 2027 zusätzliche Kapazitäten und Wachstumsimpulse liefern.
KI-Infrastruktur bleibt der gemeinsame Nenner
Die fünf Titel decken unterschiedliche Risikoprofile ab — vom hochspekulativen Quantencomputing-Play über die Transformationswette bis zum Infrastruktur-Monopolisten. Was sie verbindet, ist die Abhängigkeit vom selben Investitionszyklus:
- Applied Digital profitiert direkt, wenn Hyperscaler Rechenkapazität anmieten
- Süss MicroTec liefert das Equipment für Advanced Packaging
- ASML kontrolliert den Flaschenhals der Chipfertigung
- Ams Osram positioniert sich als Zulieferer optischer Verbindungstechnik
- D-Wave Quantum setzt darauf, dass Quantenoptimierung den nächsten Effizienzsprung bringt
Der Kalender der nächsten Tage ist dicht. D-Waves Quartalsbericht am Montag wird zeigen, ob die Buchungsdynamik in tatsächliches Umsatzwachstum mündet. Für ASML rückt die politische Dimension — MATCH Act, Exportkontrollen, europäische Industriepolitik — zunehmend neben die Finanzresultate. Bei Süss MicroTec wird entscheidend sein, wie schnell der Rekordauftragsbestand in verbuchte Umsätze umgewandelt werden kann. Ams Osrams Photonics-Pivot braucht weitere Meilensteine, um Skeptiker zu überzeugen. Und Applied Digital muss beweisen, dass die enormen Vertragsvolumina auch operative Profitabilität erzeugen.
Die KI-Nachfrage zeigt bislang keine Ermüdungserscheinungen. Für diese fünf Titel heißt das: Der Rückenwind hält an — aber die individuellen Risiken bleiben erheblich.
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