261 Millionen für stagnierende Gewinne

Die Vorstände der Dax-Konzerne erhielten 2025 deutlich höhere Vergütungen, obwohl die Nettogewinne nicht wuchsen. Der Artikel beleuchtet diese Diskrepanz und weitere Marktthemen.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • Dax-Chefs erhielten 12,9 Prozent mehr Gehalt
  • Nettogewinne der Konzerne stagnierten 2025
  • Volkswagen prüft Auftragsfertigung für China
  • Neues Altersvorsorgedepot startet 2027

Liebe Leserinnen und Leser,

stellen Sie sich vor, Ihr Arbeitgeber stagniert beim Gewinn, aber Sie verlangen 13 Prozent mehr Gehalt. In der normalen Arbeitswelt endet das Gespräch mit der Personalabteilung schnell und einseitig. In den Chefetagen der Dax-Konzerne endet es mit einem Rekordjahr.

Die Zahlen liegen vor: Die Vorstandsvorsitzenden der 40 Dax-Konzerne haben 2025 insgesamt 261,3 Millionen Euro an Vergütung erhalten – ein Plus von 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Nettogewinne derselben Konzerne? Stagnierten bei rund 111 Milliarden Euro. Null Wachstum, volle Kasse. Dass die Gehälter trotzdem stiegen, liegt an der Aktienkursorientierung der Vergütungsverträge. Der Dax legte 2025 um knapp 23 Prozent zu. Die Börse belohnt Vorstände also für eine Marktentwicklung, die operativ kaum untermauert ist. Auch in der vergangenen Woche kletterte der Index um 3,8 Prozent auf 24.648 Punkte.

Gestern schrieb ich, in einem Umfeld klebriger Inflation und ausbleibender Zinssenkungen gewinne nicht der lauteste Titel, sondern der verlässlichste. Heute ergänze ich: Und der bestbezahlte Manager ist nicht zwingend der beste.

Wolfsburg als Auftragsfertiger

Wie tief der Strukturwandel in der deutschen Industrie greift, zeigt ein Vorstoß, der an diesem Wochenende bekannt wurde. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) – Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen – brachte ernsthaft ins Spiel, den Bau chinesischer Autos in deutschen VW-Werken zu prüfen.

Lassen Sie das sacken. Der Konzern, der einst den Käfer erfand und den Golf zur Ikone machte, erwägt, Auftragsarbeit für BYD oder Geely zu leisten. Der Grund ist nüchtern: Es geht darum, Werke auszulasten und Arbeitsplätze zu sichern. Es ist das Eingeständnis, dass der Vormarsch chinesischer Hersteller nach Europa sich nicht mehr aufhalten, bestenfalls noch kanalisieren lässt.

Dass das industrielle Umfeld auch jenseits der Autobauer rau bleibt, zeigte am Donnerstag Heidelberger Druckmaschinen. Die Ergebnisprognose für 2025/26 wurde kassiert, die erwartete EBITDA-Marge von 8,0 auf 6,6 Prozent zusammengestrichen. Geopolitische Spannungen, Währungsrisiken, schwächere Nachfrage – die Begründung liest sich wie eine Blaupause für die halbe deutsche Industrie.

Hormus: Der Markt preist den Frieden ein

Gestern nannte ich die Hormus-Öffnung eine Eintagsfliege. Am Samstag sah es anders aus. Der Iran erklärte, die Straße von Hormus während der laufenden Waffenruhe für Handelsschiffe offen zu halten. Die Ölpreise brachen daraufhin am Samstag um rund 9 Prozent ein, Brent-Rohöl schloss bei 90,38 US-Dollar.

Dass die Route tatsächlich wieder passierbar ist, belegten am Samstag mehrere Kreuzfahrtschiffe. Unter anderem die „Mein Schiff 4/5″ von TUI Cruises und die „MSC Euribia“, die zuvor in der Golfregion festsaßen, durchquerten die Meerenge erfolgreich. Die TUI-Aktie legte daraufhin um über 5 Prozent zu.

Doch der Ölmarkt preist hier möglicherweise einen Frieden ein, der nicht hält. Am Montag schickt US-Präsident Trump erneut eine Delegation nach Islamabad. Gleichzeitig droht die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen mit neuen Angriffen und einer Schließung der Meerenge Bab al-Mandab. Die Euroraum-Inflation, die im März durch die kriegsbedingten Energiepreise auf 2,6 Prozent gestiegen ist, wird uns so schnell nicht verlassen.

70 Jahre Dividende gegen 0,75 Prozent Gebühr

Gestern stellte ich Procter & Gamble als Nagelprobe vor – die Quartalszahlen standen noch aus, der Kurs hatte 14 Prozent verloren. Jetzt liefert der Konzern zumindest eine Antwort an der Dividendenfront: P&G erhöhte seine Ausschüttung – zum 70. Mal in Folge. Die Dividendenrendite liegt bei 3 Prozent. Sieben Jahrzehnte ohne Unterbrechung. Das ist keine Aktie, das ist eine Institution.

Während die alte Welt Beständigkeit demonstriert, öffnet die neue ein weiteres Tor: Der US-Broker Charles Schwab gab am Wochenende bekannt, Bitcoin und Ethereum direkt an seine 39 Millionen Kunden verkaufen zu wollen. Gebühr: 0,75 Prozent. Einlagensicherung: keine. Totalverlustrisiko: vollständig vorhanden. Und dennoch – wenn der größte Discount-Broker Amerikas Krypto ins Standardangebot aufnimmt, ist das kein Nischenthema mehr.

Das Altersvorsorgedepot kommt

Zwischen geopolitischen Verwerfungen und industriellem Umbau gibt es für deutsche Anleger eine konkrete gute Nachricht. Ab dem 1. Januar 2027 startet das neue Altersvorsorgedepot. Die Eckdaten: bis zu 100 Prozent Aktienquote, keine Beitragsgarantie (die ohnehin vor allem Rendite kostet), gedeckelte Kosten von maximal einem Prozent und staatliche Zuschüsse von bis zu 540 Euro im Jahr. Es ist ein überfälliger Schritt. Wer in den vergangenen zwanzig Jahren in einen globalen Aktien-ETF investiert hat, weiß, was eine Beitragsgarantie wirklich kostet: den Großteil der Rendite.

Anzeige

Für Anleger, die in diesem volatilen Umfeld nicht auf bessere Zeiten warten, sondern die aktuelle Marktunruhe aktiv nutzen wollen, ist das Live-Webinar „Das 500 € System: Die binäre Markt-Logik für bis zu 25.000 Euro Gewinn“ von Jörg Mahnert heute um 18:00 Uhr einen genauen Blick wert. Mahnert stellt darin eine regelbasierte Handelsmethode vor, die ohne Nachrichtenrauschen und Expertenprognosen auskommt und stattdessen ausschließlich auf quantitativer Marktlogik beruht. Das Konzept: Mit einem Einstieg von 500 Euro systematisch auf die 25.000-Euro-Marke hinarbeiten – und das gerade dann, wenn die Kursschwankungen besonders ausgeprägt sind. Wer sich für strukturierte Ansätze jenseits des klassischen Buy-and-Hold interessiert, findet hier einen konkreten methodischen Rahmen. Jetzt kostenlos zum Live-Webinar anmelden

Was bleibt

Die Woche hat gezeigt, wie weit Börsenkurse und operative Realität auseinanderdriften können. Dax-Vorstände verdienen Rekordgehälter bei stagnierenden Gewinnen. VW denkt über chinesische Auftragsarbeit nach. Der Ölmarkt feiert eine Entspannung, die morgen schon wieder vorbei sein kann. Wer in diesem Umfeld investiert, braucht keine Euphorie, sondern Urteilsvermögen. Die Berichtssaison geht am Montag mit Tesla, Intel und IBM in die nächste Runde. Dort werden Fakten geliefert – keine Aktienkurs-Boni.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes und einen klaren Kopf für die kommende Handelswoche.

Herzlichst, Ihr Eduard Altmann

Ähnliche Artikel

BP Aktie: Die heimliche Schulden-Falle

BP Aktie: Die heimliche Schulden-Falle

Earnings ·
Fetch.AI: Korrektur enthüllt Bruchzone

Fetch.AI: Korrektur enthüllt Bruchzone

Ethereum & Altcoins ·
Nebius Aktie: Bilanz ohne Spektakel

Nebius Aktie: Bilanz ohne Spektakel

Trading & Momentum ·
Hormuz-Krise erschüttert Weltmärkte

Hormuz-Krise erschüttert Weltmärkte

Rohstoffe ·
Deutsche Telekom Aktie: Milliarden-Rückkauf läuft!

Deutsche Telekom Aktie: Milliarden-Rückkauf läuft!

Telekommunikation ·