Der Essener Energieversorger steht unmittelbar vor der Bilanzvorlage in einem kritischen Spannungsfeld. Während der Konzern international mit neuen Großprojekten expandiert, meldet sich das Bundeskartellamt mit einer deutlichen Warnung zur Marktmacht in Deutschland zu Wort. Investoren müssen nun abwägen: Überwiegen die internationalen Wachstumschancen den regulatorischen Druck im Heimatmarkt?
Kartellamt erhöht den Druck
Kurz vor der Veröffentlichung der Jahreszahlen am 12. März sorgt der sechste Marktmachtbericht des Bundeskartellamts für Unruhe. Die Behörde stuft RWE als „pivotalen“ Versorger ein. Das bedeutet, das Unternehmen ist in bis zu 11,1 Prozent der Jahresstunden unverzichtbar, um die deutsche Stromnachfrage zu decken.
Ursache für diese gestiegene Systemrelevanz ist nicht der Neubau von Kraftwerken, sondern das endgültige Aus anderer Kohlemeiler nach der Energiekrise. Zwar drohen aktuell keine direkten Strafzahlungen, doch die Einstufung als marktbeherrschendes Unternehmen hat Folgen: Das Kartellamt überwacht RWE nun strenger, um sicherzustellen, dass keine Kapazitäten strategisch zurückgehalten werden, um Preise zu treiben.
Milliarden-Projekt in der Nordsee
Als Gegenpol zu den heimischen Regulierungsrisiken treibt RWE die internationale Expansion voran. Für das Offshore-Projekt Norfolk Vanguard West in Großbritannien wurde ein Vertrag mit Vestas über 92 Windturbinen geschlossen. Der Park soll nach der geplanten Inbetriebnahme 2029 rund 1,5 Millionen Haushalte versorgen.
Finanziell setzt RWE dabei auf eine Risikoteilung. Die Investmentgesellschaft KKR steigt mit 50 Prozent in das Projekt ein. Diese „Capital-Light“-Strategie schont die Bilanz und ermöglicht Investitionen trotz hoher Zinsen. Die finale Investitionsentscheidung wird für den Sommer 2026 erwartet. Auch in Südeuropa wächst das Portfolio: In Italien hat der Konzern seine Kapazitäten im Bau auf 235 Megawatt mehr als verdoppelt.
Fokus auf Verschuldung und Dividende
Die Aktie reagierte zuletzt verhalten auf die Gemengelage und notiert aktuell bei 52,68 Euro, was einem Rückgang von knapp 2 Prozent auf Monatssicht entspricht. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 54,82 Euro bleibt mit rund 4 Prozent jedoch moderat.
Das Management versucht, die Attraktivität des Papiers durch Ausschüttungen zu stützen. Ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Milliarden Euro läuft noch bis Mai 2026, zudem wird der Hauptversammlung am 30. April eine Dividende von 1,20 Euro je Aktie vorgeschlagen.
Kritisch beäugen Analysten jedoch die Nettoverschuldung, die zuletzt bei 15,7 Milliarden Euro lag. Am kommenden Mittwoch wird sich zeigen, ob die operative Ertragskraft ausreicht, um diese Last zu tragen und gleichzeitig die geplanten Investitionen von 35 Milliarden Euro bis 2030 zu stemmen.
Die Präsentation der Jahreszahlen am 12. März wird die kurzfristige Richtung vorgeben. Entscheidend für den weiteren Kursverlauf ist dabei nicht nur der erzielte Gewinn, sondern vor allem die Kommunikation des Vorstands zur verschärften Haltung des Kartellamts und zur Entwicklung der Schuldenquote im volatilen Marktumfeld.
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