Naher Osten: Globale Schockwellen

Die Schließung der Straße von Hormuz löst eine weltweite Energiekrise aus, die von Indien bis Australien spürbar ist und Notenbanken vor schwierige Entscheidungen stellt.

Felix Baarz ·
TJX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Weltweite Energiekrise durch blockierte Ölroute
  • Indien und Australien kämpfen mit Versorgungsengpässen
  • Eskalation des Konflikts auf mehreren Fronten
  • Russlands Ölexporte durch Drohnenangriffe beeinträchtigt

Der Nahe Osten brennt – und die Welt zahlt die Rechnung. Seit einem Monat hält der Konflikt zwischen Israel und Iran die globalen Märkte in Atem. Die Folgen reichen von indischen Straßenküchen bis zu australischen Zapfsäulen, von russischen Ölterminals bis zu amerikanischen Arbeitsmarktdaten.

Hormuz-Schließung als Brandbeschleuniger

Die Schließung der Straße von Hormuz ist das Epizentrum der aktuellen Energiekrise. Durch diese enge Meerenge fließt normalerweise ein erheblicher Teil des weltweiten Rohöls – ihr Ausfall trifft Importnationen sofort und schmerzhaft.

Indien spürt das besonders brutal. Nur noch wenige LPG-Tankschiffe erreichen in diesem Monat indische Häfen, genug für kaum einige Tage des nationalen Bedarfs. In Neu-Delhi sind Straßenhändler und kleine Garküchen bereits auf Kerosin, Kohle und Holz umgestiegen. Die Kosten einer einfachen Mahlzeit stiegen binnen eines Monats um 25 Prozent. Für ärmere Familien haben sich die Preise für Schwarzmarkt-Gasflaschen vervierfacht. Die Regierung reagiert mit Notstandsbefugnissen, zwingt Raffinerien zur Priorisierung der heimischen LPG-Produktion und schaltet täglich 10.000 neue Anschlüsse an das Erdgasnetz – doch das reicht aktuell für rund 60 Prozent des nationalen Bedarfs.

Australien kämpft mit ähnlichen Symptomen. Victoria und Tasmanien haben auf die Spritmangellage mit einer vorübergehenden Abschaffung der Nahverkehrsgebühren reagiert – ein Notfallprogramm, um Haushalte zu entlasten. Hunderte Tankstellen melden Engpässe, Landwirtschaft und Bergbau berichten von Lieferverzögerungen. Die australische Notenbank, die den Leitzins zuletzt in einer knappen Entscheidung auf 4,1 Prozent angehoben hat, steht vor einer kaum lösbaren Abwägung: Energiepreise treiben die Inflation, doch weitere Zinserhöhungen würden die ohnehin angeschlagene Konjunktur belasten. Marktteilnehmer preisen bereits zwei weitere Zinsschritte bis Jahresende ein.

Mehrere Fronten, ein Muster

Der militärische Konflikt eskaliert parallel auf mehreren Ebenen. Die USA erwägen den Einsatz spezialisierter Marine-Einheiten im Nahen Osten – als Kontingenzmassnahme zur Sicherung kritischer Infrastruktur rund um den Persischen Golf, wie die Washington Post berichtet. Bereits jetzt sind rund 3.500 Marines mit der USS Tripoli in der Region eingetroffen. Am Prince-Sultan-Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien wurden bei einem iranischen Angriff zwölf US-Soldaten verwundet, zwei davon schwer.

Gleichzeitig weitet sich der Konflikt geografisch aus. Huthi-Rebellen aus dem Jemen beschossen erstmals Israel mit einer ballistischen Rakete – Sirenenalarm in Beerscheba. Kuwait registrierte Drohnenangriffe auf Radar-Systeme seines internationalen Flughafens, Omans Hafen Salalah wurde zweimal angegriffen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten fingen Streitkräfte iranische Raketen und Drohnen ab, doch herabfallende Trümmer setzten Teile der Khalifa Economic Zones in Abu Dhabi in Brand. Fünf indische Staatsbürger wurden verletzt.

Nicht zu vergessen: In Gaza dauern die Kampfhandlungen an. Israelische Luftangriffe auf Kontrollpunkte der Hamas-Polizei in Khan Younis töteten mindestens sechs Menschen, trotz eines seit Monaten aktiven US-vermittelten Waffenstillstands. Seit Beginn der Iran-Eskalation vor einem Monat kamen nach Angaben von Gesundheitsbehörden mindestens 50 weitere Palästinenser ums Leben.

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Energie trifft Exportrouten

Der Krieg hat auch Russlands Ölexporte in Mitleidenschaft gezogen – wenn auch auf anderem Weg. Die Ukraine intensiviert ihre Drohnenangriffe auf russische Energieinfrastruktur. Der Hafen Ust-Luga an der Ostsee steht nach einem Angriff mit 31 abgefangenen Drohnen in Flammen, die Beladung von Tankern ist seit Mittwoch vergangener Woche unterbrochen. Auch der benachbarte Hafen Primorsk ist betroffen. Gemeinsam wickelten beide Häfen vor den Störungen rund 45 Prozent der russischen Seeöl-Exporte ab – 1,72 Millionen Barrel pro Tag. Der Kreml, der eigentlich vom hohen Ölpreis profitieren sollte, kann die physischen Barrel nun schlicht nicht mehr verschiffen.

Das trifft Moskau in einer kritischen Phase. Der globale Ölpreisanstieg, ausgelöst durch die Eskalation im Nahen Osten, hätte eine willkommene Einnahme für den russischen Haushalt sein können. Stattdessen schafft der Angriff auf die baltischen Terminals eine zweite Versorgungsengstelle auf der Weltkarte – zusätzlich zur blockierten Hormuz-Straße.

Wirtschaftliche Signale aus den USA

Auf makroökonomischer Ebene versuchen die USA, ihre eigene Balance zu halten. Der US-Arbeitsmarkt soll sich im März leicht erholen: Ökonomen erwarten einen Zuwachs von 60.000 Stellen nach einem Rückgang von 92.000 im Februar. Die Arbeitslosigkeit dürfte bei 4,4 Prozent verharren. Das ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe soll den dritten Expansionsmonat in Folge ausweisen – ein Novum seit 2022.

Doch die Erholung ist fragil. Die Energiepreise fressen die Kaufkraft auf, und die Fed steht vor dem Dilemma einer stagflationären Gemengelage. Wenn Powell am Montag an der Harvard-Universität spricht, werden Investoren jedes Wort auf Hinweise zu künftigen Zinsschritten abklopfen. Auch der Einzelhandel zeigt erste Risse: Amerikanische Off-Price-Händler wie TJX, Ross Stores und Burlington profitieren zwar vom Trend zu Billigangeboten in Krisenzeiten, kämpfen aber mit einem Diesel-Preisanstieg von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr – auf 5,38 Dollar je Gallone. Analysten der Bank of America rechnen daraus mit einem Margendruck von rund 20 Basispunkten für TJX, ein Bruchteil des Niveaus von Ende 2022, aber spürbar genug.

Gesprächskanal bleibt offen

Inmitten all der Eskalation gibt es einen Lichtblick: Die diplomatischen Kanäle zwischen Washington und Teheran sind nicht vollständig geschlossen. Trumps Iran-Beauftragter Steve Witkoff bestätigte, dass für die kommende Woche Gespräche geplant sind. „Wir verhandeln. Das ist klar. Einige Schiffe passieren bereits“, sagte Witkoff. Ein 15-Punkte-Plan der USA, der unter anderem einen vollständigen Verzicht Irans auf Urananreicherung vorsieht, liegt Teheran vor – eine Antwort wurde bis Freitagabend erwartet, wobei Vermittler davon ausgehen, dass Iran mehrere Kernforderungen ablehnen wird.

Wie weit die Eskalationsbereitschaft beider Seiten noch reicht, bleibt die entscheidende Frage. Bis zur Antwort darauf werden Energiemärkte, Notenbanken und Verbraucher weltweit in erhöhter Alarmbereitschaft bleiben.

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