Waffenstillstand am Persischen Golf spaltet Rohstoffe in Gewinner und Verlierer

Der fragile Waffenstillstand am Persischen Golf führt zu stark divergierenden Kursen bei Rohstoffen. Während Ölpreise einbrechen, bleiben Gold und Silber robust, und Uran steht vor einer geopolitischen Zeitenwende.

Andreas Sommer ·

Kurz zusammengefasst

  • Brent Crude verzeichnet schärfsten Wochenverlust seit 2020
  • Gold-Analysten sehen trotz Korrektur deutliches Aufwärtspotenzial
  • Silber profitiert strukturell von hoher Solarnachfrage
  • Uran-Markt durch möglichen iranischen Anreicherungsstopp beeinflusst

Zwei Tage nach dem fragilen US-Iran-Waffenstillstand sortiert sich der Rohstoffmarkt neu — allerdings nicht in eine Richtung. Während Brent Crude und WTI den schärfsten Wocheneinbruch seit 2020 verarbeiten, halten Gold und Silber sich erstaunlich gut. Und Uran? Das steht vor einer ganz eigenen Zeitenwende, die weniger mit Angebot und Nachfrage zu tun hat als mit Trumps Nuklear-Diplomatie.

Fünf Rohstoffe, ein geopolitischer Auslöser — und völlig unterschiedliche Reaktionen.

Gold: Wall Street bleibt bullish trotz 16-Prozent-Korrektur

Gold notiert aktuell bei rund 4.790 US-Dollar je Unze und damit weit unter dem Jahreshoch von über 5.500 US-Dollar. Seit Ende Januar hat das Edelmetall mehr als 16 Prozent abgegeben. Ein stärkerer US-Dollar und die vorübergehende Entspannung im Nahen Osten drücken auf den Kurs.

Der Mechanismus dahinter ist klassisch: Ein festerer Dollar verteuert Gold für internationale Käufer und dämpft die Nachfrage. Hinzu kommt, dass die Risikoprämie nach dem Waffenstillstand spürbar geschrumpft ist.

Umso bemerkenswerter fällt der Analysten-Konsens aus. Wells Fargo hat sein Jahresziel auf 6.100 bis 6.300 US-Dollar angehoben — ein Sprung von rund 35 Prozent gegenüber der vorherigen Prognose. JPMorgan sieht 6.300 US-Dollar, UBS 6.200 US-Dollar. Selbst Goldman Sachs, mit 5.400 US-Dollar das konservativste Haus, liegt deutlich über dem aktuellen Niveau.

Die Begründung ist bei allen ähnlich: Zentralbanken kauften 2025 rund 863 Tonnen Gold — gleichauf mit dem Rekord von 2022. Diese strukturelle Nachfrage gilt als unabhängig von kurzfristigen geopolitischen Schwankungen. Zusammen mit dem Potenzial für Fed-Zinssenkungen und persistenter politischer Unsicherheit stützt sie die langfristig optimistische Einschätzung.

Silber: Allzeithoch verblasst, Solarnachfrage trägt

Silber handelt bei etwa 73,50 US-Dollar je Feinunze und hat damit im vergangenen Monat rund 15 Prozent verloren. Der Rückgang relativiert sich allerdings: Gegenüber dem Vorjahr steht ein Plus von über 138 Prozent.

Die Handelssitzungen rund um den Waffenstillstand verdeutlichen die extreme Nervosität. Am Mittwoch schoss Silber zunächst um 6,3 Prozent nach oben, gab dann nahezu alle Gewinne wieder ab, als Anleger Kasse machten. Am Donnerstag pendelte der Kurs bei 73,50 US-Dollar, während Investoren die Tragfähigkeit des Waffenstillstands abwogen.

Ende Januar hatte Silber mit 120 US-Dollar je Feinunze ein historisches Allzeithoch markiert — höher als die Spekulationsspitzen von 1980 und das Hoch von 2011. Die Korrektur seitdem ist heftig. Die strukturellen Stützen bleiben aber intakt:

  • Die Photovoltaikindustrie verbraucht jährlich über 230 Millionen Unzen Silber
  • Der Markt steht vor seinem fünften Defizitjahr in Folge
  • Das kumulative Angebotsdefizit von 2021 bis 2026 beträgt geschätzt 820 Millionen Unzen

Zusätzlich zeigten die Protokolle der FOMC-Sitzung im März, dass die Notenbanker die Feindseligkeiten im Nahen Osten als möglichen Inflationstreiber einstuften. Sollte die Fed dennoch eine Zinssenkung in diesem Jahr umsetzen, wäre das ein positives Signal für Edelmetalle.

Brent Crude: Steilster Quartalsanstieg seit 1988 — und dann der Absturz

Die Zahlen sind drastisch. Brent startete das erste Quartal bei 61 US-Dollar je Barrel und beendete es bei 118 US-Dollar — der größte inflationsbereinigte Quartalsanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen 1988. Ausgelöst hatte die Rally der Militäreinsatz im Nahen Osten am 28. Februar und die faktische Schließung der Straße von Hormuz.

Dann kam der Waffenstillstand. Brent stürzte von über 110 auf unter 96 US-Dollar. Die geopolitische Risikoprämie, die seit Anfang März eingepreist war, löste sich in wenigen Stunden auf. Aktuell notiert das Barrel bei knapp 96 US-Dollar — auf Wochensicht ein Minus von mehr als zehn Prozent.

Die physischen Schäden am Markt sind real. Saudi-Arabien meldete, dass Angriffe auf Ölanlagen die Produktionskapazität um rund 600.000 Barrel pro Tag reduziert haben. Der Durchsatz der Ost-West-Pipeline sank um etwa 700.000 Barrel täglich.

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Goldman Sachs hält an seiner Brent-Durchschnittsprognose von 85 US-Dollar für 2026 fest. Das Basisszenario für das vierte Quartal liegt bei 71 US-Dollar — eine Marke, die mit schwindender Kriegsprämie realistischer erscheint, aber die Infrastrukturschäden außer Acht lässt.

Rohöl WTI: Wenn die Benchmark-Struktur Kopf steht

WTI notiert bei 98,67 US-Dollar je Barrel mit einem Tagesplus von 0,81 Prozent. Bemerkenswert ist weniger der aktuelle Kurs als die Anomalie, die der Konflikt erzeugte: WTI sprang zwischenzeitlich auf 111,29 US-Dollar, während Brent bei 107,57 US-Dollar handelte. Eine Inversion der globalen Benchmark-Struktur — normalerweise notiert WTI mit einem Abschlag zu Brent.

Der Waffenstillstandsschock traf WTI noch härter als Brent. Die Futures brachen um mehr als 15 Prozent ein, nachdem Präsident Trump seine Drohung gegen iranische Zivilinfrastruktur um zwei Wochen verschob und dies als Teil eines „doppelseitigen Waffenstillstands“ bezeichnete. Die Bedingung: Der Iran öffnet die Straße von Hormuz. Durch diese Wasserstraße fließen rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels.

Die Analysten-Einschätzungen gehen auseinander. Jamus Lim von der ESSEC Business School prognostiziert WTI bei rund 100 US-Dollar bis Ende des Sommers. June Goh von Sparta Commodities bezweifelt dagegen, dass Öl in den nächsten Jahren auf das Vorkriegsniveau von etwa 75 US-Dollar zurückkehrt. Ihre Begründung: Der Krieg hat zeitweise 10 bis 11 Millionen Barrel Rohöl täglich vom Markt genommen. Solche Verwerfungen heilen nicht über Nacht.

Uran: Trumps Anreicherungsstopp als geopolitisches Novum

Uran handelt bei rund 85,80 US-Dollar je Pfund, deutlich unter dem Jahreshoch von 101,41 US-Dollar vom 29. Januar. Die Korrektur geht allerdings weniger auf klassische Marktmechanismen zurück als auf einen geopolitischen Faktor, der den gesamten Sektor verändern könnte.

Im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens erklärte Präsident Trump, der Iran werde kein Uran mehr anreichern. Die USA würden mit Teheran zusammenarbeiten, um nuklearen „Staub“ auszugraben. Auf Truth Social schrieb er: „Es wird keine Urananreicherung geben, und die Vereinigten Staaten werden, in Zusammenarbeit mit dem Iran, all den tief vergrabenen nuklearen ‚Staub‘ ausgraben und entfernen.“

Der Iran hat dies weder bestätigt noch kommentiert. Diese Diskrepanz zwischen Trumps Ankündigung und Teherans Schweigen hält die Unsicherheit hoch.

Unabhängig vom diplomatischen Ausgang bleibt die strukturelle Nachfrage stark. Der Section-232-Rahmen der US-Regierung stuft Uran als lebenswichtig für Energiesicherheit und nationale Verteidigung ein. Das US-Energieministerium hat 2,7 Milliarden US-Dollar über das nächste Jahrzehnt für den Ausbau der heimischen Urananreicherung zugesagt. Camecos Präsident Grant Isaac brachte es auf den Punkt: Der ungedeckte Vorwärtsbedarf an Uran bis 2045 habe Rekordniveaus erreicht — „eine Nachfragewand, die letztlich nicht vermieden werden kann.“

Fünf Rohstoffe, ein gemeinsamer Nenner — und viele Unterschiede

Der Waffenstillstand hat den Rohstoffmarkt neu kalibriert, aber nicht vereinheitlicht. Die wichtigsten Dynamiken im Überblick:

  • Öl (Brent & WTI): Sofortige Einpreisung der Entspannungsdividende, Wochenverluste von über zehn Prozent, aber weiterhin deutlich über Vorkriegsniveau
  • Gold: Korrektur seit Jahreshoch, aber Analysten-Konsens sieht 20-30 Prozent Aufwärtspotenzial durch Zentralbankkäufe und mögliche Zinssenkungen
  • Silber: Extreme Volatilität, industrielle Nachfrage durch Solar-Boom als langfristiger Stabilisator
  • Uran: Geopolitisches Novum durch möglichen iranischen Anreicherungsstopp, strukturelle Nachfrage auf Rekordhoch

Selbst bei einer Öffnung der Straße von Hormuz bleiben laut Coface-Analyst Bernard Aw „Schifffahrtsvertrauen, Versicherungskosten und logistische Engpässe oft noch lange nach dem Nachlassen der Feindseligkeiten bestehen.“ Regierungen dürften in Erwartung erneuter Konflikte horten und strategische Reserven auffüllen — ein Faktor, der Energie- und Rohstoffpreise strukturell über dem Vorkriegsniveau halten könnte.

Islamabad als nächste Weggabelung

Der Blick richtet sich jetzt auf Pakistan. In Islamabad sollen US-amerikanische und iranische Beamte unter Vermittlung von Premierminister Sharif über ein abschließendes Abkommen verhandeln.

Ein dauerhafter Frieden würde Öl weiter unter Druck setzen, Gold und Silber als sichere Häfen belasten und Uran in ein neues geopolitisches Kapitel führen. Ein Scheitern hingegen würde Ölpreise sofort wieder Richtung 110 US-Dollar treiben — und Edelmetalle erneut in den Fokus von Krisenabsicherern rücken.

Bis dahin bleibt der Rohstoffmarkt ein direktes Spiegelbild der Diplomatie am Verhandlungstisch.

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