Liebe Leserinnen und Leser,
an den Handelstischen von Frankfurt bis New York herrscht an diesem Mittwochnachmittag eine eigentümliche Anspannung. Händler starren auf Bildschirme – und warten. Selten hing die kurzfristige Stimmung der globalen Aktienmärkte so sehr an einem einzigen Datenpunkt wie an den Quartalszahlen, die nach US-Börsenschluss aus Santa Clara erwartet werden.
Doch während die Finanzwelt geradezu obsessiv auf einen Chiphersteller blickt, verschieben sich im Hintergrund tektonische Platten. Von einer spektakulären Silicon-Valley-Allianz über handfeste Machtkämpfe in der Europäischen Zentralbank bis hin zu den Prioritäten des deutschen Bundeshaushalts – die wirklich wichtigen Weichenstellungen dieses Tages finden abseits des großen Rampenlichts statt.
Tech-Giganten im Schattenboxen: Der AMD-Coup
Alle warten auf Nvidia. Der Konsens erwartet für das vierte Quartal einen Umsatzsprung von 68 Prozent auf rund 66 Milliarden US-Dollar. Bemerkenswert ist jedoch, was der Optionsmarkt verrät: Die Händler preisen nach den Zahlen eine Schwankung von lediglich 5,6 Prozent ein – die geringste implizite Bewegung seit drei Jahren. Der Durchschnitt lag zuletzt bei 7,6 Prozent. Der Überraschungseffekt des KI-Pioniers scheint nachzulassen. Man hat sich an das Wunder gewöhnt.
Während Nvidia also die Erwartungen managt, lieferte der ewige Rivale AMD gestern einen echten Paukenschlag. Der Konzern verkündete eine mehrjährige Partnerschaft mit Meta im Wert von über 100 Milliarden US-Dollar für KI-Rechenleistung. Konkret wird AMD über fünf Jahre KI-Chips für bis zu 60 Milliarden US-Dollar liefern, gekoppelt an einen Energiebedarf von sechs Gigawatt. Der Deal beinhaltet leistungsbasierte Optionsscheine für bis zu 160 Millionen AMD-Aktien – rund zehn Prozent des Unternehmens.
Was bedeutet das? Die großen Hyperscaler planen für 2026 Kapitalausgaben von rund 650 Milliarden US-Dollar, der Großteil davon für KI-Infrastruktur. Der AMD-Meta-Deal beweist: Dieser Kuchen ist groß genug für mehr als nur einen Profiteur. Die KI-Infrastruktur-Welle bricht nicht ab, sie diversifiziert sich.
Die Frage, wer neben Nvidia und AMD vom globalen Chip-Boom profitiert, beschäftigt aktuell viele Anleger. Der Tech-Experte Bernd Wünsche hat in einer umfassenden Analyse einen Halbleiter-Konzern identifiziert, der trotz Jahrzehnten Marktpräsenz noch deutlich unter dem Radar läuft. In seinem kostenlosen Webinar stellt er diesen Chip-Giganten vor, dessen Technologie in Milliarden Geräten weltweit steckt – von Smartphones über Autos bis zu KI-Rechenzentren. Wünsche erklärt konkret, warum dieser Konzern vom 280-Milliarden-Dollar US Chips Act profitieren könnte und welche strategischen Vorteile das Unternehmen gegenüber etablierten Playern hat. Sie erfahren den Namen der Aktie, die vollständige Analyse und wie Sie ein diversifiziertes Chip-Portfolio aufbauen können. Zur Analyse: Die neue Nvidia-Chance im Chip-Sektor
EZB-Intrigen: Das Rennen um den Frankfurter Thron
Von der kalifornischen Technologie zur europäischen Geldpolitik. In Frankfurt und Brüssel brodelt die Gerüchteküche um EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Zuletzt mehrten sich Berichte, Lagarde könnte ihr Amt vorzeitig niederlegen. Der politische Hintergrund ist brisant: Im April 2027 wählt Frankreich einen neuen Präsidenten. Emmanuel Macron – und wohl auch Friedrich Merz – hätten größtes Interesse daran, die Nachfolge an der EZB-Spitze noch vor einem möglichen Wahlsieg des Rassemblement National in trockene Tücher zu bringen.
Lagarde sah sich nun gezwungen, ein Machtwort zu sprechen. Dem Wall Street Journal signalisierte sie, ihre Amtszeit bis zum regulären Ende im Oktober 2027 voll ausschöpfen zu wollen. Doch das Dementi lässt Raum für Spekulationen. Die Namen möglicher Nachfolger zirkulieren bereits: Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel bringen sich in Stellung, flankiert vom Niederländer Klaas Knot und dem Spanier Pablo Hernández de Cos. Es geht längst nicht mehr nur um Zinsen, sondern um die architektonische Kontrolle über Europas Finanzsystem für das kommende Jahrzehnt.
Deutsche Realitäten: Zwischen Dividenden, Drohnen und fehlenden Kitas
Auf der Unternehmensseite liefert Fresenius starke Argumente für den DAX. Der Gesundheitskonzern schloss 2025 mit einem organischen Umsatzplus von sieben Prozent auf 22,55 Milliarden Euro ab und übertraf die Markterwartungen. Die EBIT-Marge kletterte im vierten Quartal auf 12,1 Prozent. Die logische Konsequenz: Die Dividende steigt um fünf Prozent auf 1,05 Euro je Aktie.
Auf staatlicher Seite hingegen offenbart sich ein Paradoxon der Kapitalallokation. Der Haushaltsausschuss winkte heute 540 Millionen Euro für Kamikazedrohnen der Hersteller Helsing und Stark Defence durch. Zeitgleich wurde bekannt, dass die Sanierung des Amtssitzes des Bundespräsidenten mindestens 601 Millionen Euro verschlingen wird.
Währenddessen schlägt das Institut der Deutschen Wirtschaft Alarm: Bis 2029 fehlen in Westdeutschland fast 150.000 Hortplätze für Grundschüler – allein über 45.000 in NRW. Die Wirtschaft braucht dringend Fachkräfte. Doch wer soll arbeiten, wenn die Kinderbetreuung kollabiert? Eine Diskrepanz, die langfristig schwerer wiegen könnte als jede kurzfristige Zinsentscheidung.
Schnellcheck: Zölle, Pillen und Krypto-Kapitulation
Zoll-Pragmatismus: Das neue US-Zollsystem ist mit einem 10-prozentigen Zusatzzoll in Kraft getreten, obwohl Trump 15 Prozent angekündigt hatte. Aus Brüssel kommen vorsichtig optimistische Signale – die USA scheinen bestehende Vereinbarungen mit der EU weiterhin anerkennen zu wollen. Ein Handelskrieg auf Raten, der vorerst pausiert.
Die Pille gegen Kilos: Novo Nordisk ruht sich nicht auf dem Erfolg der Abnehmspritze Wegovy aus. Die Dänen schlossen heute einen bis zu 2,1 Milliarden Dollar schweren Deal mit Vivtex, um die nächste Generation oraler Adipositas-Medikamente zu entwickeln.
Bitcoin-Kapitulation: Der Kryptomarkt sendet weiter Warnsignale. Bitcoin fiel zuletzt zeitweise unter 63.000 Dollar – ein Rückgang von rund 30 Prozent auf Monatssicht. Die monatlichen Miner-Einnahmen aus Gebühren sind seit Mai 2025 von 194 BTC auf magere 65 BTC eingebrochen. Analysten sehen die 60.000-Dollar-Marke als zentrale Unterstützung.
Die Quintessenz
Wir erleben einen Markt der zwei Geschwindigkeiten. Auf der einen Seite die gigantischen Kapitalströme in Richtung Künstlicher Intelligenz und Rüstung, die fast losgelöst von klassischen Konjunkturzyklen agieren. Auf der anderen Seite die harte strukturelle Realität in Europa – von fehlenden Kita-Plätzen bis hin zu den Ränkespielen um die EZB-Spitze.
Achten Sie heute Abend auf die Nvidia-Zahlen. Aber achten Sie morgen früh vor allem darauf, was diese Zahlen für die Investitionsbudgets der gesamten globalen Lieferkette bedeuten.
Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Abend.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann