Die 10-Prozent-Bombe, Bayers Phönix-Moment und der Nvidia-Spagat

US-Politik plant Obergrenze für Kreditkartenzinsen und greift die Fed an, während Bayer mit einer vielversprechenden Medikamenten-Pipeline überzeugt. Der Goldpreis erreicht neue Höchststände.

Kurz zusammengefasst:
  • Trump plant 10-Prozent-Obergrenze für Kreditkartenzinsen
  • Bayer-Aktie steigt nach positiver Pharmakonferenz stark
  • Goldpreis markiert neues Rekordhoch über 4.650 Dollar
  • Justiz ermittelt gegen Fed-Chef Powell

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Tage, an denen die alte Finanzordnung nicht nur Risse bekommt, sondern laut hörbar knackt. Während wir am Montag noch über die institutionelle Krise der Fed sprachen, zielt die US-Politik nun direkt auf die Herzkammer der Wall Street: die Gewinnmargen.

Wir erleben einen Mittwoch der radikalen Kontraste. Jenseits des Atlantiks demontiert Washington mit bemerkenswerter Effizienz die Geschäftsmodelle der Banken, während hierzulande ausgerechnet das ewige Sorgenkind Bayer zum Höhenflug ansetzt. Die Gewissheiten verschieben sich: Das vermeintliche Risiko-Asset Deutschland zeigt operative Stärke, während der „Safe Haven“ USA politisch dekonstruiert wird.

Werfen wir einen Blick auf die Trümmer und die Triebfedern dieses denkwürdigen Handelstages.

Washingtons Angriff auf die Geldmaschinen

Donald Trump macht ernst, und die Detonation war bis nach Frankfurt zu hören. Der US-Präsident plant eine staatliche Obergrenze für Kreditkartenzinsen von 10 Prozent. Was populistisch als Verbraucherschutz verkauft wird, ist für die Bilanzen von Visa, Mastercard und den großen US-Banken eine Kriegserklärung. Die Reaktion der Märkte war eindeutig: Die Kurse der Kreditkartenriesen gerieten massiv unter Druck.

Die Ironie des Timings könnte kaum größer sein. Ausgerechnet heute öffneten Bank of America und die Citigroup ihre Bücher. Zwar konnte die Citigroup die Erwartungen übertreffen – primär dank geringerer Rückstellungen für Kreditausfälle –, doch diese operativen Erfolge verblassen gegen die politische Abrissbirne.

Nachdem JPMorgan Chase bereits gestern mit einem Gewinnrückgang enttäuscht hatte, warnt nun Wells Fargo: Die geplante Zinsdeckelung bedroht die Assetqualität substanziell. Die Botschaft aus dem Weißen Haus ist unmissverständlich: Die Ära der unregulierten Zinsmargen nähert sich ihrem Ende.

Die Fed unter Feuer: Eskalation statt Entspannung

Als wäre der Eingriff in das operative Bankgeschäft nicht genug, weitet sich der institutionelle Häuserkampf aus. Das Justizministerium hat die strafrechtliche Untersuchung gegen Fed-Chef Jerome Powell, über deren Bestätigung wir am Montag sprachen, nun mit konkreten Zahlen unterfüttert: Es geht um Renovierungskosten der Fed-Zentrale in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar.

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Vorwürfe ist die Signalwirkung fatal. Die Exekutive nutzt das Strafrecht als Hebel gegen die Geldpolitik. Die Märkte reagieren allergisch auf diesen Verlust an institutioneller Sicherheit: Der Dollar schwächelt, während Gold seine Rallye fortsetzt und ein neues Rekordhoch von über 4.650 US-Dollar je Unze markiert. In einer Welt, in der Notenbankchefs wie Kriminelle behandelt werden, bleibt das „barbarische Relikt“ der letzte Anker der Vernunft.

Bayer: Das Wunder von San Francisco

Während die Wall Street ihre Wunden leckt, schreibt der deutsche Markt heute eine überraschend positive Geschichte. Der DAX gönnt sich nach seiner Rekordjagd zwar eine Verschnaufpause bei rund 25.300 Punkten, doch ein Wert sticht heraus: Bayer.

Die Aktie, lange Zeit der Prügelknabe des Parketts, kletterte heute gegen den Trend um rund 4,5 Prozent. Der Auslöser für diese Renaissance liegt in San Francisco. Auf der dortigen JPMorgan Healthcare Conference legte Pharmachef Stefan Oelrich eine Pipeline offen, die selbst Skeptiker aufhorchen ließ. Fünf potenzielle Blockbuster-Medikamente und die Prognose eines „extrem guten“ Wachstums bis in die 2030er Jahre sorgten für ungewohnte Kauflaune.

Es ist bezeichnend: Während der Gesamtmarkt nach dem Höhenrausch der letzten Tage etwas Katerstimmung zeigt, entdecken Anleger den Wert der Substanz wieder. Auch RWE konnte punkten (+3 Prozent) – der Konzern sicherte sich in einer britischen Auktion beachtliche 6,9 Gigawatt an Offshore-Wind-Kapazitäten. Operatives Wachstum schlägt heute makroökonomische Angst.

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Das bringt mich zu einem wichtigen Punkt für langfristig orientierte Anleger. Während Bayer mit seiner Pharma-Pipeline zeigt, wie operative Substanz Kurse bewegt, analysiert Carsten Müller in seinem Projekt Future Money systematisch solche Zukunftschancen über alle Tech-Sektoren hinweg – von KI-Infrastruktur über Raumfahrt bis Biotech. Sein NextGen-20-Depot vereint 20 Unternehmen, die nach seiner Analyse das Potenzial haben, sich jeweils zu verfünffachen. Die Strategie hat bereits bewiesen, was möglich ist: Palantir brachte über +1186%, Rocket Lab +1019%, AST SpaceMobile sogar +1604% Gewinn. Müller nutzt eine dreistufige Formel – bahnbrechende Technologie, sichtbares Momentum, konkreter Auslöser – um die nächsten Tech-Gewinner zu identifizieren, bevor sie durchstarten. Sie erhalten beim Einstieg einen Sonderreport zu den fünf wichtigsten Tech-Trends 2026 sowie wöchentliche Analysen zu allen 20 Zukunftschancen. Details zum NextGen-20-Depot und kostenlose erste Ausgabe

Konjunkturdaten: Die Falle der guten Zahlen

Die nackten Zahlen aus der US-Wirtschaft, die heute Nachmittag über die Ticker liefen, zeichnen eigentlich ein robustes Bild. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im November um 0,6 Prozent und übertrafen die Erwartungen deutlich. Der US-Konsument kauft weiter ein, als gäbe es kein Morgen. Gleichzeitig blieb der Erzeugerpreisindex (PPI) mit einem Anstieg von 0,2 Prozent im Rahmen.

Doch Vorsicht: Diese Daten sind ein zweischneidiges Schwert. Eine zu starke Wirtschaft könnte der Fed – sofern sie unter dem politischen Beschuss noch handlungsfähig bleibt – die Argumente für schnelle Zinssenkungen nehmen. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos warnte heute nicht umsonst vor einer „trügerischen Ruhe“. Die Kombination aus hohen Bewertungen, geopolitischen Spannungen und dem innenpolitischen Chaos in Washington ist ein explosives Gemisch.

Tech-Splitter: Der pragmatische Riss im Vorhang

Zum Schluss noch ein Blick auf den Technologiesektor, der heute eine interessante geopolitische Volte schlägt. Während Apple betont, für sein neues „Creator Studio“ keine Nutzerdaten zum KI-Training zu verwenden – ein wichtiges Signal für die Privatsphäre –, öffnet die US-Regierung an anderer Stelle eine Tür. Die Trump-Administration hat den Export von Nvidias H200-Chips nach China genehmigt.

Das ist Realpolitik pur: Einerseits will man China technologisch eindämmen, andererseits will man den eigenen Tech-Giganten das lukrative Geschäft nicht verbieten. Für Nvidia und Partner wie Siemens ist das eine gute Nachricht; für die konsequente strategische Unabhängigkeit des Westens bleibt jedoch ein großes Fragezeichen.

Das Fazit

Wir erleben heute einen klassischen „Reality Check“. Die Rekordjagd des DAX findet nicht im luftleeren Raum statt. Wenn die größte Volkswirtschaft der Welt beginnt, ihre Banken an die kurze Leine zu legen und ihre Notenbank juristisch zu attackieren, werden die Wellen auch den Rhein erreichen.

Das „Pharma-Wunder“ bei Bayer zeigt jedoch, dass selektives Stock-Picking in diesem Umfeld lohnender sein kann als das bloße Setzen auf den Index. Achten Sie in den nächsten Tagen genau darauf, wie weit der Goldpreis noch läuft – er ist derzeit das verlässlichste Barometer für das Unbehagen des großen Geldes.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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