Die Lufthansa steht vor einer unglücklichen Kombination aus internen Problemen und externen Störungen: Verzögerungen bei der Premium-Kabine auf der Langstrecke treffen auf wetterbedingte Flugausfälle in Nordamerika. Gleichzeitig zeichnet sich am Heimatdrehkreuz Frankfurt zunehmender Wettbewerbsdruck ab. Wie robust ist die aktuelle Erholung der Aktie vor diesem Hintergrund?
Allegris-Verzögerung trifft Premium-Geschäft
Das zentrale operative Thema bleibt die fehlende Zulassung der neuen Allegris-Business-Class auf den Boeing 787-9. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verlangt zusätzliche Crash-Tests für das von Collins Aerospace entwickelte Sitzbefestigungssystem. Bis zur Freigabe bleiben große Teile der Premium-Kabine ungenutzt.
Die Auswirkungen sind deutlich:
- 24 von 28 Business-Class-Sitzen pro 787-9 sind derzeit gesperrt
- Nur vier Business-Class-Sitze pro Maschine dürfen verkauft werden
- Pro Flug entstehen geschätzte Umsatzeinbußen von bis zu 25.000 Euro
- Mit einer Zertifizierung ist frühestens Mitte 2026 zu rechnen
Für Lufthansa ist das schmerzhaft, weil Allegris als größte Kabineninvestition der Unternehmensgeschichte gerade auf den margenträchtigen Transatlantikstrecken Erträge steigern sollte. Stattdessen startet die Gesellschaft in die nächste Sommersaison mit eingeschränktem Premium-Angebot. Als Übergangslösung prüft das Management die Reaktivierung geparkter Airbus A340, um Kapazitäts- und Komfortlücken zu schließen.
Wintersturm belastet Transatlantikgeschäft
Zusätzlich zum internen Bremsklotz belastet ein schwerer Wintersturm in Nordamerika das Tagesgeschäft. Mehrere Flughäfen an der US-Ostküste, in Texas und Kanada waren zuletzt erheblich eingeschränkt, zahlreiche Transatlantikflüge mussten gestrichen werden. Konkrete Zahlen nannte Lufthansa angesichts der dynamischen Lage nicht.
Die Dimension des Wetterereignisses zeigt ein Blick nach Boston: Dort fielen rund 71 Prozent der Flüge aus. Insgesamt wurden am Montag Tausende Verbindungen in Nordamerika gestrichen, American Airlines traf es mit fast 1.180 Ausfällen besonders stark. Die Normalisierung des Flugplans dürfte sich über mehrere Tage hinziehen – mit entsprechenden Ertrags- und Kostenfolgen auch für europäische Carrier.
Wettbewerb in Frankfurt nimmt zu
Parallel verändern sich die Rahmenbedingungen am Drehkreuz Frankfurt. Mit der Eröffnung des neuen Terminal 3 im April 2026 erhalten Wettbewerber Zugang zu einer modernen Infrastruktur abseits der traditionellen Lufthansa-Bereiche. Das verschärft den Konkurrenzdruck im Heimatmarkt, insbesondere bei Umsteigeverkehren.
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Das Management prüft deshalb strategische Optionen rund um das bestehende Terminal 2. Im Raum steht eine engere Kooperation mit Flughafenbetreiber Fraport zur gemeinsamen Nutzung und Sanierung ab der Jahresmitte. Ziel wäre, die eigene Position in Frankfurt zu stärken und Kapazitäten effizienter zu steuern, während sich das Umfeld am Standort neu sortiert.
Analysten bleiben vorsichtig konstruktiv
Auf der Analystenseite zeigt sich ein gemischtes Bild mit leicht positiver Tendenz. BofA Securities hat die Aktie am 19. Januar von „Underperform“ auf „Neutral“ hochgestuft und das Kursziel deutlich von 7,10 auf 9,20 Euro angehoben. Begründet wird dies mit einer stärkeren Entwicklung auf Transatlantikrouten und einer Erholung im Geschäftsreiseverkehr. Die EBIT-Prognose für 2026 wurde um 3 Prozent auf 2,247 Milliarden Euro erhöht.
Andere Häuser bleiben zurückhaltender:
– Bernstein Research: „Market-Perform“
– Deutsche Bank: „Hold“
– Barclays Capital: „Underweight“
Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 7,92 Euro und damit unter dem Börsenkurs. Hier spiegelt sich die Spannung zwischen operativer Verbesserung und den Risiken aus Allegris-Verzögerung, Wetterereignissen und stärkerem Wettbewerb.
Technische Lage und nächster wichtiger Termin
An der Börse notiert die Lufthansa-Aktie heute bei 8,69 Euro und damit leicht unter dem Vortag. Auf Sicht von zwölf Monaten ergibt sich dennoch ein deutliches Plus von rund 36 Prozent. Charttechnisch hält sich der Kurs knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 8,57 Euro und liegt etwa 13 Prozent über der 200-Tage-Linie. Vom 52-Wochen-Hoch ist das Papier dagegen noch gut 15 Prozent entfernt.
Der Relative-Stärke-Index (14 Tage) mit rund 45 Punkten signalisiert derzeit weder Überkauf- noch Überverkaufzustand. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 80 Prozent bleibt der Titel allerdings schwankungsanfällig.
Für die weitere Einschätzung dürfte der 6. März 2026 entscheidend werden: Dann legt der Konzern seine Zahlen vor. Erst dort wird klarer, wie stark die Kombination aus gesperrten Business-Class-Sitzen, wetterbedingten Flugausfällen und strukturellem Wettbewerbsdruck die Ergebnisentwicklung tatsächlich beeinflusst hat – und ob der aktuelle Kurs die Belastungen bereits weitgehend einpreist.
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