Der Umbau zum grünen Energiekonzern läuft auf Hochtouren, doch die kurzfristige Realität an den Märkten ist rau. Während eine Millionen-Förderung für die Wasserstoff-Strategie Zukunftshoffnung weckt, sorgt eine harte Abstufung von der Wall Street für Katerstimmung. Investoren stehen aktuell im Konflikt zwischen langfristiger Strategie und akuten Gewinnsorgen.
Die aktuelle Lage auf einen Blick:
* Downgrade: Goldman Sachs senkt Rating auf „Sell“.
* Kursziel: Reduzierung auf 44 Euro.
* Belastung: Wertberichtigungen von 700 Millionen Euro angekündigt.
* Lichtblick: 123 Millionen Euro Fördergeld für Wasserstoff-Projekt.
Analysten sehen Risiken
Für schlechte Stimmung sorgte am Montag eine deutliche Warnung der US-Investmentbank Goldman Sachs. Die Experten stuften die Papiere des österreichischen Konzerns von „Neutral“ auf „Sell“ herab und strichen das Kursziel von 48 auf 44 Euro zusammen.
Verglichen mit dem aktuellen Kursniveau von 49,70 Euro impliziert dies ein weiteres Abwärtspotenzial von über 11 Prozent. Die Begründung der Analysten wiegt schwer: Sie sehen nur begrenzte Sichtbarkeit bei der Wertentwicklung und gehen davon aus, dass die Gewinnerwartungen des Marktes für die Jahre 2026 und 2027 noch deutlich nach unten korrigiert werden müssen.
Diese Skepsis kommt nicht aus dem Nichts. Bereits Mitte Januar musste das Management in einem Update für das vierte Quartal 2025 nicht-zahlungswirksame Wertberichtigungen in Höhe von rund 700 Millionen Euro einräumen. Probleme bei der Produktion in Rumänien, Tunesien und Neuseeland belasten die Bilanz.
Strategischer Erfolg beim Wasserstoff
Während die operative Seite schwächelt, kommt die strategische Transformation voran. Die Omv hat sich offiziell eine staatliche Förderung von bis zu 123 Millionen Euro gesichert. Das Geld fließt in den Bau einer 140-Megawatt-Elektrolyseanlage im niederösterreichischen Bruck an der Leitha.
Das Projekt soll bis zu 23.000 Tonnen grünen Wasserstoff jährlich produzieren und Ende 2027 in Betrieb gehen. Für Anleger ist dies ein konkreter Beweis, dass der Konzern den Wandel weg von fossilen Brennstoffen nicht nur plant, sondern kapitalunterlegt umsetzt. Ein geplantes Joint Venture mit Masdar soll Anfang dieses Jahres finalisiert werden.
Regulatorischer Gegenwind
Neben den Analysten sorgt auch die Regulatorik für Unsicherheit. CEO Alfred Stern warnte kürzlich vor zu strengen EU-Vorgaben im Bereich des Kunststoff-Recyclings. Da die Chemiesparte rund um die Tochter Borealis als zweites wichtiges Standbein der Zukunft gilt, reagiert der Markt empfindlich auf mögliche Innovationsbremsen aus Brüssel.
Um Risiken besser zu verteilen, holte die Tochter OMV Petrom kürzlich die bulgarische Staatsholding BEH als Partner für Explorationsprojekte im Schwarzen Meer an Bord. Dieser Schritt zeigt das Bestreben, kapitalintensive Projekte auf mehrere Schultern zu verteilen.
Die Aktie notiert mit 49,70 Euro aktuell knapp 10 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom Dezember. Anleger müssen nun abwarten, ob die kommenden Quartalszahlen die pessimistische Einschätzung von Goldman Sachs bestätigen oder ob die strategischen Fortschritte das Sentiment drehen können.