Nvidia hat seine CES-Show in Las Vegas klar auf die nächste Wachstumsphase im KI-Zeitalter ausgerichtet. Statt großer Überraschungen gab es vor allem eins: Bestätigung, dass der Chipkonzern seine ambitionierten Pläne eher beschleunigt als ausbremst. Entscheidend ist dabei weniger die kurzfristige Kursreaktion als die Frage, wie belastbar die neue Rubin-Plattform und der Ausbau in Richtung „Physical AI“ wirklich sind.
Rubin-Plattform startet früher als erwartet
Herzstück der CES-Keynote war die Bestätigung, dass die nächste Generation der KI-Plattform Vera Rubin bereits in die Vollproduktion gegangen ist – und damit früher als viele im Markt erwartet hatten. Jensen Huang machte klar: Wenn Rubin noch 2026 in großem Stil zum Einsatz kommen solle, müsse die Fertigung jetzt laufen. Genau das sei der Fall.
Rubin löst die aktuelle Blackwell-Generation ab und wird als erste „extrem co-designte“ Sechs-Chip-Architektur positioniert. Nvidia kombiniert dabei:
- Rubin-GPUs mit bis zu 50 Petaflops NVFP4-Inferenzleistung
- Vera-CPUs, optimiert für Datentransport und agentische KI-Verarbeitung
- NVLink 6 für schnelles Scale-up innerhalb des Systems
- Spectrum‑X Ethernet Photonics für Scale-out über große Rechenzentrums-Cluster
Ein Punkt, den Nvidia besonders hervorhob, ist die deutlich verbesserte Herstellbarkeit: Die Montagezeit einer Rubin-Compute-Plattform soll nur noch rund fünf Minuten betragen – nach rund zwei Stunden bei Blackwell-Systemen. Das senkt Produktionsengpässe und erleichtert das Hochfahren von Kapazitäten, was für Hyperscaler und große Cloudanbieter ein entscheidender Faktor ist.
Kurzfristig sorgte die Rubin-Bestätigung im nachbörslichen Handel zwar für ein kurzes Aufbäumen der Aktie, per Saldo blieb die Kursreaktion aber verhalten. Angesichts des bereits starken Laufs der vergangenen Monate überrascht das nicht.
Umsatzfantasie: Prognose wird „noch bullisher“
Inhaltlich brisanter als die Show-Effekte: Laut einem Bericht von Bloomberg hat sich Nvidias bereits im Oktober skizzierte Umsatzperspektive weiter verbessert. Damals stellte das Management in Aussicht, bis Ende 2026 aus aktuellen und kommenden Rechenzentrums-Chips kumuliert rund eine halbe Billion US-Dollar umsetzen zu können. Finanzchefin Colette Kress sprach nun davon, dass der Ausblick seitdem „nur noch bullisher“ geworden sei.
Der Treiber dahinter sind laut Unternehmen größere Kundenabschlüsse und eine schnellere als erwartete Einführung neuer KI-Modelle, die Rechenleistung im großen Stil nachfragen. Nvidia betont, dass das „AI-Scaling“ planmäßig vorankommt – das heißt: etwa eine Verfünffachung der Token-Generierung pro Jahr bei gleichzeitiger Verzehnfachung der Kostensenkung pro Token.
Die Finanzierung dieser KI-Welle sieht das Management nicht als Engpass. Verwiesen wird auf rund 10 Billionen US-Dollar an bestehender Recheninfrastruktur aus dem vergangenen Jahrzehnt, die modernisiert werden müsse – ein gigantischer Investitionspool, aus dem Nvidia sich einen wachsenden Anteil sichern will.
Positive Analystenreaktionen
An der Wall Street kamen die Signale überwiegend gut an. Mehrere große Häuser legten direkt nach der CES-Keynote mit positiven Einschätzungen nach und adressierten dabei vor allem frühere Sorgen um mögliche Verzögerungen oder stärkeren Wettbewerbsdruck.
JPMorgan (Harlan Sur): Die bestätigte Rubin-Zeitplanung nehme Spekulationen über Verzögerungen die Grundlage. Zudem sei Nvidia entlang der gesamten physischen KI-Kette gut positioniert – von Rechenzentrums-Hardware über Simulation mit Omniverse bis hin zu Edge-Geräten wie Jetson Thor. Die Erlöschance im autonomen Fahren beziffert Sur bis 2030 auf über 10 Milliarden US-Dollar.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nvidia?
Morgan Stanley (Joseph Moore): Inhaltlich habe es zwar keine großen Überraschungen gegeben, doch die gewonnene Sicherheit rund um Rubin dürfte wegen der jüngsten Diskussionen um konkurrierende TPUs positiv gewertet werden. Moore erinnert daran, dass die Aktie trotz des starken Jahres immer noch etwa 10 % unter ihren früheren Höchstständen handelt, seit Huang im Rahmen der GTC DC die Marke von 500 Milliarden US-Dollar an adressierbarem KI-Chip-Umsatz nannte.
Bank of America (Vivek Arya): Im Fokus steht auch hier, dass die KI-Skalierung im Plan liegt. Für China sieht Arya eine vorhandene Nachfrage nach dem H200, die jedoch von Export- und Lizenzfragen ausgebremst wird.
Wedbush Securities (Dan Ives): Er wertet die CES-Rede als Tonsetzer für das KI-Jahr 2026 und zeigt sich nach dem Auftritt noch optimistischer für die weitere Entwicklung von Nvidia.
Schritt in Richtung „Physical AI“ und autonome Systeme
Neben Rechenzentrums-Chips setzte Nvidia einen klaren Akzent im Bereich „Physical AI“ – also KI, die nicht nur in der Cloud rechnet, sondern in Maschinen und Robotern wirkt. Vorgestellt wurde „Alpamayo“, das Nvidia als weltweit erstes „denkendes Modell“ für autonome Fahrzeugentwicklung beschreibt.
Die Plattform nutzt sogenannte Chain-of-Thought-Ansätze und Vision-Language-Action-Technologie, um Entscheidungsprozesse im selbstfahrenden Betrieb nachvollziehbarer und zuverlässiger zu machen. Damit will Nvidia eine Brücke schlagen zwischen großen multimodalen Modellen und den extrem hohen Sicherheitsanforderungen im Straßenverkehr.
Parallel betonte das Unternehmen die Breite seiner Industrie- und Robotikpartnerschaften. Unter anderem Boston Dynamics, Caterpillar, LG Electronics und NEURA Robotics setzen auf Nvidias Technologien. Huang verwies darauf, dass „Physical AI“ das bis zu 50 Billionen US-Dollar schwere Produktions- und Logistik-Ökosystem grundlegend verändern könne – ein Markt, der weit über heutige Cloud-Budgets hinausreicht.
Kursbild und Einordnung
An der Börse hielten sich die Ausschläge nach der CES in Grenzen. Nach einem Schlusskurs von 187,31 US-Dollar gestern liegt die Aktie rund 1,7 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch vom 26. Dezember, aber mehr als 100 % über dem Tief von Anfang April 2025. Der Abstand von rund 29 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt und ein RSI von 63 signalisieren einen klar etablierten Aufwärtstrend, aber kein extremes Überkauft-Niveau.
Vor diesem Hintergrund wirkt die verhaltene Reaktion auf die Keynote eher wie eine Konsolidierung nach einem starken Jahr als wie ein Stimmungsumschwung. Die Bewertung spiegelt bereits hohe Erwartungen an Rubin, Datenzentren und „Physical AI“ wider – zusätzliche Kursimpulse hängen damit stark von der Umsetzung der angekündigten Projekte ab.
Konkreter Ausblick
Operativ rückt nun der nächste Zahlenblock in den Vordergrund: Für Ende Februar wird der Bericht zum vierten Geschäftsquartal erwartet, inklusive Update zur aktuellen Umsatzprognose von rund 65 Milliarden US-Dollar für das laufende Vierteljahr. Dann dürfte sich zeigen, ob die jetzt bekräftigte, noch optimistischere Langfristperspektive auch kurzfristig in den Auftragsbüchern sichtbar wird.
Parallel bereiten sich wichtige Partner auf die neue Plattformgeneration vor. Die Cloudanbieter CoreWeave und Nebius planen, Rubin-Systeme in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu installieren. Super Micro Computer baut gezielt Kapazitäten für Rubin-optimierte Systeme aus. Entscheidend wird, ob Nvidia diese Produktions- und Rollout-Pläne im Jahresverlauf wie angekündigt in konkrete Liefervolumina und weiter steigende Rechenzentrumsumsätze übersetzen kann.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 7. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
