Die 150-Tage-Uhr, Lagardes Siegesfanfare und das Bitcoin-Beben

Neue US-Importzölle setzen die europäische Wirtschaft unter Zeitdruck, während der DAX robust bleibt und Bitcoin auf Talfahrt geht. Nvidia-Quartalszahlen stehen bevor.

Kurz zusammengefasst:
  • Trump kündigt neue 15-Prozent-Importzölle an
  • DAX zeigt sich erstaunlich stabil nahe Allzeithoch
  • Bitcoin verliert deutlich und signalisiert Stress
  • Nvidia-Quartalsbericht dominiert Tech-Agenda

Liebe Leserinnen und Leser,

„Mission erfüllt.“ Zwei Worte, die Christine Lagarde an diesem Wochenende dem Wall Street Journal anvertraute – und die das europäische Inflationsgespenst für faktisch besiegt erklären. Zwei Prozent Teuerung, Ziel erreicht, Champagner auf. Vorausgesetzt, es treffen uns keine unvorhersehbaren Schocks.

Die Ironie der Geschichte: Während Lagarde noch den Korken knallen lässt, braut sich auf der anderen Seite des Atlantiks exakt dieser Schock zusammen. Donald Trump hat zurückgeschlagen – und die Spielregeln für die Weltwirtschaft 2026 binnen 48 Stunden neu geschrieben.

Das juristische Ping-Pong in Washington

Am Freitag schien die Sache entschieden. Der US Supreme Court kippte mit 6 zu 3 Stimmen Trumps globale Notfallzölle, die auf dem IEEPA-Gesetz von 1977 basierten. Eine historische Schlappe für das Weiße Haus. In Frankfurt und Stuttgart atmeten die Exportstrategen auf.

Für exakt 24 Stunden.

Denn noch am Samstag konterte Trump via Truth Social mit einem neuen Instrument: Section 122 des Trade Act von 1974. Weltweite Importzölle von 15 Prozent – fünf Prozentpunkte mehr als die ursprünglich anvisierten zehn. Maximale Laufzeit: 150 Tage.

Für die europäische Wirtschaft tickt damit eine neue Uhr. Das EU-Parlament hat für morgen eine Sondersitzung anberaumt. Friedrich Merz steht vor seiner bislang schwersten diplomatischen Prüfung, wenn er in wenigen Tagen nach Washington reist. Die Schweizer Regierung gibt sich bereits desillusioniert: Man müsse sich darauf einstellen, dass US-Zölle ein permanenter Zustand werden. Die Unsicherheit selbst ist dabei das eigentliche Gift – sie lähmt Investitionsentscheidungen von Wolfsburg bis Walldorf.

Die seltsame Gelassenheit des DAX

Angesichts dieses Handelskriegs auf Raten müsste der deutsche Leitindex eigentlich unter Druck stehen. Das Gegenteil ist der Fall. Am Freitag schloss der DAX bei robusten 25.260 Punkten – ein Plus von 0,87 Prozent und nur noch einen Steinwurf von seinem erst kürzlich markierten Allzeithoch bei 25.507 Zählern entfernt.

Die Märkte blicken derzeit durch die geopolitische Nebelwand hindurch. Sie fokussieren strukturelle Trends statt Schlagzeilen. Rüstungswerte wie Rheinmetall profitieren von Europas Erkenntnis, sicherheitspolitisch auf eigenen Beinen stehen zu müssen. Parallel befeuern Zinssenkungsfantasien nach Lagardes „Mission erfüllt“-Rhetorik die Kurse.

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Diese Entwicklung zeigt einen grundlegenden Wandel in der Verteidigungsindustrie, den Carsten Müller in seinem Webinar „Bytes statt Bomben“ detailliert analysiert. Während klassische Rüstungskonzerne wie Rheinmetall weiterhin relevant bleiben, entsteht parallel ein komplett neuer Markt: New Defence – autonome Drohnenschwärme, KI-gestützte Aufklärung und Cyber-Abwehrsysteme. Müller identifiziert vier spezialisierte Technologie-Unternehmen, die von NATOs massiven Investitionen in den automatisierten Schutzwall an der Ostflanke profitieren – mit einem Gewinnpotenzial von bis zu 934 Prozent. Sie erfahren konkret, welche Firmen die Sensortechnik, elektronische Drohnenabwehr und KI-Systeme für Europas digitale Verteidigungslinie liefern. Das Webinar zeigt, warum diese Tech-Schmieden die alten Rüstungsgiganten in Sachen Wachstumspotenzial deutlich übertreffen könnten. Details zur New-Defence-Analyse

Nur bei Einzeltiteln schlägt die Realität ungebremst zu: Bayer verlor am Freitag über vier Prozent. Selbst ein Milliardenvergleich im Glyphosat-Streit konnte die Anleger nicht beruhigen. Der Leverkusener Konzern bleibt ein Mahnmal dafür, dass juristische Altlasten schwerer wiegen können als operative Fortschritte.

Der Krypto-Sektor signalisiert Stress

Ganz anders die Stimmung bei den hochspekulativen Assets. Bitcoin, im vergangenen Oktober noch bei über 126.000 Dollar gefeiert, kämpft an diesem Wochenende im Bereich von 67.000 bis 68.000 Dollar um Stabilisierung.

Die Krypto-Leitwährung reagiert wie ein Seismograph auf die neue Zoll-Unsicherheit. Die Logik dahinter: 15 Prozent globale Zölle wirken inflationär. Das könnte die US-Notenbank zwingen, die Zinsen länger hoch zu halten – und damit Risiko-Assets die Liquidität entziehen. Fünf Wochen in Folge verzeichnen die Spot-Bitcoin-ETFs nun Nettoabflüsse. Der „Fear & Greed Index“ steht auf extremen 14 von 100 Punkten.

Die Party des vergangenen Jahres ist einem harten Kater gewichen. Analysten warnen bereits vor einem Test der 60.000-Dollar-Marke.

Nvidia setzt den Takt

Während die Makro-Daten uns in Atem halten, wird die kommende Woche von einem einzigen Unternehmen dominiert: Nvidia. Am Mittwochabend öffnet der KI-Gigant seine Bücher für das vierte Quartal. Erwartet werden fast 66 Milliarden Dollar Umsatz.

Die Dimension wird greifbar, wenn man die Nachricht vom Wochenende hinzunimmt: OpenAI plant bis 2030 rund 600 Milliarden Dollar für Rechenleistung auszugeben. Nvidia verkauft die Schaufeln in diesem Goldrausch. Die Quartalszahlen werden den Takt für den gesamten Technologiesektor vorgeben.

Deutsche Bodenhaftung zum Schluss

Bei aller Billionen-Rhetorik aus dem Silicon Valley lohnt sich ein Blick auf die hiesige Realität. Bei VW PowerCo in Salzgitter hat die IG Metall eine Beschäftigungssicherung für die 2.000 Mitarbeiter bis Ende 2030 ausgehandelt. Ein wichtiges Signal in einer Branche, die zwischen Aufbruch und Verunsicherung schwankt.

Und für alle Hauptstadt-Pendler zum Trost: Nach dem bundesweiten Ausfall von 130 Rolltreppen der Deutschen Bahn funktioniert im Berliner Hauptbahnhof laut Bahnangaben inzwischen „nahezu die Hälfte“ wieder. Manchmal sind es eben die kleinen Schritte, die zählen – im wörtlichsten Sinne.

Die kommende Woche wird zeigen, ob Lagardes Siegesfanfare nicht zu früh geblasen wurde. Trumps 150-Tage-Uhr tickt. Und die Märkte werden entscheiden müssen, ob sie weiter durch den Nebel blicken – oder ob die Realität sie einholt.

Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Sonntagabend und einen erfolgreichen Start in diese spannende Handelswoche.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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