Thyssenkrupp kommt beim Ausstieg aus dem Stahlgeschäft erneut ins Stocken. Berichte über zähe Verhandlungen mit Jindal Steel und harten Widerstand der Arbeitnehmervertreter haben die Aktie am Dienstag deutlich belastet. Im Kern steht die Frage, ob der Konzern seinen Stahldeal wie geplant umsetzen kann – oder ob sich die Hängepartie weiter verlängert.
Geplanter Stufenverkauf an Jindal
Auslöser der jüngsten Kursreaktion sind durchgesickerte Details zum möglichen Verkauf von Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) an den indischen Stahlkonzern Jindal Steel.
Kernpunkte des angedachten Modells:
- Geplanter Stufenverkauf („Phased Sale“)
- Erste Tranche: 60 % Mehrheitsbeteiligung für Jindal
- Verbleibende 40 % später in weiteren Schritten
- Ziel: zeitlich gestreckte Entlastung von Pensionsverpflichtungen von rund 2,5 Mrd. Euro
Dieses Konstrukt soll ein Problem lösen, an dem frühere Verkaufsversuche scheiterten: Die umfangreichen Pensionslasten der Stahlsparte lassen sich so nicht auf einen Schlag, sondern über mehrere Jahre verteilen. Aus Sicht des Konzerns wäre das ein wichtiger Hebel, um die Bilanz zu entlasten.
Gleichzeitig spiegelt der aktuelle Kurs von 9,59 Euro die Unsicherheit wider. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie zwar noch deutlich im Plus, sie notiert jedoch rund 28 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch von 13,24 Euro – ein klares Zeichen, dass der Markt beim Stahlthema wieder vorsichtiger geworden ist.
Widerstand von IG Metall und Betriebsräten
Die größte Hürde für den Deal kommt derzeit von der Arbeitnehmerseite. IG Metall und Betriebsräte stellen sich mit Nachdruck gegen die bisher bekannten Eckpunkte. Im Zentrum stehen Forderungen nach:
- verbindlichen Standortgarantien
- langfristigen Beschäftigungssicherungen
Nach den vorliegenden Berichten ist Jindal bislang nicht bereit, alle Forderungen im gewünschten Umfang zu akzeptieren. Die Folge: Die Gespräche stocken, und der Eindruck eines festgefahrenen Prozesses nimmt zu.
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Eine indische Delegation soll noch im Januar zur technischen Prüfung (Due Diligence) ins Duisburger Hauptwerk kommen. Diese Visite wird zum wichtigen Gradmesser dafür, wie ernst es Jindal mit einem Einstieg tatsächlich ist und ob es Bewegung in den festgefahrenen Positionen gibt.
Kontrast zur Marinesparte
Während der Stahlverkauf ins Stocken gerät, zeigt ein anderer Teil des Konzerns, wie eine Abspaltung funktionieren kann. Die Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) wurde im Dezember 2025 eigenständig an die Börse gebracht und ist bereits in den MDAX aufgestiegen. Dort verläuft die Entwicklung bislang deutlich freundlicher, Analysten trauen der Aktie Kursziele bis 90 Euro zu.
Dieser Kontrast ist für Investoren zentral:
- TKMS steht für Fortschritt bei der Fokussierung auf profitable Bereiche.
- Der Bereich Stahl bleibt das Sorgenkind, das weiter Kapital bindet und die Bewertung der Muttergesellschaft belastet.
Viele Marktteilnehmer hatten darauf gesetzt, dass CEO Miguel López den Stahldeal schneller abschließen kann, um die Transformation zu beschleunigen und den Fokus stärker auf margenträchtigere Bereiche wie Materials Services zu legen. Die aktuelle Hängepartie verstärkt dagegen den Bewertungsabschlag, der auf der Aktie lastet.
Charttechnisch ist mit dem Rutsch unter die Marke von 10 Euro zudem eine psychologisch wichtige Schwelle gefallen. Der aktuelle Kurs liegt nur leicht über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 9,27 Euro und knapp unter dem 200‑Tage-Durchschnitt von 9,73 Euro – ein Hinweis auf eine fragile Ausgangslage.
Entscheidende Wochen für den Stahldeal
Die kommenden Wochen dürften für den weiteren Kursverlauf stark vom Nachrichtenfluss aus Duisburg geprägt sein. Entscheidend sind vor allem drei Punkte:
- Wie fällt das Ergebnis der Due Diligence durch Jindal im Januar aus?
- Kommt es zu konkreten Zugeständnissen an IG Metall und Betriebsräte?
- Bestätigt das Management den eingeschlagenen Kurs eines gestuften Verkaufs?
Gelingt es, eine politisch und sozial akzeptable Lösung mit Jindal zu finden, könnte dies den Weg für eine spürbare Bilanzentlastung und eine Neubewertung der Aktie öffnen. Bleiben die Fronten verhärtet, droht dagegen eine weitere Verzögerung der Stahlpläne – mit entsprechend anhaltendem Druck auf den Kurs.
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