Novo Nordisk gerät immer tiefer in die Defensive. Innerhalb von nur vier Wochen hat die US-Arzneimittelbehörde FDA dem dänischen Pharmakonzern zwei Warnbriefe wegen irreführender Werbung geschickt. Das verschärft eine ohnehin angespannte Lage: Der Kurs notiert nahe Mehrjahrestiefs, die Umsatzprognose für 2026 liegt deutlich unter den Erwartungen, und eine wichtige Studienhürde wurde verfehlt.
Ozempic-Werbung unter Beschuss
Am 26. Februar erhielt Novo Nordisk den zweiten FDA-Warnbrief binnen weniger Wochen – diesmal wegen eines Fernsehspots für das Diabetes-Medikament Ozempic. Die Behörde bemängelt den TV-Auftritt mit den Schauspielern Justin Long und John Hodgman als „falsch oder irreführend“. In dem Werbespot mit dem Titel „There’s Only One Ozempic“ präsentieren die beiden ein „GLP-1-Quiz“, bei dem Long Ozempic verkörpert und Hodgman „andere GLP-1-Medikamente für Typ-2-Diabetes“.
Die FDA kritisiert vor allem zwei Punkte: Zum einen suggeriere die Werbung fälschlicherweise, alle Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes kämen für die zugelassenen Anwendungen von Ozempic in Frage. Tatsächlich gelten bestimmte Indikationen nur für Patienten mit zusätzlichen Erkrankungen wie kardiovaskulären Problemen oder chronischer Niereninsuffizienz. Zum anderen fehle es an klinischen Daten, die eine überlegene Wirkung von Ozempic gegenüber anderen GLP-1-Präparaten belegen würden.
Novo Nordisk hat nun 15 Arbeitstage Zeit, um zu der Rüge Stellung zu nehmen und Maßnahmen vorzulegen – darunter möglicherweise die Überarbeitung oder Einstellung der Werbung.
Zweite Warnung in vier Wochen
Bereits am 5. Februar hatte die FDA einen Warnbrief wegen eines TV-Spots für Wegovy verschickt, das Abnehmpräparat von Novo Nordisk. Auch dort bemängelte die Behörde irreführende Angaben zur Wirksamkeit im Vergleich zu anderen GLP-1-Therapien sowie unbelegte emotionale Zusatznutzen.
Die verschärfte Kontrolle erfolgt im Rahmen einer breit angelegten FDA-Offensive gegen irreführende Arzneimittelwerbung. US-Präsident Donald Trump hatte engere Vorgaben für die Vermarktung verschreibungspflichtiger Medikamente angeordnet. Anfang März verschickte die Behörde 30 Warnbriefe an Telemedizin-Anbieter wegen irreführender Angaben zu nachgeahmten GLP-1-Präparaten.
Ein Novo-Nordisk-Sprecher bestätigte den Erhalt des Schreibens und versicherte, dass man die Bedenken der FDA adressieren werde. „Novo Nordisk verpflichtet sich zu verantwortungsvoller Werbung, die präzise, ausgewogen und im Einklang mit allen FDA-Standards steht“, hieß es.
Umsatzeinbruch und Pipeline-Rückschlag belasten
Die Regulierungsprobleme treffen Novo Nordisk in einer schwierigen Phase. Im Februar senkte der Konzern die Umsatzprognose für 2026 drastisch: Statt eines leichten Rückgangs um rund 2 Prozent, wie Analysten erwartet hatten, rechnet das Management nun mit einem Minus von 5 bis 13 Prozent zu konstanten Wechselkursen.
CEO Mike Doustdar nannte als Hauptgrund die kürzlich vereinbarte Meistbegünstigungsklausel mit der US-Regierung, die Novo Nordisk zu niedrigeren Preisen verpflichtet. Hinzu kommt der intensive Wettbewerb mit Eli Lilly bei GLP-1-basierten Therapien sowie die Konkurrenz durch nachgeahmte Versionen aus Compound-Apotheken.
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Im Gesamtjahr 2025 stiegen die Umsätze um 10 Prozent auf 309,1 Milliarden Dänische Kronen. Das Wachstum konzentrierte sich auf den Bereich Adipositas, wo die Erlöse um 31 Prozent zulegten, während die Diabetes-Sparte moderater wuchs. Im vierten Quartal sanken Umsatz und Betriebsgewinn um 2 beziehungsweise 4 Prozent.
Ein zusätzlicher Dämpfer kam von der Phase-3-Studie REDEFINE-4: Das Kombinationspräparat CagriSema verfehlte das Ziel, eine Nicht-Unterlegenheit gegenüber Eli Lillys Tirzepatid nachzuweisen. Die Deutsche Bank senkte daraufhin ihre Schätzungen für die Jahre 2026 bis 2030 um 5 bis 21 Prozent unter den Bloomberg-Konsens und stufte die Aktie herab.
Aktie unter Druck
Der Kurs notiert mit rund 37 US-Dollar nahe dem 52-Wochen-Tief von 36,72 Dollar vom 3. März. Seit Mitte Februar, als die Jahreszahlen vorgelegt wurden, ging es von über 48 Dollar deutlich nach unten. 2025 erlebte Novo Nordisk das schlechteste Börsenjahr seiner Geschichte mit einem Kursverlust von knapp 50 Prozent.
Parallel dazu gab es personelle Umbrüche: Erstmals übernahm ein nicht-dänischer CEO die Führung, und der frühere Konzernchef Lars Rebien Sørensen kehrte als Aufsichtsratsvorsitzender zurück.
Aktienrückkauf und Pipeline-Hoffnungen
Um die Volatilität zu dämpfen, startete Novo Nordisk ein Aktienrückkaufprogramm über 2,37 Milliarden US-Dollar. Das Programm wurde auf der Hauptversammlung im März 2025 genehmigt und dient offiziell der Erfüllung von Verpflichtungen aus aktienbasierten Mitarbeiterprogrammen. Eine Fortsetzung über März 2026 hinaus erfordert eine erneute Zustimmung der Aktionäre bei der Hauptversammlung am 26. März 2026 im Bella Center Kopenhagen.
CEO Doustdar setzt auf die bevorstehenden Markteinführungen von CagriSema sowie dem Hämophilie-Medikament Mim8. Zudem stehen Phase-3-Ergebnisse für das Sichelzellen-Präparat Etavopivat und für Ziltivekimab bei chronischer Nierenerkrankung an. Kürzlich erhielt Wegovy die FDA-Zulassung zur Behandlung von nicht-zirrhotischer MASH mit moderater bis fortgeschrittener Leberfibrose – als erstes GLP-1-Präparat für diese Indikation.
Ausblick bleibt herausfordernd
Die Prognose für 2026 berücksichtigt auch den Patentablauf für Semaglutid in bestimmten internationalen Märkten sowie das Wegfallen günstiger Brutto-Netto-Anpassungen aus dem US-Geschäft, die 2025 noch positiv gewirkt hatten. Zwar wird der globale GLP-1-Markt weiter wachsen, doch das Management räumt ein, dass Volumensteigerungen zunehmend durch Preisdruck und Wettbewerb aufgezehrt werden.
Die doppelte FDA-Warnung innerhalb eines Monats erhöht den Druck zusätzlich. Mit der Hauptversammlung Ende März beobachten Anleger genau, welche Impulse aus der Pipeline kommen und wie der Konzern die regulatorischen Herausforderungen meistert.
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