Batterie leer?!



15:07 25.02.21

Tesla-Aufwärtsfahrt vorläufig gestoppt

Indizien der Überspekulation

Vergangenen Freitag war Redaktionsschluss für die neue Print-Ausgabe des Smart Investor. Nach einem arbeitsreichen Wochenende ging das Heft gestern Abend in den Druck und wird pünktlich zum kommenden Wochenende in den Briefkästen unserer Abonnenten und Online unter www.smartinvestor.de verfügbar sein. Als Monatsmagazin sind wir gezwungen, uns frühzeitig über Themen Gedanken zu machen, insbesondere auch über die großen Börsentrends und mögliche Trendwechsel. Ein Thema, das uns seit einiger Zeit beschäftigt, ist die zunehmende Überspekulation an den Märkten. Diese zeigte sich unter anderem in der WallstreetBets/GameStop-Episode, aber auch bei den „Robinhoodies“, das sind die Kunden des neuartigen Online-Brokers Robinhood, sowie bei der Kursexplosion des Bitcoin und weiterer Modeaktion wie Tesla.

„Auf Stimmenfang“

Das war für uns Grund genug, einmal jene Börsianer, die schon auf „etwas“ mehr Börsenerfahrung als nur auf die aktuelle Hausse zurückblicken können, zu befragen bzw. deren öffentliche Statements der letzten Wochen zusammenzutragen und zu bewerten. Was bei diesem „Stimmenfang“ herausgekommen ist, lesen Sie in der Titelgeschichte unserer neuen Ausgabe. Dabei sind die Stimmen prominenter Namen wie Dr. Jens Ehrhardt, Ray Dalio und Warren Buffett. Und zumindest so viel sei verraten, die Titelgeschichte lautet „Eisberg voraus!“. Während also anderenorts z. B. noch über „Die neue Lust auf Aktien“ (Euro am Sonntag) getitelt wurde, haben wir uns bereits Gedanken über das Potenzial für Kursrücksetzer gemacht. Allerdings kann man bei einer monatlichen Erscheinungsweise auch schon einmal von einer Entwicklung überrollt werden. Um Sie, liebe Leser, auch zwischen den Ausgaben des Monatsmagazins auf dem Laufenden zu halten, erscheint jeweils am Mittwochabend dieser Smart Investor Weekly mit Updates zu aktuellen Themen. Denn noch während wir das Heft für den Druck fertig machten, erlitten am Montag just jene Highflyer einen Schwächeanfall, deren Kursverlauf über viele Monate so prägend für den Markt und die Stimmung gewesen sind – der Bitcoin und der E-Auto-Pionier Tesla*. Irgendwie hatten wir das kommen sehen, aber lesen Sie selbst im neuen Heft!

Korrektur nach knapp 1.200% Plus


Bei Tesla ging es sogar derart rasant nach unten, dass Hauptaktionär Elon Musk den ersten Rang auf der Liste der reichsten Menschen der Welt einbüßte. Gestern konnte sich die Aktie zwar im Sitzungsverlauf wieder erholen, allerdings ist das Papier nun charttechnisch angeschlagen. Zuletzt lief die Aktie in einem gigantischen, aufgrund seiner Ausdehnung jedoch atypischen bearishen Keil (vgl. Abb., blaue Begrenzungslinien) nach oben. Das Ausmaß dieser Formation ist schlicht atemberaubend. Denn zwischen dem Tief bei rund 70 USD im März 2020 und dem Allzeithoch von 900 USD am 25. Januar 2021 liegt ein Faktor von knapp 13, der Kurs ist also in gut zehn Monaten um mehr als 1.180% explodiert. Aber selbst bei rund 70 USD (diese Angabe bezieht sich auf den Kurs nach Aktiensplit) brachte das Unternehmen fast 70 Mrd. USD auf die Waage. Es war also nicht irgendeine kleine Hinterhofwerkstatt, die diese Kursbewegung vollzog.

Negatives Omen

Warum ist ein solcher Keil dennoch ein negatives Omen? Das wesentliche Manko besteht in der nachlassenden Kursdynamik, was angesichts der soeben erwähnten, prozentualen Kurszuwächse erst einmal nach Jammern auf hohem Niveau klingt. Entscheidend ist aber der flachere Steigungswinkel der oberen Begrenzungslinie. Ein solches Muster entsteht, wenn der Kurs im Zuge einer Aufwärtsbewegung immer weniger kraftvoll von der unteren Begrenzungslinie abprallt. Die am 17. November 2020 gestartete Rally (grüner Pfeil) begann zwar noch sehr kraftvoll, sogar mit einem Aufwärts-Gap, in der Nähe der oberen Begrenzung verließ potenzieller Käufer dann aber der Mut. In einem gesunden Trendkanal würden die beiden Begrenzungslinien parallel verlaufen, hätten also einen identischen Steigungswinkel. In sich beschleunigenden Trends können es Aktien sogar schaffen, bereits steile Trends noch einmal nach oben zu verlassen.

Das Kreuz mit der Unterstützung

Bei Tesla jedenfalls knallte es unmittelbar nach der letzten Berührung der unteren Begrenzungslinie in der vergangenen Woche. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass diese untere Begrenzungslinie und die Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation (rote Linie) eine Kreuzunterstützung gebildet hatten. Wird eine solche doppelte Unterstützung durchschlagen, kommt es häufig zu sehr dynamischen Abwärtsbewegungen. Geheilt würde dieser „Ausrutscher“, der den Unternehmenswert mal eben um 170 Mrd. USD (!) reduzierte, übrigens erst, wenn die Aktie wieder zügig Kurse von mehr als 800 USD zurückerobern könnte.

Weitreichende Implikationen

Wir schildern das hier deshalb so ausführlich, weil es aus Bewertungssicht wenig über Tesla zu sagen gibt. Das Unternehmen wächst schnell, ist aber noch teurer, sehr viel teurer als es selbst dieses hohe Wachstum rechtfertigen würde. Aus der Bewertung lässt sich daher keine Empfehlung zum Timing ableiten, außer vielleicht der, dass das Papier auch schon bei 400 und 500 USD teuer war. Zum anderen wurde Tesla so etwas wie die Leitaktie der letzten Monate, die schließlich sogar in den S&P 500 aufgenommen wurde. Wenn die führende Aktie außer Tritt gerät, kann das verschiedene Implikationen für jene Titel haben, die in ihrem Windschatten ebenfalls scheinbar unaufhaltsam nach oben strebten. Entweder leiden dann auch die anderen Tech-Titel, weil das ganze Segment aus der Mode kommt, oder aber es gelingt einem anderen Unternehmen die Führung der Tech- und Momentum-Meute zu übernehmen. Schließlich könnte auch Tesla selbst noch einmal zurück in seinen Aufwärtstrend finden (s.o.) was wir jedoch für die unwahrscheinlichste Variante halten.

Kein Ersatz in Sicht

Beim Bitcoin darf man die Übernahme seiner Führungsfunktion durch einen anderen Coin des Kryptouniversums auf absehbare Zeit wohl ausschließen. Dazu ist er mit einem Marktanteil von mehr als 60% noch immer viel zu dominant. Aber auch der Bitcoin litt diese Woche. Die Verbindung mit Tesla ist durchaus gegeben, auch wenn sie eher loser Natur ist. Immerhin hatte Tesla-Chef Musk vor zwei Wochen bekanntgegeben, dass er für 1,5 Mrd. USD Bitcoin gekauft hatte, was dessen Marktkapitalisierung dann kurzfristig sogar über die magische Marke von einer Billion USD trieb, ihm dann aber entsprechend schadete. Auch der Bitcoin ist fundamental nicht ernsthaft zu analysieren. Während Tesla-Aktien immerhin Anteile an einem erfolgreichen Geschäftsmodell verbriefen, ist der Bitcoin reines Momentum. Wie schnell es da in die Gegenrichtung gehen kann, konnte man auch dort in den ersten beiden Tagen dieser Woche sehen.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über größere Umschichtungen in den beiden Musterdepots und in unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fazit

Die Aktie des E-Auto-Pioniers Tesla hat Anfang dieser Woche einen ordentlichen Schlag bekommen. Das ist deshalb wichtig, weil die Aktie das führende Papier des laufenden Tech-Booms ist, oder muss es schon heißen „war“? Wir schalten jedenfalls erstmal einen Gang runter.


Ralf Flierl, Ralph Malisch
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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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