WSF-Bonds - Der Preis ist heiß, doch wer greift zu?



16:47 25.02.21

Trotz oftmals voller Auftragsbücher wird die Liquiditätssituation für viele Mittelständler immer bedrohlicher. Die allgemeine Unsicherheit erschwert notwendige Finanzierungen, die meisten Kreditinstitute sind in der aktuellen Situation nicht bereit, ihr Engagement zu erweitern oder Neukredite zu vergeben. Da trifft es sich gut, dass in Kürze endlich die ersten Unternehmensanleihen mit 90%iger Staatsgarantie auf den Markt kommen dürften. Das sich herauskristallisierende Risiko-Rendite-Profil ist hochattraktiv, benötigt aber Investoren mit Strukturierungs-Know-how. Von Thomas Stewens

Der Frühling schickt seine ersten sonnigen Vorboten und zweistellige Temperaturen verleihen eine gewisse Unbeschwertheit. Gleichzeitig mahnen erneut steigende Corona-Fallzahlen und die zunehmende Sichtbarkeit der Virusmutationen zur Vorsicht. Ein Stufenplan sei keine Einbahnstraße in Richtung von Lockerungen, stellt die Politik sicherheitshalber klar. Sollte eine dritte Corona-Welle über Deutschland schwappen, droht vielen Unternehmen ein erneuter Zusammenbruch von Lieferketten und Absatzmärkten. Und dabei kommen die Einschläge jetzt schon immer näher – siehe die Insolvenz der Modekette Adler.

Umso wichtiger wäre es mit Blick auf die kommenden Wochen, dass die Bazooka von Vizekanzler Scholz endlich ihre Ladehemmung ablegt. Seit dem Start Ende März des vergangenen Jahres, wurden aus dem 600 Milliarden Euro schweren Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) erst rund 46 Milliarden Euro abgerufen. Rechnet man die Darlehen an die KfW zur Refinanzierung der ihr von der Bundesregierung zugewiesenen Sonderprogramme heraus, sind es sogar „nur“ 8,4 Milliarden Euro in Form stiller Beteiligungen für stolze 11 Unternehmen (Stand: 24.02.2021).

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Ziehen sich wie Kaugummi, die Bazooka-Hilfen von Finanzminister Olaf Scholz (Parka Lewis at English Wikipedia, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons)

Garantien für Kapitalmarktprodukte wie Anleihen sucht man in der Auflistung der Finanzagentur vergebens - obwohl erklärtes Ziel des Programms. Das liegt auch daran, dass bis Ende Oktober nur Garantien für Anleihen mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro vorgesehen waren. Erst auf Initiative des Verbands Kapitalmarkt KMU sowie  einzelner Mitglieder wie BankM, hat der WSF sein Instrumentarium mittlerweile um Anleihegarantien ab 5 Millionen Euro ergänzt.

Mit der Öffnung des Programms für weite Teile des gehobenen Mittelstands hat auch die Nachfrage angezogen. So unterstützt BankM aktuell mehrere Unternehmen auf verschiedenen Stufen des Prozesses, der erste Antrag wurde noch vor Weihnachten eingereicht. Im Rahmen des Gesamtprozesses und der begleitenden Gespräche mit dem WSF kristallisieren sich dabei immer mehr Eckpunkte für das finale Produkt heraus. Auf Basis der ersten Preisverhandlungen zu staatsgesicherten KMU-Bonds scheint sich zum Beispiel ein Kupon von etwa 2% p.a. bei einer vollen Staatsgarantie für alle Zinszahlungen zu etablieren. Unter Berücksichtigung der 90%igen Rückzahlungsgarantie des Bonds, ist dies ganz sicher ein sehr attraktives Chance-Risiko-Profil.

Selbst bei einem Ausfall des Emittenten am Ende der 5-jährigen Laufzeit ergibt sich bei den dargestellten Konditionen eine volle Zurückzahlung des investierten Kapitals. Lediglich im Falle einer frühen Insolvenz könnte je nach Zeitpunkt ein Verlust in Höhe von 2% bis 10% entstehen. Das Risiko ist also stark begrenzt, zumal der Bund die Anträge mit Unterstützung von PwC als Mandatar sehr genau prüft und insbesondere eine positive Fortführungsperspektive eine wesentliche Voraussetzung für eine Zusage ist. Auf der Haben-Seite des neuen staatsgarantierten WSF-Bonds steht demnach eine wahrscheinliche Rückzahlung  von 110 % (inklusive Zinsen) des eingesetzten Kapitals nach 5 Jahren.



Vergleicht man den WSF-Bond mit dem Auszahlungsprofil einer Staatsanleihe, die ja am Ende des Tages den gleichen Garantiegeber repräsentiert, ist das Produkt sicherlich attraktiv. Dass die Investorensuche dennoch herausfordernd ist, hat mehrere Gründe: Zum einen wurde die große Gruppe der Privatinvestoren als naheliegende Zielgruppe durch den Gesetzgeber aus für uns unverständlichen Gründen von einer Zeichnung ausgeschlossen. Die Stückelung ist auf 100.000 Euro zementiert, sodass nur institutionelle Investoren in den Genuss der Staatsgarantie kommen werden.

Bei den institutionellen Investoren kommen für diese kleinen Tranchen der zwischen 5 und 100 Millionen Euro schweren Anleihen grundsätzlich zwei Typen von Investoren in Frage:

1) Typische Investoren in Mittelstandsanleihen

2) Investoren in mündelsichere Anlagen

Die erste Gruppe dürfte vom geringen Risiko der Anleihe begeistert sein, vom niedrigen Kupon jedoch weit weniger. Wer seinen eigenen Investoren Renditen um die 5% auf Basis einer guten Auswahl der Titel in Aussicht gestellt hat, tut sich mit einem 2%-Kupon naturgemäß schwer. Der mündelsichere Investor auf der anderen Seite, der bisher in Staatsanleihen investiert hat, muss irgendwie mit dem 10%igen Risiko umgehen. Zwar ist dieses Risiko im Verhältnis zur negativ rentierenden Staatsanleihe fürstlich vergütet, aber er muss regulatorische Vorkehrungen und Anlageentscheidungen treffen, die für ihn Neuland bedeuten. Diese Vorkehrungen müssen in kurzer Zeit getroffen werden, da die Corona-Hilfen für Unternehmensanleihen nach heutigem Stand bis zum 30.Juni begrenzt sind.

Ganz zweifelsfrei ist das Chance-Risiko-Verhältnis im Investment-Universum attraktiv. Gerade deshalb gilt es jetzt mit Hochdruck die richtigen Investoren für diese neue und vielversprechende Assetklasse aufzubauen und bestehende Hindernisse mit intelligenten Strukturen zu überwinden. Interessenten sind sicher bei jeder in diesem Geschäftsfeld tätigen Investmentbank herzlich willkommen.

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