Gewerbeimmobilienpreise werden von vielen Faktoren getrieben



15:46 29.03.21

Euwax bonds

Einer davon ist Inflation. Deren Entwicklung spricht derzeit zumindest nicht gegen diese Immobilien.

Milton Friedman warnte einst, dass "Inflation immer und überall ein monetäres Phänomen ist"1]. Mehr als 50 Jahre später stellt die US-Federal Reserve (Fed) diese Behauptung offensichtlich auf die Probe: Seit Beginn der Covid-19-Pandemie hat sie ihre Bilanzsumme fast verdoppelt.

Die DWS geht davon aus, dass die inflationären Folgen relativ harmlos sein werden, da sie durch die schwachen Arbeitsmärkte und eine geordnete Rückführung der geldpolitischen Anreize im Zaum gehalten werden. Selbst Friedman schwächte im weiteren Verlauf seiner berühmten Vorlesung seine These, wonach Güter- und Dienstleistungspreise unweigerlich als Folge höheren Geldmengenwachstums ansteigen müssten, wieder ab. Dennoch herrscht etwa an den Rohstoffmärkten (z.B. Öl, Kupfer und Holz) Preisdruck, insbesondere im Vergleich zu den niedrigen Vorjahreswerten. Es ist kaum zu bestreiten, dass die massiven fiskalischen Hilfsprogramme, die von der Fed monetarisiert werden, die Wirtschaft überhitzen könnten, insbesondere wenn die Angebotsseite nicht Schritt halten kann. Ein aktuelles Beispiel ist der akute Halbleitermangel, der sich durch die Lieferketten vieler Industrien, einschließlich der Automobilhersteller, frisst, was einige Endverbraucherpreise nach oben treiben könnte. Die implizierten Inflationsraten2] scheinen diese Sorgen abzubilden – sie steigen seit einigen Wochen stetig an.

Auch wenn eine nachhaltige Inflationsdynamik keine ausgemachte Sache ist, ruft das heutige außergewöhnliche makroökonomische Umfeld sicherlich zumindest nach einem gewissen Inflationsschutz. Den Anlegern stehen dafür verschiedene Optionen zur Verfügung, wie zum Beispiel inflationsgeschützte Anleihen und Rohstoffe. In der Vergangenheit haben Investoren auch auf Immobilien gesetzt. Wie unser „Chart der Woche“ zeigt, wiesen US-Immobilien eine starke Korrelation zur Inflation auf, insbesondere in den 1970er und frühen 1980er Jahren.3] Die Korrelation ist nicht perfekt, da andere Faktoren, etwa säkulare Kräfte (z. B. Demografie oder Online-Handel) oder Zinssätze auch eine gewichtige Rolle spielen. Aber die Mieten reagieren typischerweise positiv auf die Inflation, da einerseits die besser verdienenden Gewerbetreibenden die nominale Nachfrage erhöhen und andererseits höhere Baukosten das Angebot einschränken. Mit der Zeit nähern sich die Immobilienpreise den Wiederbeschaffungskosten an, die direkt an die Inflation gebunden sind. Gewerbeimmobilien sind als potenzielle Absicherung jedenfalls einen Blick wert, sollten die Inflationsängste weiter eskalieren.

1]The Counter-Revolution in Monetary Theory (1970). Die vollständige Vorlesung ist eine Lektüre wert und unter folgendem Link verfügbar: https://miltonfriedman.hoover.org/internal/media/dispatcher/214480/full

2]Gemessen an den Break-Even Zinssätzen US-amerikanischer Staatsanleihen.

3]Von 1971 bis 1985 stiegen die Konsumentenpreise im Schnitt um 6,5 Prozent und die Gewerbeimmobilienpreise um 7,8 Prozent (bei einer Korrelation von 0,76). Von 1961 bis 2020 hingegen stiegen die Konsumentenpreise im Schnitt um 3,3 Prozent und die Gewerbeimmobilienpreise um 4,6 Prozent, die Korrelation betrug nur 0,36.




Disclaimer
Der vorliegende Newsletter dient lediglich der Information. Für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernimmt die Boerse Stuttgart GmbH keine Gewähr. Insbesondere wird keine Haftung für die in diesem Newsletter enthaltenen Informationen im Zusammenhang mit einem Wertpapierinvestment übernommen. Hiervon ausgenommen ist die Haftung für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit.




=> Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


Attachments:

Anhang

Anhang

Alternativ0, (text/plain)

Der Download und das Öffnen dieses/dieser Attachments erfolgt auf eigene Gefahr.
Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Börse Stuttgart AG Börse Stuttgart AG
Der Anleihenbericht Bonds weekly berichtet wöchentlich über die aktuelle Marktentwicklung, das Anlegerverhalten und Anleihen-Neuemissionen an der Börse Stuttgart. Die Beiträge stellen keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten dar.

Alle Artikel dieses Autors anzeigen

Kurssuche
Status: nicht eingeloggt

Registrieren | Passwort vergessen?
 
 
Im Bereich Experten:
BioNTech: Jetzt absichern! CHARTCHECK
Experte: Stefan Hofmann, STOCK-WORLD
Kolumnen
S&P 500 weiter im ...
Christian Zoller, www.boerse-daily.de (04.08.21)
Experte: Christian Zoller, www.boerse-daily.de
Aufschwung in Gefahr
Michael Beck, Leiter Po., Bankhaus ELLWANGER. (04.08.21)
Experte: Michael Beck, Leiter Portfolio M., Bankhaus ELLWANGER & GEIGER K.
DOW DAX es wird ...
Thomas Heydrich, Systemstradings.de (04.08.21)
Experte: Thomas Heydrich, Systemstradings.de
Preisauftrieb nimmt zu - ...
Miningscout.de, (04.08.21)
Experte: Miningscout.de,
Marktstimmung ...
Redaktion boerse-frankf., Deutsche Börse AG (04.08.21)
Experte: Redaktion boerse-frankfurt.de, Deutsche Börse AG
Die meistgehandelten ...
Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD (04.08.21)
Experte: Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD
BYD-Aktie: Brachiale Rally, ...
CMC Markets, (04.08.21)
Experte: CMC Markets,
Smart sparen - statt ...
wikifolio.com, (04.08.21)
Experte: wikifolio.com,
Euwax-Trends: BioNTech-...
Cornelia Frey, Börse Stuttgart AG (04.08.21)
Experte: Cornelia Frey, Börse Stuttgart AG
DAX - Neues Allzeithoch ...
HypoVereinsbank onema., (04.08.21)
Experte: HypoVereinsbank onemarkets,
Matador Mining: Günstige ...
Björn Junker, GOLDINVEST.de (04.08.21)
Experte: Björn Junker, GOLDINVEST.de
Hugo Boss-Calls mit 61%-...
Walter Kozubek, (04.08.21)
Experte: Walter Kozubek,
Niquet's World
Neues vom Portal
 
Xinyi Solar Aktie - Anlauf zum neuen Rekord?
Letzte Börsen-Meldung
 
Letzte Börsen-Analyse
 
Top-Klicks News
 
Top-Klicks Analysen