Wer beim Dax-Rekord jubelt, macht etwas falsch



09:07 09.04.21

Rekordstände bei Indizes wie jetzt gerade beim Dax verleiten gerne zum Jubeln. Dabei ist klar: Wer bei neuen Rekorden jubelt, macht womöglich etwas falsch. Denn dann scheint ein Portfolio sehr stark auf den deutschen Markt ausgerichtet zu sein. Eine solch geringe Streuung rächt sich bei den nächsten Abwärtsbewegungen. Dieser Meinung ist Nikolas Kreuz, INVIOS GmbH. Wir stellen die Einschätzung vor, die wir so teilen. In unseren Portfolios “kämpfen” wir aktiv gegen die Home-Bias an. Hier könnt ihr euch einen Eindruck verschaffen. Zuerst erschienen ist der Beitrag auf den Südseiten der Börse München.


Dazu kommt: Rekordhochs erzielen Indizes in Aufwärtsbewegungen fast jeden Tag neu, allein 2021 waren es bisher an Schlusskursen gemessen bereits 15. Wer also 15 Mal jubelte, hat 15 Mal über seinen eigenen Fehler gejubelt. Und das gleich aus mehreren Gründen: Zum einen sind ganz grundsätzlich die Gewinner von gestern und heute nicht unbedingt die Gewinner von morgen. Gerade der Dax ist noch sehr eng in seiner Auswahl, hier kann eine Änderung der Favoriten an der Börse den Index schon als Ganzes ins Rutschen bringen.



Die Sache mit dem Home-Bias


Dazu kommt der Home-Bias-Effekt, bei dem vor allem die Werte gekauft werden, die vor der Haustüre arbeiten. Es ist eine Illusion für Privatanleger anzunehmen, dass sie eine Daimler-Aktie besser einschätzen könnten als General Motors. Letztlich sind Informationen mittlerweile weltweit und in passender Form verfügbar, ein Informationsvorsprung also so gut wie ausgeschlossen. Weiterhin zeigen die Erkenntnisse der Neuro-Finance, dass die Jagd nach Rekorden, das Hetzen von High zu High die ohnehin vorhandene Gier weiter anstachelt. Dann aber werden Entscheidungen immer weniger rational und damit weniger erfolgreich. Vor allem werden dadurch prozyklische Käufe gefördert, die eigentlich nie sonderlich erfolgreich sind.

Je höher die Kurse, desto tiefer der Fall


Wer also nach Rekordhochs schielt, sollte nie aus den Augen verlieren, dass mit jedem Anstieg auch das Korrekturpotenzial steigt. Es gilt nach den Gesetzen der Mean Reversion, dass es immer wieder Rücksetzer zum inneren Wert geben wird – und die fallen umso höher aus, je weiter die Kurse gelaufen sind. Potenziert werden diese Gefahren, wenn tatsächlich ein zu großer Anteil des Portfolios nur in einem Index wie dem Dax steckt.Um an der Börse langfristig erfolgreich zu sein, ist ein flexibler Multi-Asset-Ansatz das Beste. Damit lässt sich auf Marktveränderungen aktiv reagieren, Wachstums- und Renditechancen lassen sich breiter nutzen. Auch die Risiken werden durch eine Streuung über Branchen, Regionen, Small-Cap- und Bluechip-, Growth- und Value-Aktien deutlich reduziert. Um stabile Renditen unabhängig von den starken Schwankungen der Märkte zu erzielen, für die Rekordhochs ja nur ein Zeichen sind, ist darüber hinaus Disziplin erforderlich. Diversifikation, der Blick auf ein solides Management und der Mut, antizyklisch zu kaufen und zu verkaufen, sind immer noch die Regeln, aus denen der Börsenerfolg gemacht ist. Wer etwas anders behauptet, soll erst einmal zeigen, dass er auch unter Verzicht darauf Werte schafft und erhält. => Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


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Über den Autor
 
Autor: Feingold-Research Feingold-Research
Die beiden ehemaligen FTD- und Börse Online-Redakteure Benjamin Feingold und Daniel Saurenz haben zusammen das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort stellen die beiden Kapitalmarktexperten und Journalisten ihre Marktmeinung, Perspektiven und Strategien inklusive konkrete Produktempfehlungen vor. In zwei Musterdepots werden die eigenen Strategien mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert (feingold-research.com).

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