Kein Wort mehr! Linksfaschismus



07:29 15.05.21

Au, was bin ich froh, dass ich schon so alt bin, keinen Job mehr brauche und keinen Twitteraccount besitze. Denn ansonsten wäre ich bereits weg vom Fenster gewesen, bevor ich es überhaupt je erreicht hätte.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Erzählungen meines Vater aus der Hitlerzeit. „Ein falsches Wort und die Leute waren plötzlich weg.“ Natürlich ist jeder Vergleich von damals mit heute nicht statthaft, denn es gibt heute ja keine Lager und keine physische Folter.

Dafür geht es heute wesentlich schneller. Die Gestapo musste ja immer noch die Ledermäntel anziehen und ins Auto steigen, während die zukünftige Bundescancelerin das in Sekundenschnelle elektronisch erledigt.

Und früher kamen die Leute dann ja oft wieder heraus aus der Haft, wohingegen die heutigen Volxverurteilungen wohl meistens lebenslänglich sind.

Ich halte wirklich nichts von Jens Lehmann, doch dieser Mann wird in Deutschland in dem einzigen Bereich, von dem er etwas versteht, niemals mehr Arbeit finden. Und das wegen eines dummen Wortes, über das man zudem streiten könnte, wenn nicht das Urteil bereits gefällt wäre.

Auch der Präsident des Deutschen Fußballverbandes, ein falscher Name, ein falscher Bezug, und er durfte nicht einmal mehr den Pokal überreichen.

Vielleicht bietet diese Situation allerdings auch Chancen, denn wenn Boris Palmer nicht mehr bei den Grünen ist, wird er vielleicht eine eigene Partei gründen, so meine Hoffnung. Dann könnte möglicherweise endlich eine wirklich demokratische Alternative zu unserer Einheitsregierung entstehen. Ich würde jedenfalls jubilieren.

Was ich an dem gegenwärtigen Verurteilungswahn auch überhaupt nicht verstehe, ist, warum Menschen nicht anhand ihrer Taten, sondern ausschließlich an ihren Worten gemessen werden?

Aber das passt natürlich zum politischen Klima, in dem es ja faktisch auch nur um das Reden geht. Die Leistungen in unserem Land werden ganz woanders erbracht.

Und da die Politik und die von ihr Geförderten, wie die ganzen Organisationen für das Gute, ausschließlich auf das Reden abstellen und die wenigsten dieser Leute je wirklich etwas geleistet haben, konzentriert sich dort natürlich auch alles auf die Sprache. Eine Tat wird kaum bemerkt, doch ein falsches und unkorrektes Wort: unerhört.

Das erklärt auch, warum die ganzen militarisierten Linksfaschisten in unserem Land für ihren Straßenterror nicht zur Verantwortung gezogen werden. Weil sie nur zerstören, aber keine unerlaubten Worte benutzen.

Linksfaschismus finde ich ein passendes Wort, um das zu bezeichnen, was bei uns gerade in der Öffentlichkeit verbal und nonverbal zerstörend heranwächst.

Denn Nationalsozialismus, Stalinismus und Maoismus sind tabu. Noch jedenfalls. Schließlich wurden hier ganze Völker umgebracht und die grausamstes Verbrechen der Menschheit verübt.



Doch hat es eigentlich unter Mussolini, dem „Vater“ des Faschismus, in Italien auch nur annähernd vergleichbare Lager gegeben? Ich habe nie etwas Derartiges gelesen. Und wenn man nach den Opferzahlen des Faschismus in Italien sucht, spielen nicht die Italiener, sondern wieder einmal die glorreichen Deutschen die Hauptrolle, die hier als Besatzer gewirkt haben.

Bleiben aktuell die Bomben auf Israel. Da hat unser Außenminister getwittert: „Alle Seiten stehen in der Pflicht, weitere Opfer unter Zivilisten zu verhindern.“

Und ich überlege mir, was wohl gewesen wäre, wenn nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 das US-Headquarter gemeldet hätte: „Alle Seiten stehen in der Pflicht, weitere Opfer unter Zivilisten zu verhindern.“

Jetzt wird auch wieder „Scheiß Jude!“ offen in Deutschland gerufen. Doch das kommt ja von unseren lieben Migranten. Da wird lieber gestreichelt: Du, du, das darfst du aber nicht beim nächsten Mal. Bitte, bitte.

Ich denke, der größte politische Fehler der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war es, den Faschismus von rechts in Deutschland nicht entschieden bekämpft zu haben. Und in diesem Jahrzehnt gilt das Gleiche für den von links.

Daher say hello, then wave goodbye, süßes kleines Pummelchen.


Bernd Niquet


berndniquet@t-online.de



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Über den Autor
 
Autor: Bernd Niquet Bernd Niquet,
Autor

Bernd Niquet ist promovierter Volkswirt und schreibt Börsenkolumnen und Bücher


Jenseits des Geldes. SECHSTER TEIL

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Der wirkliche Donnerschlag kommt dann mit Verzögerung. Auch braucht mein Inneres einige Zeit, um ihn zu realisieren. Doch als die Dinge dann klar sind und in mir sacken, mache ich etwas, was ich vorher beim Tagebuchschreiben noch niemals gemacht habe. Ich unterstreiche die wichtigen Passagen nicht wie sonst mit meiner blauen Tinte, sondern mit schwarzem Filzstift. Einunddreißig Jahre schreibe ich mittlerweile Tagebuch, das zeigt die Dimension. Hinterher bin ich selbst erschrocken. Das Tagebuch sieht jetzt aus, als sei jemand gestorben. Und in meinem Inneren fühlt es sich auch tatsächlich so an.

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und wohnt in Berlin. Die ersten fünf Teile von »Jenseits des Geldes« sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 sowie 2018 und 2019.

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