NOTENBANKEN VERTRAUEN WEITERHIN AUF GOLD



09:58 15.05.21

Früher wurden Notenbanken häufig als „Währungshüter“ bezeichnet. Nach Jahrzehnten ultralockerer Geldpolitik und in Zeiten negativer Realzinsen wird dieser Begriff mittlerweile kaum noch verwendet.

Ursprünglich zeichneten sich gute Währungen durch angemessene Anleiherenditen aus, welche die Inflation – oder besser: Geldentwertung – signifikant übertroffen haben. Daran ist auf absehbare Zeit nicht zu denken, schließlich plant weder die Europäische Zentralbank noch die US-Notenbank Fed eine Rückkehr zu „normaler“ Zinspolitik. Jedem Sparer sollte aufgrund der explodierenden Schuldenberge und der wachsenden Zahl an „Zombie-Unternehmen“, die lediglich durch niedrige Zinsen künstlich am Leben gehalten werden, folgendes klar sein: Weder Staaten noch Unternehmen können deutlich höhere Zinsen verkraften. Was soll man daher von einer ungedeckten Währung halten, die das Sparen bestraft und das Schuldenmachen durch niedrigste Zinsen belohnt?

Das Geldvermögen deutscher Privathaushalte markierte Ende Dezember mit fast sieben Billionen Euro einen neuen Rekordwert. Mehr als 75 Prozent waren laut einer aktuellen Vermögensstatistik der Deutschen Bundesbank in „Bargeld und Einlagen“ bzw. „Versicherungs-, Alterssicherungs- und Standardgarantie-Systeme“ gebunden. Dieses Kapital verliert aufgrund negativer Realzinsen (Nominalrendite minus Inflation) Jahr für Jahr an Kaufkraft und somit an Wert. Im Falle einer sich beschleunigenden Inflation würden diese Verluste immer schmerzhafter ausfallen.

Vertrauen in Geld sieht anders aus

Auch Notenbanken scheinen sich dieser Problematik durchaus bewusst zu sein, schließlich sind sie an den Goldmärkten 2020 bereits zum elften Mal in Folge als Nettokäufer in Erscheinung getreten. Laut aktuellen Daten des World Gold Council summierten sich deren Nettokäufe im ersten Quartal 2021 auf 95,0 Tonnen, womit der vergleichbare Vorjahreszeitraum um 23 Prozent unterschritten und das vierte Quartal 2020 um 20 Prozent übertroffen wurde. Nur zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr kauften die Notenbanken weltweit insgesamt 272,9 Tonnen Gold, was gegenüber dem Rekordjahr 2019 (668 Tonnen) einem Einbruch in Höhe von fast 60 Prozent entsprach. In den Monaten Januar bis März 2021 stockten vor allem die Notenbanken von Ungarn (+63,0 Tonnen), Indien (+18,7 Tonnen), Kasachstan (+8,0 Tonnen) und Usbekistan (+23,3 Tonnen) ihre Goldbestände auf.

Die ungarische Zentralbank begründete ihren massiven Goldkauf, der durch eine Verdreifachung der Goldreserven auf 94,5 Tonnen zum Ausdruck kam, unter anderem mit den Risiken, die sich durch die Corona-Krise neu ergeben haben. Wachsende Staatsschulden und Inflationsängste hätten mit Blick auf eine nationale Strategie die Bedeutung von Gold als sicher Hafen und Wertspeicher weiter gestärkt. Ein starkes Goldinteresse wird innerhalb Europas übrigens auch dem polnischen Notenbank-Gouverneur Adam Glapinski nachgesagt. Er plant für die nächsten Jahre Goldkäufe im Volumen von mindestens 100 Tonnen ein. Während seiner nächsten Amtszeit sollen die Goldreserven von aktuell neun auf 20 Prozent der Währungsreserven des Landes ansteigen. In den Jahren 2018 und 2019 kaufte Polen 126 Tonnen und holte 100 Tonnen Gold aus London ins eigene Land.

Im Grunde genommen kann man die Zentralbanken dieser Welt in drei Gruppen einteilen. Erstens: Besonders wichtige Notenbanken betreiben eine extrem expansive Geldpolitik und halten zugleich an ihren beträchtlichen Goldreserven fest. Zweitens: Diverse Zentralbanken stocken ihre Goldbestände auf, um ihre Abhängigkeit von Reservewährungen wie Dollar, Euro, Yen oder Pfund zu reduzieren. Drittens: Einige Notenbanken sind aufgrund wirtschaftlicher Probleme bereits gezwungen, sich vom Krisenschutz Gold zu trennen. Dies traf im ersten Quartal vor allem auf die türkische Zentralbank zu, die Goldverkäufe in Höhe von 31,5 Tonnen getätigt hat. Mit aktuell 512,6 Tonnen verzeichnete das Land am Bosporus weltweit den höchsten „Aderlass“ sowie den dritten Quartalsabfluss in Folge.

Anleger sollten deshalb folgendes Fazit ziehen: Offensichtlich vertrauen selbst Geldexperten wie Notenbanken in hohem Maße auf die Vorzüge von Gold, was auch „Otto Normalverbraucher“ zum Anlegen privater Goldreserven animieren sollte. In der nachfolgend aufgeführten Tabelle haben wir die zehn Notenbanken mit den höchsten Goldreserven für Sie aufgelistet.

Die zehn Notenbanken mit den höchsten Goldreserven
Land Tonnen % d. Währungsreserven
USA                     8.133,50 77,6%
Deutschland                     3.362,40 74,2%
Italien                     2.451,80 69,0%
Frankreich                     2.436,30 64,3%
Russland                     2.295,40 21,8%
China                     1.948,30 3,2%
Schweiz                     1.040,00 5,3%
Japan                        846,00 3,4%
Indien                        695,30 5,6%
Niederlande                        612,50 66,8%
 Quelle: World Gold Council, IWF, Stand: März 2021 oder früher



Gold gehört in jedes Portfolio

Ein Goldinvestment wird regelmäßig als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten bezeichnet. Angesichts der größten Gesundheitskrise und des stärksten Konjunktureinbruchs der Nachkriegsgeschichte sowie der Tatsache, dass wir derzeit das größte geldpolitische Experiment aller Zeiten erleben, dürfte kaum ein Anleger und Vermögensverwalter den Sinn von Goldbesitz in Zweifel ziehen. Innerhalb eines Vermögensportfolios nimmt das gelbe Edelmetall dank seiner relativ geringen Kursschwankungsintensität (Volatilität), seiner negativen Korrelation gegenüber Aktien, Zinsen und Dollar häufig die Rolle einer Ankerwährung ein. Die Gretchen-Frage lautet daher: Wie hoch sollten die privaten Goldreserven und die daraus resultierende Goldquote des liquiden Gesamtvermögens ausfallen. Gemäß der Hausmeinung von pro aurum sollte man beim Kauf von Barren oder Münzen einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren haben. Robert Hartmann, einer der beiden Gründer von pro aurum, rät sowohl zu Gold als auch zu Silber und sagt: „Privatanleger sollten eine Edelmetallquote von 15 Prozent des liquiden Gesamtvermögens anstreben, wobei die Edelmetallposition zu 80 Prozent aus Gold und zu 20 Prozent aus Silber bestehen sollte“.

Notenbanken vertrauen weiterhin auf Gold

Diverse Studien kamen zu dem Ergebnis, dass eine Beimischung von Gold die risikobereinigte Rendite spürbar verbessern kann, schließlich zählt bei einem Investment unter dem Strich nicht nur die konkret erzielte Performance, sondern auch das damit verbundene Risiko. Bei starken Kursschwankungen eine Gesamtperformance von beispielsweise zehn Prozent p.a. zu erzielen, ist sicherlich weniger erstrebenswert, als dieselbe Wertsteigerung bei relativ geringen Kursschwankungen zu realisieren. Diese wohltuende Wirkung wird einem Goldinvestment in der Regel zugeschrieben, was den Anleger in zweifellos unsicheren Zeiten spürbar beruhigen hilft. Obwohl die vier Notenbanken mit den weltgrößten Goldreserven (siehe Tabelle) teilweise deutlich mehr als 60 Prozent ihrer Währungsreserven in Gold halten, dürfte sich der beruhigende Effekt eher in Grenzen halten. Grund: Die ausstehenden Schulden übertreffen den aktuellen Wert der goldenen Reserve nämlich um ein Vielfaches. In Deutschland liegt dieser Faktor zum Beispiel bei über 14.

Bildrechte: iStock.com/hocus-focus

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Über den Autor
 
Autor: Benjamin Summa Benjamin Summa,
pro aurum

Benjamin Summa ist seit dem 1. Juli 2011 Unternehmenssprecher beim Münchner Edelmetallhandelshaus pro aurum. In dieser Position berichtet er direkt an die Geschäftsführer Robert Hartmann und Mirko Schmidt. Benjamin Summa verantwortet die interne und externe Kommunikation. Zuvor war er Wirtschafts-Redakteur beim Axel Springer Finanzen Verlag.

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