"Die Rally geht weiter"



07:44 29.07.21

Schwellenländer-Aktien zählten nicht umsonst zu den Favoriten vieler professioneller Anleger. Die Chancen stünden gut, dass die Emerging Markets jetzt wieder an die Spitze der Gewinnerliste vorrücken, glaubt das ETF Magazin.

 

Juli 2021. FRANKFURT (Deutsche Börse). Auch wenn die Rally der Schwellenländer-Aktien etwas an Schwung verloren hat: Noch gehören Aktien aus den Emerging Markets zu den Top-Favoriten professioneller Portfolio-Manager. Das zeigt die April-Umfrage der Bank of America unter mehr als 200 Großanlegern. „Innovation, dynamische Bevölkerungsentwicklung und eine hohe Wachstumsdynamik wird man weiterhin vor allem in den Schwellenländern finden“, erklärt Michael Altintzoglou, Manager des Fonds Flossbach von Storch Global Emerging Markets Equities.

„Die Schwellenländer bleiben der wichtigste Motor des Weltwirtschaftswachstums“, ergänzt Dara White, Global Head of Emerging Market Equities bei Columbia Threadneedle. Außerdem würden sie von der weltweit hohen Liquidität profitieren. Zudem gebe es in den meisten Ländern noch mehr Spielraum für geldpolitische Impulse als in den Industrieländern. Doch nicht alle Investoren scheinen den Botschaften der Fondsmanager noch Glauben zu schenken. Seit dem Tief im vergangenen Frühjahr stiegen die Kurse der Schwellenländer-Aktien bis Mitte Februar um rund 90 Prozent, gemessen am MSCI-Emerging-Markets-Index. Doch dann hauten zahlreiche Investoren den Rückwärtsgang rein und drückten damit den Index kräftig nach unten.

Was war der Grund für die Vollbremsung? Wiederholt sich womöglich das Taper Tantrum von 2013? Damals zogen sich Anleger in Panik aus den Schwellenländer-Papieren zurück, weil die US-Notenbank das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik signalisiert hatte. Auch jetzt haben die Renditen am US-Rentenmarkt angezogen. Und ähnlich wie 2013 scheinen auch heute viele Anleger der Faustregel zu folgen: Sinkende US-Zinsen sind gut für die Schwellenländer, steigende dagegen schädlich. Sicher nicht ganz zu Unrecht: Bleiben die Renditen in den Vereinigten Staaten und anderen Industrienationen im Aufwärtstrend, schrumpft nicht nur der Renditeaufschlag der Schwellenländer, sondern es drohen auch Währungsverluste. Eine Aufwertung des Dollar würde nicht nur Besitzer von EM-Aktien und Anleihen in Lokalwährungen treffen, sondern auch alle in den Schwellenländern, die Kredite in US-Dollar aufgenommen haben, Unternehmen genauso wie Staaten.

Neue Gefechtslage

Doch für viele Analysten und Anlagestrategen passt der Vergleich mit dem Taper Tantrum nicht zur aktuellen Situation. So hätten sich die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Schwellenländer seit 2013 generell verbessert, sagt Sergio Trigo Paz, Leiter des Teams für SchwellenländerAnleihen bei Blackrock in London. Das gelte besonders für die „Zerbrechlichen Fünf“, Türkei, Brasilien, Südafrika, Indien und Indonesien, die vor acht Jahren am meisten gelitten hatten. Zudem dürfte die Nachfrage nach Rohstoffen weiter fest bleiben, während sich der US-Dollar wieder etwas abwerten sollte.

Auch Notenbanken der Schwellenländer machen heute eine andere Politik als damals. In der Vergangenheit drehte die Zentralbank oft an der Zinsschraube, um so Kapitalabflüsse und Währungsabwertungen zu dämpfen. Diesmal handeln die Währungshüter jedoch antizyklisch: Sie lockern die Zügel oder kaufen sogar Anleihen und Aktien nach dem Muster der Industriestaaten. Dadurch stützen sie die Wirtschaft.



Die Hoffnungen vieler Schwellenländer-Bullen beruhen vor allem auf der beeindruckenden wirtschaftlichen Entwicklung in Asien. „Asien hat es geschafft, das Wachstum zu stützen, ohne die Saat für zukünftige finanzielle Risiken zu legen“, urteilt Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management.

Paolini rechnet mit einem Wachstum der asiatischen Volkswirtschaften von rund neun Prozent in diesem Jahr gegenüber knapp fünf Prozent in den Industrienationen. Dieser Wachstumsvorsprung sei umso bedeutsamer, als die Wirtschaftsleistung der Region schon im vergangenen Jahr nur um 0,2 Prozent zurückgegangen ist, gegenüber einem Einbruch von 5,2 Prozent in den Industrieländern. Asiens wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit beruhe auf einer Reihe von „bahnbrechenden Strukturreformen“. Dieser Prozess werde sich im kommenden Jahrzehnt sogar noch beschleunigen.

China bleibt dabei der Elefant im Raum, nicht nur aufgrund seiner wirtschaftlichen Größe, sondern im Aktienbereich auch aufgrund seiner sehr hohen Gewichtung im Vergleichsindex MSCI-Emerging-Markets. Dort kommen chinesische Aktien schon heute auf fast 40 Prozent Anteil, bei steigender Tendenz. Zuletzt war das für Anleger ein Segen. Die Wirtschaftsdynamik und die stolzen Kursgewinne der chinesischen Aktien waren im vergangenen Jahr die wichtigste Triebkraft für den SchwellenländerIndex. Wahrscheinlich dürfte sich daran wenig ändern. Auf dem letzten Parteitag hat Chinas Führung gerade wieder ihr Wachstumsziel von sechs Prozent in diesem Jahr bekräftigt. Viele Analysten erwarten eher mehr.

Der wichtigste Spieler.

Allerdings muss China ein Problem lösen, das sich viele andere Länder nur wünschen können: Wie lässt sich eine Wirtschaft im Zaum halten, die sich vielleicht zu gut erholt? In der Corona-Krise senkten Chinas Währungshüter die wichtigen Zinssätze. Jetzt drohen Bremsmanöver. Europäische Profianleger scheinen die Entwicklung relativ gelassen zu beobachten.

„Unser Research unterstreicht die positive Stimmung gegenüber chinesischen Aktien“, berichtet Tim Harvey, Chef der auf China und Rohstoffe spezialisierten Londoner Beratungsgesellschaft NTree International. NTree befragte 150 institutionelle Anleger und Vermögensverwalter. Drei Viertel gehen davon aus, dass in den nächsten Monaten noch mehr ausländisches Geld in chinesische Wertpapiere fließt. Behalten sie recht, dürften sich Investments in den Schwellenländern weiter lohnen.

Juli 2021, © ETF Magazin

Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin. Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.



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