Preisauftrieb nimmt zu - Wirtschaft schwach - Notenbanken gießen Benzin ins Feuer



16:16 04.08.21

Kolumne von Markus Blaschzok am 4. August 2021

Dass die FED auf ihrer Notenbanksitzung am Mittwoch keine Hinweise auf eine baldige Drosselung der Anleihenkäufe gab und diese stattdessen weit in die Zukunft verschob, überraschte die Märkte. Die Aussicht auf mehr Inflation ließ den Aktienmarkt sofort nach oben springen und auch der Goldpreis legte zeitweise 35 US-Dollar zu, wobei der USD-Index kurzzeitig abtauchte.

So seien nun erst “substanzielle Fortschritte am Arbeitsmarkt in Richtung Maximalbeschäftigung“ erforderlich, bevor man Anleihenkäufe drosseln werde, während steigende Konsumentenpreise kein Entscheidungskriterium mehr seien. Die EZB hatte bereits in der Vorwoche die Eckpfeiler der Geldpolitik neu definiert und damit eine mögliche Zinsanhebung zweieinhalb Jahre in die Zukunft verschoben.

Weitere Lockdowns könnten die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt wieder unter Druck bringen, worauf die FED die Märkte mit Liquidität fluten würde, auch dann wenn die Konsumentenpreise durch die Decke schießen sollten. Dem letzten naiven Investor, der bis dato noch das Märchen einer vorübergehend hohen Inflation glaubte, sollte spätestens jetzt aufwachen und erkennen, dass die hohe Inflation uns die nächsten Jahre begleiten und weiter ansteigen wird.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es im nächsten Jahr erste Zinsanhebungen geben sollte, so würden diese nur sehr gering ausfallen und eine Reaktion auf die hohe Inflation und den Zinsanhebungsdruck am Markt sein. Der US-Dollar könnte dann womöglich zu allen anderen Fiat-Währungen ansteigen, insbesondere zum Euro.

https://www.miningscout.de/wp-content/uploads/2021/08/2021.08.02-dashboard-1-1024x592.png

Der US-Dollar sackte ab und Gold stieg, nachdem die FED eine Verlängerung der Anleihenkäufe signalisierte

Preise explodieren – Wirtschaftswachstum enttäuscht

Die Preise in Deutschland stiegen im Juli um 3,8 Prozent und damit so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Die Bundesbank erwartet in diesem Jahr einen vorübergehenden Anstieg Richtung fünf Prozent.

Im Euroraum stiegen die Konsumentenpreise im Juli bisher mit einer Rate von 2,2 Prozent, was über dem Marktkonsens von 2 Prozent lag. Die Teuerung im Rest der EU wird in Bälde ebenso sprunghaft ansteigen, wie in den USA und Deutschland. Das offizielle Ziel der Europäischen Zentralbank ist eine am HVPI (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) gemessene Teuerung von durchschnittlich zwei Prozent im Jahr.

Da Preise in einem freien marktwirtschaftlichen Währungssystem durch das Produktivitätswachstum jährlich um ein bis zwei Prozent fallen würden, strebt die EZB mit ihrem Inflationsziel von durchschnittlich zwei Prozent eine Enteignung der Sparer um 4% pro Jahr an. Preisstabilität ist nicht der Normalzustand in der Marktwirtschaft, sondern Deflation aufgrund steigender Produktivität durch technologischen Fortschritt, was die kapitalistischen Phasen des 19. und 20. Jahrhunderts eindrucksvoll belegen. Preisstabilität in einem staatlichen Zwangsgeldsystem entspricht also bereits einer jährlichen Enteignung von zwei Prozent durch die Inflationssteuer.

Weiterhin weist der harmonisierte Verbraucherpreisindex die reale Teuerung chronisch zu niedrig aus, weshalb die realistischere Teuerung etwa vier Prozent über der offiziellen Teuerungsrate liegen dürfte.



Man muss sich immer vor Augen führen, dass Inflation kein natürliches Phänomen ist, sondern eine gezielte staatliche Politik zur Enteignung der Bevölkerung und somit eine versteckte Steuer darstellt. Diese Inflationssteuer trifft gerade Arbeitnehmer, sowie Rentner und Pensionäre am härtesten, da deren Löhne mittelfristig unelastisch sind und zugleich deren Ersparnisse für die Altersvorsorge an Kaufkraft verlieren, womit die Altersarmut für viele Menschen aufgrund dieser Politik vorprogrammiert ist. Selbst nach den offiziellen Statistiken stiegen die Löhne in der Bundesrepublik nur um 1,6%, womit die Teuerung aktuell mehr als doppelt so hoch ist. Jeder Arbeitnehmer hat nominal zwar mehr auf dem Konto, doch real ist die Kaufkraft seines Einkommens geschrumpft.

Altersarmut in Deutschland ist eine direkte Folge der sozialdemokratischen Politik der Bundesrepublik, die ein Anwachsen des Wohlstands durch ständige Enteignung der Ersparnisse verhindert. Die utopischen Versprechen des Wohlfahrtsstaates sind unrealisierbar und müssen über hohe direkte sowie indirekte Steuern, wie die Inflationssteuer, finanziert werden. All das führt letztlich zu niedrigerem Einkommen, wachsender Ungleichheit und steigender Armut. Die Bundesbürger haben zwar eines der höchsten Einkommen in der Welt, doch liegt das Median-Vermögen nur auf dem 29. Platz, knapp vor Portugal und Griechenland.

Wenn Staaten Schulden aufnehmen oder Zentralbanken Geld drucken, dann schaffen Sie kein Wirtschaftswachstum, sondern bremsen eine Wirtschaftserholung aus. Inflation bewirkt lediglich eine Umverteilung von Vermögen und erzeugt Fehlallokationen in der Wirtschaft, was Fortschritt und Wachstum ausbremst, sowie die Wirtschaft regelmäßig in Rezessionen stürzt. Jede Regierung, die jemals in der Menschheitsgeschichte die Druckerpresse nutzte, um sich reich zu drucken, hatte letztlich die Wirtschaft und den Wohlstand im eigenen Land zerstört. Eine Teuerung von fünf bis zehn Prozent pro Jahr wird die westlichen Volkswirtschaften zwar nicht zerstören, doch werden die negativen Auswirkungen, wie beispielsweise steigende Zinsen, die Wirtschaft in eine tiefe Rezession drücken, den Kapitalstock verringern und große Teile der Bevölkerung in die Armut zwingen.

Trotz dem vielen Geld, dass die EZB druckte, sodass sich deren Bilanz verdoppelte, sowie den kreditfinanzierten Ausgabenprogrammen der Regierungen zu Niedrigzinsen, wuchs die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um gerade einmal um 1,5%, was die ohnehin niedrigen Erwartungen der Analysten enttäuschte. Obwohl sich die Geldbasis also verdoppelte, liegt das BIP in Deutschland immer noch 3,4% unter dem Niveau von Ende 2019. Es handelt sich nach dem Einbruch der Wirtschaft durch die Lockdowns in 2020 lediglich um eine Aufholung an das Vorkrisenniveau, das bis heute nicht wieder erreicht wurde.

Berücksichtigt man, dass der BIP-Deflator ebenso wie der HVPI zu niedrig ausgewiesen wird, so wird deutlich, dass sich Deutschland und Europa weiterhin tief in der Rezession befinden, während die Zinsen historisch niedrig sind. Das reale Pro-Kopf-Einkommen sinkt langsam aber stetig. In einem freien Markt müssten die Zinsen für zehnjährige deutsche Anleihen bei der aktuellen Teuerung und der hohen Inflationserwartung bei mindestens 8 Prozent liegen und nicht bei surrealen, marktfernen und planwirtschaftlich festgelegten -0,46%. Die Zinsen werden in den nächsten Jahren steigen und mit den steigenden Zinsen wird die Rezession offen zutage treten in einem inflationären Gesamtumfeld, was als Stagflation bezeichnet wird.

https://www.miningscout.de/wp-content/uploads/2021/08/2021.08.02-dashboard-2-1024x596.png

Das Drucken von Geld führt zu steigenden Preisen, doch hält es die Zinsen vorerst noch auf historischen Tiefs

In den USA sehen wir ein ähnliches Bild, wobei die Wirtschaft sich dort aufgrund der freieren Märkte stärker erholen kann als in Europa. Dennoch wurde der Marktkonsens enttäuscht, da das US-BIP im 2. Quartal nur um 6,5 % angestiegen war, während 8,5% erwartet wurden. Hier lag der BIP-Deflator bei 6,4%, während das BIP nominal um 13% wuchs, was zeigt wie hoch die Inflation mittlerweile ist und wie stark Preise und BIP davon verzerrt werden. Auch hier gilt, dass die Regierungen ein vitales Interesse daran haben, die Inflation statistisch niedriger und gegensätzlich das Wirtschaftswachstum höher auszuweisen, um über eine Finanzielle Repression eine Entschuldung herbeizuführen.

Auch die US-Wirtschaft befindet sich weiterhin in der Rezession, die durch Inflation lediglich kaschiert wird, was auch der Anstieg des US-Handelsbilanzdefizits zeigt. Dieses stieg im Juni auf 91,2 Milliarden, während nur 88,7 Milliarden US-Dollar erwartet wurden. Noch stärker als in Deutschland war der US-Konsum für den starken Anstieg des BIPs verantwortlich, doch zeigt das gestiegene Handelsdefizit, dass all der Konsum nur auf Pump finanziert wurde durch das billige Geld der Notenbanken.

Der Staat will nur Ihr Bestes – Ihr Geld. Den Zugriff auf die Ersparnisse der Bürger versucht er über die Inflationssteuer zu erlangen. Man kann sich jedoch davor schützen, indem man in den inflationsgeschützten Hafen des Goldes flüchtet. Der Goldpreis stieg in den letzten beiden Dekaden jährlich um durchschnittlich 10% und wird angesichts der Geldflucht auch in den nächsten Jahren mindestens diese Rendite vorweisen können und somit Ersparnisse vor der Enteignung durch die Inflationssteuer schützen.

 

=> Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


Attachments:

Anhang

Anhang

Alternativ0, (text/plain)

Der Download und das Öffnen dieses/dieser Attachments erfolgt auf eigene Gefahr.
Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Miningscout.de Miningscout.de
Der Rohstoffinformationsdienst Miningscout hat sich auf die Berichterstattung über den Bergbausektor spezialisiert. Auf unserer Webseite werden Fachwissen sowie fundierte Informationen zu Bergbaukonzernen und Branchentrends bereitgestellt. Internationalen Minengesellschaften bietet Miningscout zudem eine professionelle Plattform, um sich deutschsprachigen Anlegern mit allen wichtigen Investitionsaspekten zu präsentieren.

Alle Artikel dieses Autors anzeigen

Kurssuche
Status: nicht eingeloggt

Registrieren | Passwort vergessen?
 
 
Im Bereich Experten:
Commerzbank: Kaufsignal bestätigt!
Experte: Stefan Hofmann, STOCK-WORLD
Kolumnen
Sixt - Die Aktie des ...
Achim Mautz, Obmann vom Börsenclub. (08:31)
Experte: Achim Mautz, Obmann vom Börsenclub ratgeberGELD
Tagesausblick für 21.09. ...
HypoVereinsbank onema., (08:19)
Experte: HypoVereinsbank onemarkets,
WTI: Bislang ein ...
Jürgen Sterzbach, boerse-daily.de (08:13)
Experte: Jürgen Sterzbach, boerse-daily.de
RXP/USD: Weitere ...
Manfred Ries, Stockstre., Stockstreet GmbH (07:46)
Experte: Manfred Ries, Stockstreet Gmb., Stockstreet GmbH
Silber - immer eine ...
Ingrid Heinritzi, (07:13)
Experte: Ingrid Heinritzi,
Vorsicht vor Verkaufspanik!
S. Feuerstein, Hebelzertifikate-Trader (07:12)
Experte: S. Feuerstein, Hebelzertifikate-Trader
Summa Silver erhält ...
Jörg Schulte, JS-Research (07:11)
Experte: Jörg Schulte, JS-Research
DOW DAX mit Punktlandung
Thomas Heydrich, Systemstradings.de (20.09.21)
Experte: Thomas Heydrich, Systemstradings.de
Ein tiefroter erster Tag für ...
CMC Markets, (20.09.21)
Experte: CMC Markets,
S&P 500 unter Druck
Christian Zoller, www.boerse-daily.de (20.09.21)
Experte: Christian Zoller, www.boerse-daily.de
Die meistgehandelten ...
Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD (20.09.21)
Experte: Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD
Bitcoin - Ziel 40.000?
Feingold-Research, (20.09.21)
Experte: Feingold-Research,
Niquet's World
Neues vom Portal
 
Beste Forex-Broker: 5 Top-Forex-Handelsplattformen
Letzte Börsen-Meldung
 
Letzte Börsen-Analyse
 
Top-Klicks News
 
Top-Klicks Analysen