Aufschwung in Gefahr



17:05 04.08.21

Das zweite Quartal 2021 erfreute die Analysten mit einer starken Gegenbewegung des Wirtschaftswachstums im Vergleich zum Minus-Quartal zu Beginn des Jahres. Das BIP-Wachstum von +1,5% in Deutschland wurde vom Euroraum-Wachstum i.H.v. +2,0% sogar noch übertroffen. Diese positive Entwicklung fand ihren Niederschlag in den Einkaufsmanagerindizes, die teilweise auf langjährigen Hochs notieren und den überaus stark ausgefallen Quartalsergebnissen der laufenden Berichtssaison. Die Hoffnung bestand darin, dass sich diese fulminante Entwicklung zumindest im dritten Quartal, eventuell bis zum Jahresende, fortsetzt. Diese Hoffnung dürfte in Teilen enttäuscht werden, da die Industrie nicht nur hierzulande mit massiven Lieferengpässen bei den immer wichtiger werdenden Speicherchips, Vorprodukten oder Rohstoffen leidet. Dies führt zu weiter steigenden Preisen, die nicht immer voll weiter gegeben werden können. Laut einer Ifo-Studie klagen derzeit zwei Drittel aller Unternehmen über Engpässe und Lieferschwierigkeiten Aufgrund der nach wie vor hohen Auftragsbestände schmerzt dies natürlich, denn dort wo noch Lagerbestände vorhanden sind, können diese Aufträge zwar kurzfristig noch abgearbeitet werden, in den meisten Fällen verschieben sich die Lieferzeitpunkte und Ertragschancen nach hinten. In den USA, einigen europäischen Ländern und Großbritannien ist bereits eine Wachstumsverlangsamung zu verzeichnen. Die Indikatoren befinden sich zum Glück auf hohem Niveau, was einen veritablen Puffer darstellt.

Für die Aktienmärkte bedeutet dies eine Fortführung der ausgeprägten Seitwärtstendenz. Durchwachsene Ausblicke von Unternehmensseite, die hervorragende Quartalsergebnisse flankieren, sorgen für teils kräftige Kurskorrekturen. Diese werden jedoch gerne von Investoren genutzt, die seit langem auf Einstiegschancen warten und gerne zu günstigeren Kursen einsteigen. Dies liegt nach wie vor daran, dass die Anleihenmärkte wenige Anlagealternativen bieten. Trotz der in den letzten Monaten aufgekommenen Inflationssorgen haben sich die Renditen wieder deutlich von ihren Zwischenhochs entfernt. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sank von -0,10% wieder auf -0,48%, in den USA war die Rückbildung noch ausgeprägter.

Dort sank die Rendite des 10-jährigen Treasury von 1,75% auf nur noch 1,17%. Da die Zentralbanken weiterhin übervorsichtig agieren, ist das Einschwenken in eine restriktivere Geldpolitik wohl erst Anfang 2022 zu erwarten. Vorausgesetzt, die Konjunktur setzt ihren Erholungspfad fort bzw. kann die Erholung sogar noch verstärken. Die Erwartung in diese Richtung könnte etwas enttäuscht werden. Während der Pandemiephase konnten viele Bürger hohe Beträge sparen. Die Hoffnung besteht darin, dass zumindest Teile dieser Spargelder in den Konsum fließen und die Auflösung des Konsumstaus zu einer weiteren Befeuerung der Konjunkturerholung beitragen kann. Dies ist durch die Öffnungen von Restaurants, Hotels und Kulturveranstaltungen zwar automatisch der Fall. Gemäß einer EZB-Studie liegt die Anschaffungsneigung von größere Gütern jedoch nur auf dem Vorkrisenstand Anfang 2020 und die Neigung, ein Automobil zu erwerben sogar noch niedriger als im Vergleich zu Anfang 2020. Die Aktienmärkte werden in den nächsten Wochen also weiterhin im Spannungsfeld von den Aufschwung bremsenden Faktoren und dem Anlagenotstand aufgrund fehlender Alternativen der Zinsseite stehen. Je nachdem, welche Kräfte jeweils stärker sind, steigen oder fallen die Kurse leicht. In der Summe dürfte jedoch die Seitwärtsbewegung der Märkte über den Sommer Bestand haben.



Download

Hinweise:

Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.

 

=> Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


Attachments:

Alternativ0, (text/plain)

Der Download und das Öffnen dieses/dieser Attachments erfolgt auf eigene Gefahr.
Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Michael Beck, Leiter Portfolio Management Michael Beck, Leiter Portfolio Management,
Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG

Michael Beck ist Leiter des Portfolio Managements bei ELLWANGER & GEIGER Privatbankiers. Das Stuttgarter Bankhaus ist spezialisiert auf die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden sowie auf Immobilien im privaten und gewerblichen Bereich. Als Kapitalmarkt-Experte schätzt Michael Beck in der wöchentlichen Marktmeinung aus Stuttgart aktuelle Entwicklung und Chancen an den Aktienmärkten ein.

Alle Artikel dieses Autors anzeigen

Kurssuche
Status: nicht eingeloggt

Registrieren | Passwort vergessen?
 
 
Im Bereich Experten:
Commerzbank: Kaufsignal bestätigt!
Experte: Stefan Hofmann, STOCK-WORLD
Kolumnen
Sixt - Die Aktie des ...
Achim Mautz, Obmann vom Börsenclub. (08:31)
Experte: Achim Mautz, Obmann vom Börsenclub ratgeberGELD
Tagesausblick für 21.09. ...
HypoVereinsbank onema., (08:19)
Experte: HypoVereinsbank onemarkets,
WTI: Bislang ein ...
Jürgen Sterzbach, boerse-daily.de (08:13)
Experte: Jürgen Sterzbach, boerse-daily.de
RXP/USD: Weitere ...
Manfred Ries, Stockstre., Stockstreet GmbH (07:46)
Experte: Manfred Ries, Stockstreet Gmb., Stockstreet GmbH
Silber - immer eine ...
Ingrid Heinritzi, (07:13)
Experte: Ingrid Heinritzi,
Vorsicht vor Verkaufspanik!
S. Feuerstein, Hebelzertifikate-Trader (07:12)
Experte: S. Feuerstein, Hebelzertifikate-Trader
Summa Silver erhält ...
Jörg Schulte, JS-Research (07:11)
Experte: Jörg Schulte, JS-Research
DOW DAX mit Punktlandung
Thomas Heydrich, Systemstradings.de (20.09.21)
Experte: Thomas Heydrich, Systemstradings.de
Ein tiefroter erster Tag für ...
CMC Markets, (20.09.21)
Experte: CMC Markets,
S&P 500 unter Druck
Christian Zoller, www.boerse-daily.de (20.09.21)
Experte: Christian Zoller, www.boerse-daily.de
Die meistgehandelten ...
Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD (20.09.21)
Experte: Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD
Bitcoin - Ziel 40.000?
Feingold-Research, (20.09.21)
Experte: Feingold-Research,
Niquet's World
Neues vom Portal
 
Beste Forex-Broker: 5 Top-Forex-Handelsplattformen
Letzte Börsen-Meldung
 
Letzte Börsen-Analyse
 
Top-Klicks News
 
Top-Klicks Analysen