Marktstimmung: "Dem Gegenwind getrotzt"



10:12 23.09.21

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Negative Nachrichten um den chinesischen Immobilienkonzern Evergrande scheinen heimische Investoren relativ kalt zu lassen. Stattdessen zeigte man sich überwiegend mutig.

Zusammenfassung

Schlechten Nachrichten zum Trotz haben sowohl private als auch institutionelle Investoren den deutlichen DAX-Rücksetzer seit vergangenem Mittwoch zu Käufen in die Schwäche genutzt. Hatte das Börsenbarometer nämlich seit vergangenem Freitag in der Spitze eine deutliche Abwärtsbewegung von zeitweise fast 5 Prozent produziert, trat – möglicherweise auch wegen dieser Käufe – mittlerweile eine deutliche Erholung ein. Im Wochenvergleich bleibt nur noch ein Verlust von knapp 2 Prozent übrig. Dennoch sieht Joachim Goldberg wegen der heutigen Stimmungserhebung Belastungen auf den DAX zukommen.

22. September 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nun ist sie also doch noch gekommen. Die Rede ist von einer veritablen Korrektur im Aktienmarkt, die sich viele Investoren möglicherweise sogar erhofft hatten – allerdings nicht unbedingt unter den Umständen, wie sie sich seit dem Ende vergangener Woche zugetragen haben. Denn dieser Wunsch vieler Akteure nach einem günstigen Einstieg in den Aktienmarkt wurde von den Nachrichten über den „wackelnden“ chinesischen Immobilienkonzern Evergrande überschattet. Deswegen dürfte sich für viele Börsianer, auch angesichts einer vergleichsweise großen Handelsbandbreite des DAX von knapp 5 Prozent seit unserer vergangenen Stimmungserhebung, eine Kaufabsicht nicht mehr richtig gut angefühlt haben.

Auch scheint es keineswegs verwunderlich, wenn sich die ursprüngliche Hoffnung auf einen fast schon sicher geglaubten Profit, wie er aus einem sogenannten günstigen Dip-Kauf beim DAX resultieren könnte, teilweise in Unsicherheit verwandelt haben sollte. Nicht zuletzt, weil heute Abend (MESZ) auch noch die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) enden wird. Eine Sitzung, bei der nicht nur über die Rückführung der Anleihekäufe (Tapering) diskutiert werden dürfte. Auch die aktualisierten Wachstums- und Inflationsprognosen sowie vor allem die neuesten Leitzinsvorhersagen der FOMC-Mitglieder (Dot-Plots) werden mit Spannung erwartet.



Attraktiv wahrgenommener Einstieg

Trotz all dieser Unwägbarkeiten hat sich die Stimmung der von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren keinesfalls verschlechtert. Im Gegenteil: Unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist mit 14 Punkten ein weiteres Mal gestiegen und liegt nun auf einem Stand von -2. Dabei speist sich der Zuwachs von 9 Prozentpunkten bei den Optimisten fast zu gleichen Teilen aus ehemaligen Bären und Akteuren, die sich zuletzt an die Seitenlinie zurückgezogen hatten. Offenbar war der DAX-Rücksetzer von zeitweise über 6 Prozent seit dem vergangenen Allzeithoch vom 13. August für einen Einstieg für manchen Investor attraktiv genug, um etwaige Unsicherheitsgefühle aus dem Weg zu räumen.

Aber auch die Privatanleger zeigen sich bei der heutigen Stimmungsumfrage von ihrer mutigen Seite. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels zieht sogar um 18 Punkte an und erreicht damit einen Stand von +16. Damit geben sich die Privatanleger per Saldo so optimistisch wie zuletzt am 17. März dieses Jahres. Die Gruppe der Optimisten, die mit einem Anteil von 49 Prozent aller Befragten den bislang höchsten Stand des Jahres erreicht hat, profitiert zu gleichen Teilen von Abgängen bei den Bären und den neutral eingestellten Anlegern.

Privatanleger genauso mutig

Damit hat sich der Abstand zwischen den beiden Panels gegenüber der Vorwoche vergrößert, so dass die Privatanleger ihren Optimismus-Vorsprung gegenüber den institutionellen Pendants sogar ausbauen konnten. Letztere zeigen sich absolut betrachtet immer noch leicht skeptisch, doch in der Sicht auf sechs Monate ergibt sich sogar ein leichter relativer Optimismus, der sich mit einem Wert von rund +11 auf dem höchsten Stand seit Anfang März befindet.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die DAX-Erholung vom Montagstief wahrscheinlich überwiegend Käufen heimischer Anleger verdankt – zum Erhebungszeitpunkt befindet sich das Börsenbarometer ziemlich genau in der Hälfte der seit vergangenem Mittwoch entstandenen Handelsbandbreite, so dass nur ein Wochenverlust von 1,9 Prozent übrig bleibt. Allerdings stellen die jüngsten Käufe – genauso wie diejenigen aus der Vorwoche auf höherem Niveau – eine gewisse Belastung für den DAX dar, da im Bereich 15.600/15.650 mit Gewinnmitnahmen und somit Angebotsdruck aus diesen Quellen zu rechnen ist. An der Unterseite dürfte indes weitere gute Nachfrage erst unterhalb der 15.000er Marke in Erscheinung treten.

22. September 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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