Wochenausblick: Gelassene Reaktion auf Wahl



12:08 27.09.21

Blick auf Handelssaal von oben

Am Tag eins nach der Wahl dürfte es an der Börse schnell zur Tagesordnung übergehen – "dramatische" Änderungen erwarten Analysten nicht.

27. September 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Wahlsieg der SPD bei der Bundestagswahl beunruhigt Anleger nicht – im Gegenteil. Wichtig dürfte den meisten sein, dass ein Bündnis von SPD, Grünen und Linken nun vom Tisch ist.

„Wir werten die derzeitigen Wahlprognosen als eine Absage an einen drastischen Politikwechsel“, erklärt Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege von Fidelity International. „Bei den wahrscheinlichen Koalitionen ‚Jamaika‘ oder ‚Ampel‘ werden sich aus Investorensicht die Rahmenbedingungen für die deutschen Unternehmen nicht dramatisch verändern“, ergänzt Fidelity-Fondsmanager Christian von Engelbrechten. Der DAX steht am Montagmorgen nach der Wahl bei 15.686 Punkten, am Freitagabend waren es 15.532 Punkte.

„Keine Regierungspartei mit systematisch besserem Aktienmarkteinfluss“

Eine Studie der DekaBank, für die Bundestagswahlen seit 1961 untersucht wurden, zeigt: Der Aktienmarkt neigt in den 100 Handelstagen vor der Wahl grundsätzlich zur Schwäche, in den 100 Tagen nach der Wahl stabilisieren sich die Kurse aber oder entwickeln sich positiv. „Besonders ausgeprägt war die positive Entwicklung in der Vergangenheit dann, wenn es zu einem Regierungswechsel kam“, stellen Joachim Schallmayer und Gunnar Meyke fest. Allerdings sei die Aussagekraft eingeschränkt, da dies bisher nur vier Mal vorkam.

„Nicht Wahlen, sondern globale Kapitalmarktbewegungen geben Takt vor“

Wichtig: Letztlich könne sich keine Regierungspartei rühmen, einen systematisch besseren Einfluss auf die Aktienmärkte auszuüben als die politischen Konkurrenten. „Es sind vor allem die globalen Kapitalmarktbewegungen, welche auch am heimischen Aktienmarkt den Takt vorgeben.“

Thema Evergrande bleibt virulent

Die Märkte dürften daher schnell zu den alten Themen zurückkehren: Notenbankpolitik und Sorgen um China. Laut Claudia Windt von der Helaba bleibt das Thema Evergrande virulent, auch wenn die Ängste vor einer chinesischen Immobilienkrise zuletzt etwas nachgelassen hätten. „Die Stützung des Konzerns durch die chinesische Politik ist keineswegs gesichert.“ Die Analystin geht aber davon aus, dass Peking angesichts der zuletzt schwächelnden chinesischen Industrie eine schwere wirtschaftliche Belastungsprobe scheuen wird.

„Mit Tapering arrangiert“



Auch die Reduktion der Anleihenkäufe (Tapering) durch die Notenbanken hat an Schrecken verloren. „Die Finanzmärkte haben sich bereits mit Tapering arrangiert“, meint Robert Halver von der Baader Bank. „Grundsätzlich begrüßen Finanzakteure einen transparenten und strukturierten Tapering-Zeitplan, der sie sprichwörtlich an die Hand nimmt und ihnen klare Anhaltspunkte für eine moderate Liquiditätsdrosselung gibt.“ Mit Blick auf Konjunkturnormalisierung, Delta-Variante und chinesische Blasen-Probleme werde es die Fed ohnehin nicht eilig haben und voraussichtlich noch bis Mitte 2022 Anleihen aufkaufen. „Von einem Liquiditätsentzug ist keine Rede.“

Robert Havler

Halver

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Donnerstag, 30. September

14.00 Uhr. Deutschland: Verbraucherpreise September. Die Commerzbank rechnet mit einem Preisanstieg von 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat und 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Freitag, 1. Oktober

11.00 Uhr. Eurozone: Verbraucherpreise September. Der September dürfte einen erneuten Anstieg der Inflationsraten im Euroraum gebracht haben, meint die DekaBank und prognostiziert 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat und 3,4 Prozent zum Vorjahr. Der Anstieg habe aber weiterhin hauptsächlich temporäre Ursachen wie Basiseffekte oder Lieferengpässe.

16.00 Uhr. USA: ISM-Index September. Laut Commerzbank leidet die US-Industrie zwar weiter unter Engpässen bei Zwischenprodukten und muss mit hohen Preisanstiegen zurechtkommen. Dennoch habe sich die Geschäftsstimmung aufgrund der nach wie vor robusten Nachfrage wohl kaum verschlechtert. Die Bank erwartet, dass der landesweite ISM-Index praktisch unverändert bei 60 Punkten bleibt, ein im historischen Vergleich recht hoher Wert.

von: Anna-Maria Borse

27. September 2021, © Deutsche Börse AG

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