GOLD – DER ALTBEWÄHRTE ULTIMATIVE INFLATIONSSCHUTZ



09:23 22.01.22

Mittlerweile glauben selbst die Verantwortlichen bei der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht an ein baldiges Verflüchtigen des Inflationsgespensts. Anleger sollten dies als Alarmzeichen interpretieren und entsprechend handeln.

Massive Kaufkraftverluste drohen

Im Dezember kletterte die US-Inflationsrate von 6,8 auf 7,0 Prozent p.a. und damit auf den höchsten Wert seit Juni 1982. Für Konsumenten und Anleger stellt dies ein großes Problem dar. Zum einen, weil die Lebenshaltungskosten steigen und es dadurch immer schwieriger wird, sich durch Rücklagen für schlechte Zeiten zu wappnen. Und zum anderen, weil Ersparnisse aufgrund fehlender Zinserträge erhebliche Kaufkraftverluste erleiden. Um sich der Tragweite dieses Risikos bewusst zu sein, sollte sich jeder Anleger darüber im Klaren sein, dass jeder Dollar bei einer unveränderten Geldentwertung in Höhe von sieben Prozent p.a. innerhalb von vier Jahren ein Viertel und innerhalb von zehn Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft verloren hat. Bei höheren (niedrigeren) Inflationsraten fallen die Verluste entsprechend stärker (geringer) aus. Auf Basis der aktuellen Inflation in Deutschland (Dezember: 5,3 Prozent) würde man innerhalb von sechs Jahren ungefähr 25 Prozent und nach 13 Jahren rund 50 Prozent weniger für den Euro erhalten.

Obwohl einige Analysten großer Investmentbanken in den USA für das Jahr 2022 insgesamt vier Zinsschritte nach oben erwarten, sollte jedem klar sein, dass positive Realzinsen – also um die Inflation bereinigte Renditen – allenfalls bei einem deutlichen Rückgang der Teuerungsraten möglich wären, da selbst ein Staat wie die USA nach der jüngsten Explosion der Schuldenberge Finanzierungskosten um sieben Prozent wohl kaum dauerhaft bewältigen könnte.

Wichtige Ursachen der Inflation

Die sich beschleunigende Geldentwertung hat mehrere Gründe. Während sich in den vergangenen Jahrzehnten meist steigende Energiepreise als alleiniger Inflationstreiber erwiesen haben, stellt sich die aktuelle Lage an der Preisfront erheblich prekärer dar. So verteuerten sich zum Beispiel im Dezember die US-Energiepreise um 29,3 Prozent p.a. (Benzin sogar um 49,6 Prozent p.a.). Überdurchschnittlich stark ging es aber auch mit den Preisen für Neufahrzeuge (+11,8 Prozent p.a.) bzw. Gebrauchtwagen (+37,3 Prozent p.a.) nach oben. Daneben sind hohe Konsumentenpreise zum großen Teil aber auch auf die pandemiebedingt gestiegenen Transportkosten zurückzuführen. Wichtige Häfen wurden aufgrund von Corona-Ausbrüchen geschlossen, LKW-Fahrer mussten in Quarantäne und verursachten dadurch Lieferengpässe, was seit dem Ausbruch von Corona zu erhöhten Frachtkosten geführt hat. Einen guten Eindruck über die Größenordnung dieser Preissteigerungen liefert zum Beispiel der Baltic-Dry-Index, der als anerkannter Preisindikator für das globale Verschiffen von Hauptfrachtgütern auf Standardrouten gilt. Dieser hat sich nämlich von 400 Punkte im Februar 2020 auf 5.500 Punkte im Oktober 2021 vervielfacht, um sich Anfang 2022 oberhalb von 1.700 Zählern wieder einzupendeln.

Das Problem hoher Konsumentenpreise wird zudem durch die besonders deutlich gestiegenen Erzeugerpreise verstärkt. In den USA haben sich diese seit Dezember 2019 von 1,3 Prozent auf aktuell 9,7 Prozent p.a. beschleunigt, während bei den Konsumentenpreisen im selben Zeitraum ein nicht ganz so heftiger Anstieg von 2,3 auf 7,0 Prozent p.a. registriert worden war. Lange Rede, kurzer Sinn: In vielen Ländern ist das Preisgefüge angesichts der weiterhin schwelenden Corona-Krise regelrecht aus den Fugen geraten. Wer über keine nennenswerten Ersparnisse verfügt, ist gezwungen „seinen Gürtel enger zu schnallen“. Für mehr oder weniger vermögende Bundesbürger führt die erhöhte Inflation auf der einen Seite zu steigenden Lebenshaltungskosten und auf der anderen wird das Vermögensmanagement immer schwieriger, schließlich verliert Geldvermögen sehr stark an Kaufkraft.

Robert Hartmann erwartet für 2022 eine Inflation von über vier Prozent

Nach Ansicht von Robert Hartmann, dem Mitgründer von pro aurum, wird bei der aktuellen Diskussion um die Inflation, folgendes häufig völlig außer Acht gelassen. Er sagt: „Für mich liegt die eigentliche Ursache für den Inflationsschub des vergangenen Jahres in der massiven Geldmengenausweitung der Zentralbanken sowie deren Nullzinspolitik. Corona war lediglich der Auslöser, der die Inflation in die Realwirtschaft gebracht und dort für enorme Preissteigerungen gesorgt hat.“ Seiner Ansicht nach stellte sich lediglich die Frage, wann die Inflation anspringen und was am Ende der Auslöser sein wird, schließlich habe sich das Inflationspotenzial seit über zehn Jahren aufgebaut.



Hartmann ist zudem der Meinung, dass Anleger die Beschwichtigungen wichtiger Notenbanken mit großer Vorsicht genießen sollten. Er meint: „Generell glaube ich nicht an einen starken Rückgang der Inflation und gehe deshalb davon aus, dass die Inflationsrate im Dezember 2022 bei 4,1 Prozent p.a. liegen wird. Meiner Meinung nach werden heuer die stark gestiegenen Erzeugerpreise an die Endverbraucher weitergegeben.“ Im Falle merklich ansteigender Inflationserwartungen, werden Konsumenten ihr auf Konten gehortetes Geld ausgeben. Kommt es darüber hinaus zu hohen Tarifabschlüssen, so besteht zudem die Gefahr einer inflationstreibenden Lohn/Preis-Spirale.

Gold – der altbewährte ultimative Inflationsschutz

Der Edelmetallexperte weist zudem darauf hin, dass insbesondere die EZB ihre geldpolitische Munition bereits in den vergangenen Jahren verschossen habe. Er sagt: „Aufgrund der ausgeuferten Staatsverschuldung praktisch aller EU-Mitgliedsstaaten wird es nicht möglich sein, die Zinsen substanziell zu erhöhen. Der Realzins – also der Zins abzüglich der Inflationsrate – wird daher noch lange negativ bleiben.“ Und negative Realzinsen seien – seiner Meinung nach – für das mittel- bis langfristige Überleben der Schuldner von entscheidender Bedeutung. Vereinfacht ausgedrückt kann man behaupten: Die Schulden von heute werden mit dem schlechten Geld (geringere Kaufkraft) von morgen zurückbezahlt. Dies sei in der Geschichte der Menschheit schon immer so gewesen. Hartmann zieht folgendes Fazit und sagt: „Die Rechnung bezahlen müssen Sparer und Menschen, die ohnehin über wenig Mittel verfügen. Sie treffen die hohen Inflationsraten und die damit verbundenen Preissteigerungen am härtesten.“ Für ihn ist deshalb klar, dass die Notenbanken mit ihren Beschwichtigungen lediglich Zeit gewinnen möchten. Je länger nichts bei den Zinsen passiert, umso besser für die Schuldner.

Geldwerte in Sachwerte tauschen

Ungedeckte Währungen wie der Euro sind der Inflation derzeit schutzlos ausgeliefert, weil weder Tagesgeld noch Termingeld oder Euro-Anleihen Zinsen bieten, welche die aktuellen Teuerungsraten übertreffen. Unter den wichtigsten Notenbanken zeigt die EZB derzeit keine sonderlich großen Ambitionen, der ausufernden Inflation Herr zu werden. Immer mehr Banken reichen außerdem den EZB-Einlagenzins in Höhe von 0,5 Prozent p.a. an ihre Kunden weiter und zwingen dadurch Anleger in andere Anlageklassen.

Mit Blick auf die drei Funktionen von Geld kann man dem Euro zwar attestieren, dass er sich als Recheneinheit und Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen eignet, um den langfristigen Werterhalt ist es aber – nicht erst nach dem jüngsten Inflationsschub – nicht sonderlich gut bestellt. Beim Vergleich des Euros mit Gold, sticht unter anderem die geringe Historie der Gemeinschaftswährung ins Auge. Das Sparen von Geld stellt aufgrund der Kombination von niedrigen Zinsen und hoher Inflation bereits seit Jahren keine sonderlich sinnvolle Strategie dar.

Entgehen kann man dieser vorprogrammierten Geldentwertung nur, wenn man Euros in andere Anlageklassen investiert. Dadurch tauscht man allerdings das bei Geld existierende Inflationsrisiko in ein Preisrisiko, das in Abhängigkeit vom jeweiligen Investment unterschiedlich hoch ausfallen kann. Dabei sollte stets das Ziel verfolgt werden, durch Kurszuwächse und/oder Dividenden- bzw. Mieteinnahmen zumindest die Inflation zu übertreffen. Natürlich trifft es zu, dass sich Gold im alltäglichen Wirtschaftsleben aus Praktikabilitätsgründen weder zum Tausch von Waren oder Dienstleistungen noch als Recheneinheit besonders gut eignet. Als Mittel zum Werterhalt leistet es aber seit über tausend Jahren ausgesprochen wertvolle Dienste.

Und eines sollten Anleger bei der strategischen Vermögensplanung niemals vergessen: Gold in Form von Barren und Münzen hat bislang jeden Krieg und jede Währungsreform ohne Totalverlust überstanden.

SERSOLL
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Über den Autor
 
Autor: Benjamin Summa Benjamin Summa,
pro aurum

Benjamin Summa ist seit dem 1. Juli 2011 Unternehmenssprecher beim Münchner Edelmetallhandelshaus pro aurum. In dieser Position berichtet er direkt an die Geschäftsführer Robert Hartmann und Mirko Schmidt. Benjamin Summa verantwortet die interne und externe Kommunikation. Zuvor war er Wirtschafts-Redakteur beim Axel Springer Finanzen Verlag.

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