Trübe Konsumlaune machte den Bullen einen Strich durch die Rechnung



09:31 30.06.22

Nach den vorgestrigen Kursverlusten präsentierten sich die Aktienmärkte auch gestern wieder schwach. Als Ursache dafür kann man relativ klar die sich immer stärker eintrübende Stimmung der Konsumenten ausmachen. Nach der Uni Michigan hat vorgestern auch das Institut Conference Board ein erneut sinkendes Verbrauchervertrauen gemeldet.

Conference Board: Verbrauchervertrauen auf 17-Monats-Tief

Der „Conference Board Consumer Confidence Index“ erreichte im Juni wegen der hohen Inflation ein so niedriges Niveau wie seit Februar 2021 nicht mehr. Das Barometer fiel auf 98,7 Punkte, von revidiert 103,2 im Mai. Zudem trübte es sich stärker ein als erwartet. Experten hatten nur mit einem Rückgang auf 100,4 Zähler gerechnet.

Conference Board - Verbrauchervertrauen

Dabei bewerteten die Verbraucher die aktuelle Lage etwas skeptischer und die Aussichten deutlich pessimistischer als zuletzt. Angesichts der starken Preissteigerungen machen sie sich verstärkt Sorgen um ihre Kaufkraft. Und so befindet sich der Erwartungsindex mit aktuell nur noch 66,4 Punkten (Mai: 73,7) auf dem niedrigsten Stand seit März 2013 (63,7). Ein Wert unterhalb von 80 Punkten deutet laut dem Conference Board auf ein schwächeres Wachstum in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 sowie auf ein wachsendes Rezessionsrisiko bis zum Jahresende hin.

Notenbanken in der Zwickmühle

Am Aktienmarkt hat man dadurch wieder mit dem Problem zu kämpfen, dass sich die Notenbanken weiterhin in einer Zwickmühle befinden. „Bekämpfen sie die hohe Inflation nicht, kann ein Konsumeinbruch zu einer Rezession führen. Nehmen sie den Kampf gegen die Inflation durch stark steigende Zinsen auf, bremst dies Investitionen, was womöglich ebenfalls in einer Rezession endet.“ So ist es bereits in der Börse-Intern-Ausgabe vom 14. Juni zu lesen. Und ich hatte schon darauf hingewiesen, dass sich die Notenbanken selbst in dieses Dilemma hineinmanövriert haben – durch ein viel zu langes Festhalten an der extrem expansiven Geldpolitik.

Besteht noch die Möglichkeit einer Trendwende?

Jedenfalls ist der DAX gestern unter das Ausbruchsniveau vom Freitag vergangener Woche zurückgefallen (siehe rote Ellipse im folgenden Chart). Und damit ist die kurzfristige Trendwende hinfällig sowie die Chance auf eine stärkere Kurserholung vertan.



DAX - Target-Trend-Analyse

Es besteht allerdings noch die Möglichkeit, dass sich das Trendabschlussmuster, welches sich vom 22. bis 24. Juni in einem sehr kurzfristigen Zeitraum ausgebildet hatte, auch noch auf einer höheren Zeitebene entwickelt (siehe folgender Chart).

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Zumal die US-Indizes noch nicht unter ihre Ausbruchsniveaus zurückgefallen sind, wie der folgende Chart des Dow Jones stellvertretend zeigt.

Dow Jones - kurzfristige Chartanalyse

Und sollten Dow Jones und Co. bald wieder zulegen und auf neue Hochs in der aktuellen Ausbruchsbewegung steigen, dürfte dies den DAX mit nach oben ziehen.

Fazit

Die sich immer stärker eintrübende Konsumlaune der Verbraucher hat den Bullen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich wiederhole daher meine Aussage von vor einer Woche: „Die Kurserholung […] scheint bereits beendet oder hat zumindest einen Rückschlag erlitten.“ Aber noch haben die Bullen Chancen. Ein schnelles Comeback könnte doch noch zu einer stärkeren Kurserholung führen. Allerdings halte ich nach meinen Schnäppchenkäufen erst einmal die Füße still, bis sich die Märkte klar für eine Richtung entschieden haben.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)


Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Sven Weisenhaus Sven Weisenhaus,
Stockstreet GmbH

Sven Weisenhaus ist Trader und Börsenanalyst. Seine Erfahrungen und Analysen zu den Themen Geldanlage, Börse und Finanzen veröffentlicht er als Redakteur in verschiedenen Publikationen. Er schrieb z.B. über mehrere Jahre einen auf die Elliott-Wellen-Theorie spezialisierten Börsendienst. Seit 2012 veröffentlicht er als Chefanalyst und inzwischen Geschäftsführer einen renommierten Börsennewsletter.

Seit einigen Jahren gehört er zum Team von Stockstreet.de und schreibt dort unter anderem die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der unter anderem den DAX nach der Target-Trend-Methode analysiert. Sven Weisenhaus hat auch die Redaktion des bekannten Newsletters "Börse-Intern" übernommen.

Für mehr Information: https://www.stockstreet.de/

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