Schwache Konjunkturdaten: Das Ende des Aufschwungs?



12:38 26.08.11

Euwax bonds

Turbulenzen in den USA und der Eurozone erreichen deutsche Wirtschaft

Noch am Montag bekräftigte die deutsche Bundesbank, dass sie an ihrer Wachstumsprognose für Deutschland festhält. Ein Wachstum von satten drei Prozent hält auch Bundesfinanzminister für 2011 für durchaus realistisch. Hinzu kommt, dass die Steuereinnahmen unerwartet hoch ausfallen, wodurch die Neuverschuldung auf gerade einmal 1,5 Prozent (gemessen am BIP) reduziert werden sollte. Bis 2015, so hofft Schäuble, könne die deutsche Gesamtverschuldung sogar auf etwas mehr als 70 Prozent reduziert werden (derzeit gut 83 Prozent).

So weit, so gut! Die Freude über die Ergebnisse der Bundesbank und des Finanzministeriums währte nur kurz. Genauer gesagt nur bis die Zahlen des jüngsten ZEW-Index bekannt wurden, der auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2008 zurückfiel. Das Konjunkturbarometer des Europäischen Zentrums für Wirtschaftsforschung fiel somit das sechste Mal in Folge. In der Begründung des ZEW wird der erneute Einbruch mit der Angst vor einer globalen Rezession, bzw. einer sich stark abkühlenden Weltkonjunktur begründet. Enttäuschende Zahlen von Seiten der europäischen „Konjunkturlokomotive“ Deutschland, würde die miese Stimmung nur katalysieren. Der deutsche Außenhandelsverband (BGA) warnt eindrücklich vor den Gefahren einer durchaus möglichen Rezession. Selbst eine weltweite Depression sei nicht mehr völlig ausgeschlossen, so der BGA. Wie passt der ZEW-Index nun mit der Einschätzung der Bundesbank zusammen? Das ZEW befragt vornehmlich Finanzexperten nach ihrer Einschätzung zur wirtschaftlichen Gesamt-Situation in Deutschland, wodurch die Subjektivität bei besonders nervösen Märkten etwas leiden kann, wie Konjunkturexperten der Commerzbank gegenüber der Süddeutschen Zeitung bemerkten. Für deutlich aussagekräftiger halten viele Volkswirte Umfragen bei Unternehmen so zum Beispiel den ifo-Geschäftsklimaindex des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung. Dieser wurde dann am Mittwoch veröffentlicht und lag mit 108,7 Zählern ebenfalls deutlicher als erwartet unter den Prognosen von Analysten (111,00 Zähler). Auch dieser fiel somit zum zweiten Mal in Folge.

Doch auch hier hilft ein Blick auf die nüchternen Zahlen. Deutschland war in den vergangenen zwei Jahren der Staat, der ungewöhnlich stark aus der Wirtschaftskrise hervorgegangen ist. Für 2010 erzielte Deutschland ein Wachstum von 3,7 Prozent und auch für das laufende Jahr liegen die Prognosen – wie bereits erwähnt – im Bereich von 3 Prozent. In den Jahren von 2001 bis 2008 erzielte Deutschland ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von nicht einmal 1 Prozent! Auch der ifo-Index liegt unverändert deutlich über seinem 15-Jahresschnitt. Es ist in dieser Phase sicherlich hilfreich die Warnzeichen zu beachten. Realistisch betrachtet scheinen jedoch die Befürchtungen hinsichtlich einer Rezession im Augenblick zumindest übertrieben.

Auf politischer Ebene sorgte in dieser Woche Bundespräsident Wulff für Aufmerksamkeit, der in ungewöhnlich scharfen Worten das Vorgehen der Bundesregierung, sowie der europapolitischen Akteure kritisierte. Am Rande einer Konferenz von Wirtschaftsnobelpreisträgern in Lindau tadelte das deutsche Staatsoberhaupt den erneuten Kauf von Staatsanleihen durch die EZB: „Dies kann auf Dauer nicht gut gehen und kann allenfalls übergangsweise toleriert werden. auch die Währungshüter müssen schnell zu den vereinbarten Grundsätzen zurückkehren.“ Im Klartext: Das Vorgehen der europäischen Notenbank ist rechtlich nicht legitimiert und de facto ein Verstoß gegen geltende EU-Verträge. Nachdem die EZB in den vergangenen Tagen erneut Staatsanleihen in Höhe von kolportierten 14 Milliarden Euro am Sekundärmarkt kaufte, führen die Frankfurter Notenbanker mittlerweile Staatsanleihen in Höhe von gut 110 Milliarden Euro in ihren Büchern. Auf diese Weise, so Wulff weiter, würden grundlegende Prinzipien der Marktwirtschaft untergraben, wobei die nationalen Entscheidungsträger dem tatenlos gegenüberstünden, „Risiko und Haftung gehen Hand in Hand“.



Nach den Höchstständen der vergangenen Woche gab der Bund-Future diesmal etwas nach, wenngleich die Verluste überaus moderat ausfielen. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen bewegt sich auf unverändert tiefem Niveau im Bereich von 2,2 Prozent.


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