Schuldenkrise verschärft sich: Italien muss Rekordrenditen bieten



11:50 11.11.11




Euwax bonds

Nach der Verabschiedung des Stabilitätsgesetzes, das allen Anforderungen der Eurozone gerecht wird, werde ich zurücktreten.“ Es scheint als würde Silvio Berlusconi nun doch einen Schlussstrich unter seine dreieinhalb Jahre währende, vierte Amtszeit ziehen – zumindest wenn man seinen Worten im italienischen Fernsehen glauben schenken darf. Worauf die Finanzmärkte bereits seit Tagen spekulierten, könnte somit in den kommenden Tagen zur Gewissheit werden. Doch die ganz große Euphorie bleibt vorerst aus.

Über 50 Vertrauensabstimmungen im italienischen Parlament hat Silvio Berlusconi mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Immer wieder konnte der „Cavaliere“ – oftmals in letzter Sekunde – seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Doch jetzt könnte der Verlust der Regierungsmehrheit tatsächlich den letzten Akt in der Ära des Me-dienmoguls eingeläutet haben. An den Finanzmärkten wurde die Nachricht vom anstehenden Rücktritt mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Einerseits machte sich eine gewisse Hoffnung breit, dass mit dem Rückzug Berlusconis ein Neuanfang stattfinden könnte. Viele trauten dem Skandal umwobenen Italiener längst nicht mehr zu die bestehenden Probleme in seinem Land lösen zu können. Andererseits ist einmal mehr die Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft der drittgrößten Volkswirtschaft Europas gewachsen. Wer folgt auf Berlusconi – und wann? Wer hat die Kraft und vor allem die (politische) Macht die notwendigen wirtschaftlichen Reformen in Italien umzusetzen? Fakt ist, ein Rücktritt Berlusconis würde vorerst nichts an den bestehenden makroökonomischen Herausforderungen mit welchen sich Italien im Augenblick konfrontiert sieht, ändern. Wer auch immer Italien künftig regieren wird, er sieht sich angesichts einer Staatsverschuldung von über 120 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt, sowie stetig steigender Refinanzierungskosten auf dem Finanz-markt mit einer Herkulesaufgabe konfrontiert.

Wie bedrohlich die Lage in Italien wirklich ist, sollte sich im weiteren Verlauf der Wo-che zeigen: Die Renditen für 10-jährige italienische Staatsanleihen schossen zwi-schenzeitlich auf über sieben Prozent nach oben! Wir erinnern uns: Auf diesem Rendi-te-Niveau schlüpften Irland und Portugal unter den Rettungsschirm. Die Spreads be-ziehungsweise der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen liegt mitt-lerweile bei über fünf Prozent. Laut Experten wird eine mittelfristige Finanzierung auf diesem Rendite-Level für Italien zur Unmöglichkeit. Das Londoner Clearinghaus LCH verschärfte die Lage für Italien zusätzlich indem sie die zu hinterlegenden Sicherheiten für italienische Bonds erhöhten. Einmal mehr sind zudem zahlreiche europäische Banken Schuldner des italienischen Staates, was die Krise zusätzlich verschärft. Viele Finanzinstitute versuchen im Augenblick noch ihre italienischen Papiere zu veräußern, was einen gewissen katalytischen Effekt auf dem Rentenmarkt hervorruft. Allerdings wird es zudem kaum möglich sein, alle Papiere am Markt unterzubringen, weshalb die Nervosität bei vielen Finanzinstituten in den vergangenen Tagen noch einmal gestiegen ist. Eine Pleite Italiens, so die große Angst, wäre weder für Europa noch für die Finanz-institute dies und jenseits des Atlantiks zu verkraften…

Deutschland wiederum profitiert auf dem Rentenmarkt wie kaum ein anderes Land von den Krisen in der Europeripherie. Viele Investoren sind im Augenblick nicht allzu renditehungrig wie es scheint: In der abgelaufenen Woche konnte Deutschland ein 6-Monatspapier zu gerade einmal 0,08 (!) Prozent Rendite platzieren. Noch im September konnte der deutsche Staat eine 10-jährige Anleihe zu lediglich 1,8 Prozent aufstocken. Selbst für kürzlich neu emittierte 10-jährige EFSF-Anleihen – für die unter ande-rem auch Deutschland bürgt – mussten gut 1,8 Prozent mehr Rendite geboten werden als bei vergleichbaren Bundesanleihen. Zudem konnte Deutschland in der abgelaufenen Woche auf bei Wirtschaftsdaten punkten. Sowohl die Handels-, als auch Leistungsbilanz lag im September deutlich über den Erwartungen von Analysten.

Geprägt durch die anhaltenden Turbulenzen in Italien und Griechenland erreichte der Bund-Future zur Wochenmitte ein neues Allzeithoch, scheiterte jedoch noch knapp an der 140,00 Punkte-Marke. Dennoch scheint sich das Anleihenbarometer auf anhaltend hohem Niveau stabilisieren zu können.






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