Schuldenkrise weitet sich aus: Frankreich und Österreich im Fokus



15:04 18.11.11

Euwax bonds

Die Lage an Europas Rentenmärkten wird immer prekärer. Nicht nur, dass mit Spa-nien und Italien zwei alte Bekannte Rekordrenditen bieten müssen, um ihre Papiere platzieren zu können. Mittlerweile scheint die Krise endgültig auch Kerneuropa zu erfassen, wo mit Frankreich, Österreich und den Niederlanden gleich drei Staaten mit bester Bonität unter Druck gerieten.

„Es scheint als ob die letzten Dämme brechen“, wurde am Dienstag ein Rentenhändler von Reuters zitiert. Während die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen zwischenzeitlich auf bis zu 1,7 Prozent fiel, stieg die Rendite des französischen Pendants auf 3,6 Prozent, das österreichische auf 3,7 und belgische Schuldverschreibungen gar auf 4,9 Prozent. Spanische Anleihen rentierten erstmals seit Monaten wieder über der sechs Prozent Marke. Das Fatale: Es gab eigentlich keinen konkreten Auslöser für die Hysterie, die sich am Rentenmarkt breit machte. Im Gegenteil, eigentlich war die Hoffnung zum Wochenauftakt noch groß, dass mit den Machtwechseln in Italien und Griechenland etwas Entspannung in der Schuldenkrise einkehren könnte. Doch angesichts der Ereignisse von Dienstag sind die Sorgen vor einer Implosion der Eurozone akut wie selten zuvor.

Vor diesem Hintergrund fordern Politiker wie Barack Obama und Wladimir Putin oder auch der Ökonom Paul Krugman die Europäische Zentralbank zur massiven Intervention auf den Anleihenmärkten auf. Der Wirtschaftnobelpreisträger sieht die EZB in der Pflicht und fordert ein analoges Vorgehen zur Fed. Die EZB, so Krugman gegenüber dem „Handelsblatt“, müsse in der jetzigen Situation so viele italienische Staatsanlei-hen kaufen „wie eben nötig“. Es müsse ein eindeutiges Zeichen gesetzt werden und die EZB „muss die Märkte davon überzeugen, dass sie deren Angriffe auf jeden Fall stand-halten wird“. Laut Holger Schmieding müsste man gar nicht so weit gehen. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, vertritt gegenüber Boerse.ARD.de die Ansicht, dass bereits die schlichte Ankündigung der EZB im Notfall einzugreifen, ausreichen könnte die Märkte zu beruhigen. Einmal mehr verweigert sich insbesondere der deutsche Bundesbankchef Weidmann derartigen Lösungsansätzen: „Die Vereinnahmung der Geldpolitik für finanzpolitische Zwecke muss zum Ende kommen“, so Weidmann zum Auftakt der Euro Finance Week am Montag. Eingriffe der Notenbank zur Staatsfinanzierung seien de jure nicht durch EU-Beschlüsse gedeckt. Zudem würde auf diesem Wege eine Krisenlösung nur verschleppt. Unter Ökonomen besonders umstritten ist – unter Verweis auf die USA und die Fed-Programme zur „Quantitativen Lockerung“ – die Wirksamkeit solcher Maßnahmen. Hätte „Quantitative Easing I“ funktioniert, wäre kein „Quantitative Easing II“ notwendig gewesen. Hätte das zweite Programm funktioniert, hätten wir nicht die Diskussionen um ein drittes Programm, so der Tenor der Kritiker.

Deutschland hingegen bleibt in Europa (vorerst) die „Insel der Glückseligen“. Während sich der deutsche Staat unverändert billig wie selten zuvor auf dem Rentenmarkt refi-nanzieren kann, stimmen darüber hinaus die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wie das Statistische Bundesamt in dieser Woche mitteilte, ist die deutsche Wirtschaft im abgelaufenen Quartal weiter gewachsen. Die rund 41,2 Millionen Erwerbstätigen erwirtschafteten ein Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Zwar fällt das Wachstum schwächer aus als zu Beginn des Jahres (als noch ein Plus von 1,3 Prozent generiert werden konnte). Von einer Rezession ist Deutschland jedoch noch sehr weit entfernt.

Trotz der positiven Rahmendaten, ist die Stimmung bei deutschen Finanzexperten unverändert getrübt: Der Index des Europäischen Zentrums für Wirtschaftsforschung (ZEW) ist erneut um 6,9 Punkte auf minus 55,2 Zähler zurückgefallen. Analysten hatten im Vorfeld mit einem moderaten Rückgang auf „nur“ minus 52,5 Zähler gerechnet. Vor allem die anhaltende Schuldenproblematik in Europa und den USA, sowie Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der Weltkonjunktur drücken auf die Stimmung.




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