Nicht nur Kaffee und Schokolade, auch Gold kann man fair kaufen



10:01 16.10.18

Gold ist diskret. Man sieht ihm nicht an, wo es herkommt oder wie viele hunderte Jahre seine Förderung schon zurückliegt. Ob es erst gestern der Erde abgerungen wurde oder in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach umgeschmolzen und umgeprägt wurde, ist hochreinem Gold nicht mehr anzusehen.

Wenn das Gold als Konzentrat oder als sogenannter Doré-Barren aus den Minen in die Schmelzen kommt, enthält es noch mindestens fünf Prozent Verunreinigungen. Sie sind der geologische Fingerabdruck des Goldes und ermöglichen, Herkunftsland und Mine exakt zu bestimmen.

Im weiteren Verlauf wird das Konzentrat immer weiter verdichtet und auch der relativ reine Doré-Barren zu hochreinem 999er Feingold umgeschmolzen. Mit den störenden Verunreinigungen verliert das Gold auch einen Teil seiner Geschichte. Wenn diese nicht exakt erfasst und dokumentiert wird, verliert sich an dieser Stelle die Spur.

Man sieht dem Gold anschließend nicht mehr an, woher es kam und unter welchen Umständen es gewonnen wurde. Auch spätere Raubzüge und Enteignungen lassen sich durch ein Umschmelzen relativ leicht verschleiern.

Der Kunde weiß nur in den seltensten Fällen, was er kauft

Wer als Kunde Gold kauft, egal ob als Münze und Barren oder als Schmuckstück, der weiß im Grunde nichts bzw. nicht viel über die Geschichte seines Goldes. Er kennt nur den Feinheitsgrad und bei Investmentgold noch den Namen der Schmelze, die den Barren gegossen bzw. der Münze, die das Goldstück geprägt hat.

Ob es sich bei seinem Gold jedoch um ethisch problematische Ware handelt, etwa Blutgold aus dem Kongo, mit dem Rebellen jahrelang die Käufe ihrer Waffen und damit die Unterdrückung zahlreicher Menschen finanzierten, das weiß der Kunde nicht.

Selbst wenn der Kunde sich relativ sicher sein kann, dass sein Gold aus der modernen Produktion stammt, so vermag er zumeist nicht abzuschätzen, wie innerhalb des Unternehmens die Arbeitsbedingungen für die Bergarbeiter zu beurteilen sind und wie scharf oder lax die Umweltauflagen bei der Aufarbeitung der Erze beachtet werden.

Manche Anleger stören sich an diesen Fragen nicht. Für andere verliert das Gold einen Teil seines Glanzes, wenn ihnen bewusst wird, dass möglicherweise Blut an ihrem Gold klebt. Um sich nicht mittelbar mitschuldig fühlen zu müssen, sind diese Kunden bereit, einen Aufpreis für das Edelmetall zu bezahlen, wenn sie im Gegenzug dafür die Bestätigung erhalten, dass ihr Gold unter ethisch fairen Arbeitsbedingungen gefördert wurde und auch die Belange des Umweltschutzes strikt beachtet wurden.

Ein Nischenmarkt mit Vorbildcharakter

Gemessen am weltweiten Handelsvolumen ist das Gold, das diese ethisch besonders sensibilisierten Kunden kaufen, nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Aber es gibt ihn und er wächst langsam und beständig. Vorreiter ist an dieser Stelle einmal mehr ‚Fairtrade‘.



Wer nicht nur seinen Kaffee trinken will, ohne das Gefühl zu haben, die Kaffeebauern ausgenutzt zu haben, sondern auch auf den Ring an seinem Finger mit gutem Gewissen schauen möchte, der sollte seinen Schmuck nur bei jenen Goldschmieden bzw. Juwelieren kaufen, die ihr Gold und Silber aus unbelasteten Quellen und zu fairen Preisen beziehen.

Das ist gar nicht so leicht, denn viele Punkte sind an dieser Stelle zu beachten. Sowie Altgold mit ins Spiel kommt, lässt sich die Geschichte des Goldes an der eigenen Hand kaum mehr verlässlich nachverfolgen.

Bedenken Sie in diesem Zusammenhang, dass auf eine Minenproduktion von etwa 2.600 Tonnen noch einmal rund 1.000 bis 1.200 Tonnen Altgold kommen. Etwa ein Drittel des jährlich umgeschmolzenen und neu verarbeiteten Goldes kommt damit aus Quellen, die nicht unbedingt ethisch bedenklich sind, über die man aber beim besten Willen keine verlässlichen Aussagen mehr machen kann.

Fairtrade setzt auf die Neuproduktion kleinerer Betriebe

Wie beim Kaffee und anderen nachwachsenden Rohstoffen setzt Fairtrade auch beim Gold auf kleine Genossenschaften und Zusammenschlüsse. Sie müssen legalisiert sein und bestimmte Standards erfüllen. Illegale Bergbauaktivitäten sind damit ebenso ausgeschlossen, wie jene Gesellschaften, die mit den Rechten der Minenarbeiter ihre Probleme haben.

Die hoch liegende Latte zu überspringen, ist für die kleinen Goldförderer dennoch von Vorteil, denn die Zusammenarbeit mit Fairtrade sichert ihnen einen höheren Verkaufspreis. Auch der durch Fairtrade zertifizierte Käufer muss sich am aktuellen Goldpreis orientieren. Er zahlt seinen Kooperationspartnern jedoch eine Vergütung, die 95 Prozent des Spottpreises beträgt. Grundlage ist der von der Londoner Bullion Market Association festgelegte Goldpreis.

Über diesen vertraglich fixierten Mindestpreis hinaus erhält die von Fairtrade zertifizierte Mine noch eine zusätzliche Prämie von 2.000 US-Dollar pro Kilogramm Gold. Mit diesen Zusatzeinnahmen werden gemeinnützige Projekte wie Schulen und Krankenstationen finanziert, die allen zugutekommen.

Fairtrade bemüht sich, mehr Käufer und Verkäufer für sein Modell zu gewinnen. Der Aufbau eines zertifizierten Händlernetzes steht dabei im Vordergrund. Fairtrade bietet Goldschmieden, Juwelieren und internationalen Schmuckmarken die Möglichkeit, von Fairtrade zertifiziertes Gold zu beziehen. Dieses Engagement kann mit dem Fairtrade Gold-Siegel gegenüber der Kundschaft sichtbar gemacht werden.

Wer als Kunde gezielt nach diesem etwas teureren, aber ethisch unbedenklichen Gold fragt, trägt über kurz oder lang mit dazu bei, dass ein kleiner Markt immer größer wird und die Schattenseiten des Bergbaus weiter zurückgedrängt werden.


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Über den Autor
 
Autor: Volker Gelfarth Volker Gelfarth
Volker Gelfarth ist unabhängig beratender Unternehmensanalyst und renommierter Chefredakteur. Seine Publikationen „Die Aktien-Analyse“, Strategisches Investieren“, „Gelfarths Dividenden-Letter“ und „Gelfarths Premium-Depot“ sind seit vielen Jahren unentbehrliches Handwerkszeug privater und institutioneller Aktienanleger.
Der Diplom-Produktions-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich mit seinem Researchunternehmen voll und ganz der Value-Analyse widmete. Mit unermüdlichen Willen analysierte er als einer der ersten systematisch das Anlage-Verhalten der weltweit erfolgreichsten Investoren und machte dieses seinen Lesern zugänglich.

Erfolgsstrategien für Groß- und Kleinanleger Den gelernten Ingenieur interessieren als Grundlage seiner Bewertungen und Empfehlungen vor allem harte Fakten, solide Daten und seriös überprüfte Zahlen.
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