Anthropic Aktie: 1,5 Billionen Dollar auf Sekundärmärkten

Anthropic peilt mit 65 Mrd. Dollar Umsatzrate und erstmals positivem Betriebsergebnis den größten Börsengang seit Jahren an. Die Bewertung auf Sekundärmärkten erreicht bereits 1,5 Billionen Dollar.

Andreas Sommer ·
Anthropic Aktie

Kurz zusammengefasst

  • IPO-Unterlagen Ende August geplant
  • Umsatzrate erreicht 65 Milliarden Dollar
  • Erstmals positives operatives Ergebnis
  • Sekundärmarkt-Bewertung bei 1,5 Billionen

Anthropic steuert auf den größten Börsengang der jüngeren Geschichte zu. Wie Bloomberg berichtet, will das Unternehmen die Unterlagen für den Börsengang bereits Ende August bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichen. Das Emissionsvolumen könnte den Rekord von SpaceX erreichen oder übertreffen.

Umsatz explodiert, Verlustphase beendet

Die Dynamik hinter dem Schritt liegt in den Zahlen. Ende Juli erreichte die annualisierte Umsatzrate 65 Milliarden Dollar – nach 47 Milliarden im Mai und noch 9 Milliarden Ende 2025. Am Montag hatte das Unternehmen bereits vorläufige Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt: Der Umsatz übersprang die Marke von 11,5 Milliarden Dollar, eine Verzehnfachung im Jahresvergleich um mehr als das 14-Fache. Damit lag Anthropic klar vor Konkurrent OpenAI, der im selben Zeitraum 6,7 Milliarden Dollar umsetzte.

Erstmals erzielte Anthropic im zweiten Quartal ein positives bereinigtes operatives Ergebnis. OpenAI wies im Vergleich einen operativen Verlust von 12,3 Milliarden Dollar aus.

Diese Kombination aus Wachstum und Profitabilität dürfte die Nachfrage nach den IPO-Aktien treiben – Medienberichten zufolge sorgte die Nachricht über die Run-Rate und die Quartalszahlen am Montag sogar für einen Kursanstieg von einem Prozent bei Halbleiterwerten, da Anleger auf steigende Nachfrage nach KI-Infrastruktur setzen.

Bewertung springt vor dem Listing

Der bevorstehende Börsengang treibt bereits jetzt die Bewertung auf Sekundärmärkten. Vor einer Woche erreichten Anthropic-Anteile dort eine Bewertung von 1,5 Billionen Dollar – ein Plus von 25 Prozent innerhalb eines Monats. Zum Vergleich: Die zuletzt offizielle Series-H-Bewertung lag bei 965 Milliarden Dollar.

Der Zielkorridor für das Listing an der Nasdaq liegt Berichten zufolge im Oktober, mit Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan Chase als federführenden Konsortialbanken – dieser Termin gilt bislang jedoch als unbestätigtes Gerücht.

Parallel bereitet sich Anthropic strukturell auf den Börsengang vor. Berichten von Bloomberg und The Information zufolge plant das Unternehmen eine Aktienstruktur mit Mehrfachstimmrechten für die Gründer, um die Kontrolle über die firmeneigenen KI-Sicherheitsprotokolle auch nach dem Listing zu behalten. Zudem soll die Kreditlinie vor dem Börsengang auf über 10 Milliarden Dollar steigen, um den wachsenden Bedarf an Rechenkapazität zu decken.

Neue Produkte und Partnerschaften flankieren das Wachstum

Operativ treibt Anthropic die Expansion in Unternehmenskunden voran. Am Donnerstag startete das Unternehmen gemeinsam mit Blackstone, Hellman & Friedman, Goldman Sachs, GIC und Sequoia die eigenständige Einheit „Ode“, die Unternehmen bei der KI-Transformation mit Claude unterstützen soll. Ode übernahm zugleich die KI-Dienstleistungsfirma Casper Studios, um maßgeschneiderte Claude-Implementierungen in bestehende Unternehmensabläufe zu integrieren.

Zudem baute Anthropic Claude Code zu einem dauerhaft aktiven, ereignisgesteuerten Agentensystem aus, das langlaufende Softwareentwicklungsaufgaben geräteübergreifend verwalten kann. Um Bedenken von Unternehmenskunden zu adressieren, will Anthropic zudem seine Datenspeicherrichtlinien überarbeiten – im Juni hatte eine Regelung eingeführt, markierte Prompts bis zu zwei Jahre zu speichern.

Bei der Infrastruktur setzt Anthropic auf mehrere Partnerschaften: Mit Macquarie Asset Management und GIC entstand Anfang des Monats die Plattform „Theseus Infrastructure“ für großflächige Rechenzentrumskapazität. Zusätzlich vereinbarte Anthropic am Mittwoch mit dem britischen Start-up Fractile den Kauf von KI-Inferenzchips im Wert von rund 250 Millionen Dollar, mit Option auf künftige Vertragserweiterungen.

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