Anthropic Aktie: Alibaba saugte 28,8 Millionen Abfragen ab

Anthropic wirft Alibaba vor, über 28 Millionen Claude-Abfragen gestohlen zu haben. Der Fall eskaliert den US-chinesischen KI-Konflikt und löst politische Reaktionen aus.

Andreas Sommer ·
Anthropic Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Über 28 Millionen Abfragen gestohlen
  • Destillation als zentrale Methode
  • US-Senat schaltet sich ein
  • Anthropic verstärkt Personal mit Google-Forschern

Der KI-Wettlauf zwischen den USA und China eskaliert. Anthropic hat den chinesischen Technologiekonzern Alibaba beschuldigt, in großem Stil Daten aus seinen Claude-Modellen abgesaugt zu haben. Konkret geht es um mehr als 28 Millionen Abfragen über zehntausende gefälschte Konten.

Diebstahl im industriellen Maßstab

Laut einem Schreiben an das Weiße Haus und den US-Senat sollen Mitarbeiter von Alibabas Qwen-KI-Labor etwa 25.000 betrügerische Konten genutzt haben. Zwischen Ende April und Anfang Juni 2026 führten diese Konten über 28,8 Millionen Interaktionen mit dem Claude-Modell durch.

Ziel war die Methode namens „Destillation“. Dabei wird ein KI-Modell mit den Ausgaben eines überlegenen Systems trainiert. Branchenexperten zufolge können Konkurrenten so fortschrittliche Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Entwicklungskosten nachbauen. Der Trick: Auch die eingebauten Sicherheitsvorkehrungen und ethischen Leitplanken des Originals lassen sich umgehen.

Besonders betroffen: Claudes fortschrittlichste Fähigkeiten, darunter Softwareentwicklung und agentisches Denken – also die Fähigkeit, eigenständig Probleme zu lösen.

Politische Folgen zeichnen sich ab

Der Vorfall kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Erst Anfang Juni erließ die US-Regierung eine Direktive, die ausländischen Staatsbürgern den Zugriff auf die Modelle „Fable 5“ und Mythos 5“ von Anthropic untersagte. Begründung: nationale Sicherheitsinteressen.

Anthropic schaltete nun direkt die Politik ein. Die Briefe gingen an die Senatoren Tim Scott und Elizabeth Warren. Die Botschaft: Hier geht es nicht mehr nur um zivilrechtliche Streitigkeiten. KI-Unternehmen stufen geistigen Eigentumsdiebstahl zunehmend als Sicherheitsbedrohung ein.

Die Senatoren Bill Hagerty und Andy Kim kündigten bereits Gesetze an. Ziel: Sanktionen gegen ausländische Akteure, die unrechtmäßig auf US-KI-Modelle zugreifen.

Talente wechseln zu Anthropic

Parallel zum Konflikt baut Anthropic sein Team aus. Zwei weitere Google-Forscher wechseln zum Unternehmen. Jonas Adler arbeitete an Googles KI-Coding-Initiativen. Alexander Pritzel war spezialisiert auf das Vortraining von Flaggschiff-Modellen.

Erst Anfang Juni hatte der Nobelpreisträger John Jumper Google DeepMind in Richtung Anthropic verlassen. Die Personaloffensive gilt als Vorbereitung auf den geplanten Börsengang. Zudem expandiert Anthropic international: Das sechste Europa-Büro eröffnete in Mailand. Steve Jarrett, ehemaliger KI-Chef von Orange, soll die Märkte in Europa und Afrika erschließen.

Ausblick

Der Alibaba-Fall zeigt eine neue Risikokategorie für die KI-Branche. Experten nennen sie die „gemietete Intelligenz“-Lieferkette. Anthropic steht vor einer doppelten Herausforderung: Die eigenen Modelle vor industriellem Datendiebstahl schützen – und gleichzeitig mit einem restriktiven Regulierungsumfeld klarkommen, das die leistungsstärksten Systeme vorerst ausbremst.

Die Klage von Legion LegalTech gegen die Exportkontrollen bleibt ein entscheidender Faktor. Sie entscheidet mit darüber, ob Anthropic im Entwickler- und Unternehmensgeschäft Einnahmen erzielen kann. Klar ist: Ohne klare Sicherheitsrahmen für KI-Schutzrechte droht amerikanischen Laboren der globale Marktzugang verloren zu gehen.

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