Anthropic Aktie: Der Börsenprospekt liegt offen
Anthropic weist für das erste Halbjahr 2026 16,29 Milliarden Dollar Umsatz aus; Aktienzahl und Preisspanne sind noch offen.

Kurz zusammengefasst
- Halbjahresumsatz steigt auf 16,29 Milliarden Dollar
- Nettoverlust vor allem durch Neubewertung geprägt
- Gründer sichern sich 50,1 Prozent der Stimmrechte
- Aktienzahl und Preisspanne noch nicht festgelegt
Anthropic macht ernst. Der Entwickler der Claude-Modelle hat seinen Börsengang öffentlich gemacht und will die Class-A-Aktien unter dem Kürzel „ANT“ an der Nasdaq listen. Der Prospekt liefert erstmals belastbare Zahlen: ein rasantes Umsatzwachstum, einen gewaltigen Verlust und eine Kontrollstruktur, die Aktionären wenig Mitsprache lässt.
Umsatz im Rekordtempo, Verlust auf dem Papier
Im ersten Halbjahr 2026 setzte Anthropic 16,29 Milliarden Dollar um. Ein Jahr zuvor waren es gerade 1,16 Milliarden Dollar. Das gesamte Jahr 2025 kam auf 4,59 Milliarden Dollar.
Unter dem Strich steht allerdings ein Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar. Der Großteil entfällt auf eine Belastung von 72,4 Milliarden Dollar aus der Neubewertung von Wandelanleihen und ähnlichen Instrumenten. Der Prospekt führt sie vor allem auf den gestiegenen Unternehmenswert zurück. Der operative Verlust fiel mit 693 Millionen Dollar deutlich kleiner aus.
Finanziell ist das Unternehmen bestens ausgestattet. Zur Jahresmitte lagen mehr als 112 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln in der Kasse, hinzu kamen kurzfristige Anlagen. Zum 30. September zählte Anthropic mehr als 1.900 Kunden mit mindestens einer Million Dollar Jahresumsatz.
Kontrolle bleibt bei den Gründern
Die Governance dürfte Investoren beschäftigen. Kurz vor dem Börsengang erhalten die sieben Mitgründer über eine Beteiligungsgesellschaft eine einzelne Class-F-Aktie mit 50,1 Prozent der Stimmrechte. Damit gilt Anthropic nach Nasdaq-Regeln als „controlled company“. Ein Gremium aus fünf finanziell unabhängigen Treuhändern wählt zudem die Mehrheit des Verwaltungsrats.
Der Prospekt warnt selbst, die Struktur könne den Einfluss der Class-A-Aktionäre auf wichtige Entscheidungen bis hin zu einem Kontrollwechsel faktisch ausschließen. Als Public Benefit Corporation muss das Unternehmen außerdem Gemeinwohlinteressen gegen die der Aktionäre abwägen.
Rund fünf Prozent der voll verwässerten Anteile liegen in einer eigenen Tochter für den Gemeinwohlzweck. Kritik daran kam von Investor David Sacks, der anzweifelt, ob das Modell dem Gemeinwohl dient.
Preisspanne noch offen
Zahl und Preis der Aktien stehen noch nicht fest. Goldman Sachs und Morgan Stanley führen ein Konsortium aus 24 Banken an, neben Anthropic verkaufen auch Altaktionäre. Zuletzt wurde das Unternehmen bei einer Finanzierungsrunde im Mai mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Unterstützer hoffen laut früheren Berichten auf mehr als zwei Billionen Dollar.
Belastend kommt eine Urheberrechtsklage hinzu. Die Rechteinhaber von Elvis Presley werfen Anthropic vor, mehr als 270 Songs ohne Zustimmung fürs KI-Training genutzt zu haben, und fordern Millionen. Gemessen an der Bilanz ist das Summe überschaubar, als Präzedenzfall für Rechtsrisiken im Prospekt taugt es dennoch.
Der nächste Schritt ist die Festlegung von Aktienzahl und Preisspanne. Erst dann wird sich konkret ablesen lassen, welche Bewertung der Markt für „ANT“ anpeilt.
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