Anthropic Aktie: Heimliches Bücher-Projekt
Gerichtsakten zeigen: Anthropic digitalisierte Millionen gebrauchter Bücher für Claude-Training. Urheberrechtsklage könnte Folgen haben.

Kurz zusammengefasst
- Millioneninvestition in gebrauchte Bücher
- Interne Geheimhaltung bei Trainingsdaten
- Urheberrechtsklage gegen KI-Unternehmen
- Anthropic-Beteiligung als Fonds-Kronjuwel
Ein Gerichtsverfahren fördert Details zutage, die selbst in der freizügigen KI-Branche für Aufsehen sorgen: Anthropic ließ millionenfach gebrauchte Bücher aufkaufen, ihnen die Buchrücken entfernen, jede Seite einscannen und den Rest anschließend im Recycling entsorgen. Intern trug das Vorhaben den Namen „Project Panama“. Ziel war es, möglichst viel hochwertiges Trainingsmaterial für die Claude-Modelle zu beschaffen.
Geheimes Trainingsdaten-Projekt vor Gericht
Aus kürzlich freigegebenen Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Anthropic einen zweistelligen Millionenbetrag in Dollar für den Ankauf gebrauchter Bücher ausgab, bevor diese systematisch zerlegt und digitalisiert wurden. Interne Planungsdokumente sollen sogar den Vermerk enthalten haben, man wolle nicht bekannt werden lassen, dass an diesem Projekt gearbeitet werde. Der Hintergrund: Bücher gelten als besonders wertvolles Trainingsmaterial, weil sie Sprachmodellen einen deutlich höheren stilistischen Anspruch vermitteln als beliebige Internet-Texte.
Die Enthüllungen tauchten im Rahmen einer Urheberrechtsklage auf und reihen sich in eine wachsende juristische Debatte ein. US-Gerichte verhandeln derzeit grundsätzlich, wo die Grenzen liegen, wenn urheberrechtlich geschütztes Material zum Training von KI-Systemen verwendet wird. Für Anthropic ist das keine Nebensache – die Frage, wie die Trainingsdaten hinter Claude zustande kamen, könnte weitreichende rechtliche Folgen haben.
Der Wert der Beteiligung zeigt sich in der Not eines Fonds
Wie werthaltig eine Anthropic-Beteiligung inzwischen gilt, zeigte sich zuletzt an einem ganz anderen Ort: beim taumelnden KI-Hedgefonds Situational Awareness. Nach einem Kursrutsch bei Halbleiter-Aktien und Verlusten aus Wetten gegen Software-Titel musste der von Leopold Aschenbrenner geführte Fonds einen Großteil seiner börsennotierten Positionen mit einem Abschlag von mehr als zehn Prozent an Ken Griffins Citadel abgeben.
Die Anthropic-Beteiligung behielt der Fonds jedoch bewusst zurück – sie gilt als Kronjuwel des Portfolios und wird auf 3,5 bis 5 Milliarden Dollar taxiert. Die verbliebenen Investments summieren sich auf einen Wert von mehr als 10 Milliarden Dollar, das Gesamtportfolio soll seit Jahresbeginn immer noch um 80 Prozent im Plus liegen.
Für Anthropic selbst bleibt die eigentliche Unsicherheit ungelöst: Wie US-Gerichte künftig mit KI-Training auf Basis urheberrechtlich geschützter Werke umgehen, wird sich erst in den laufenden Verfahren entscheiden.
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