Anthropic Aktie: Zwei Quartale in Folge profitabel

Anthropic meldet erneut ein positives operatives Ergebnis und starkes Umsatzwachstum, während die Vorbereitung des Nasdaq-Börsengangs läuft.

Dieter Jaworski ·
Abstrakte Darstellung eines neuronalen Netzwerks in einem modernen Rechenzentrum als Symbol für KI-Wachstum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Drittes positives Quartal in Aussicht
  • Umsatz vervierzehnfacht auf 11,5 Milliarden Dollar
  • Nasdaq-Börsengang für Oktober geplant
  • Bewertung von zwei Billionen Dollar offen

Ausgerechnet der Konzern, dessen Chef öffentlich zur Vollbremsung bei der KI-Entwicklung aufruft, meldet den Investoren eine handfeste Wachstumsstory. Anthropic hat einer kleinen Gruppe von Anteilseignern signalisiert, dass das bereinigte operative Ergebnis auch im dritten Quartal in Folge positiv ausfallen soll. Das ist bemerkenswert für ein Unternehmen, das eigentlich für seinen enormen Kapitalverbrauch bekannt ist.

Die Zahlen dahinter sind beeindruckend. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal im Jahresvergleich um das 14-Fache auf 11,5 Milliarden Dollar. Die annualisierte Erlösbasis kletterte bis Ende Juli auf 65 Milliarden Dollar – zum Jahresende 2025 lag sie noch bei 9 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge liegt Berichten zufolge über 80 Prozent, allerdings vor Abzug der Erlösanteile für Vertriebspartner wie Amazon und der Kosten fürs Modelltraining.

Profitabilität als Verkaufsargument vor der Nasdaq-Notierung

Der Zeitpunkt der Botschaft ist kein Zufall. Anthropic bereitet einen Börsengang vor und hat sich dafür nach übereinstimmenden Berichten für die Nasdaq entschieden – dieselbe Börse, an der zuvor bereits SpaceX gelistet wurde. Die kolportierte Bewertung von rund zwei Billionen Dollar wäre selbst für die aufgeheizte KI-Branche ein Ausnahmewert, gilt aber noch nicht als endgültig festgelegt.

Mit dem Nachweis konsistenter Profitabilität will das Unternehmen offenbar genau jene Bedenken zerstreuen, die Investoren bei kapitalintensiven KI-Firmen umtreiben: die Sorge vor endlosem Cash-Verbrauch ohne absehbaren Gewinnpfad. Zwei profitable Quartale in Folge liefern dafür ein gewichtiges Argument.

Zugleich sorgt Firmenchef Dario Amodei mit sicherheitspolitischen Warnungen für Schlagzeilen. Er hatte kürzlich eine koordinierte, branchenweite Verlangsamung der KI-Entwicklung gefordert und dabei auf Risiken durch autonome Hacking-Systeme verwiesen.

Rivalen wie OpenAI-Chef Sam Altman und Tesla-Chef Elon Musk äußerten sich zustimmend. Der KI-Bundesverband in Deutschland vermutet hinter solchen Warnungen auch handfeste wirtschaftliche Motive – schließlich befeuere die Debatte um Risiken zugleich die Bewertungen vor anstehenden Börsengängen.

Für Anthropic bleibt die Gemengelage ambivalent: Sicherheitswarnungen aus dem eigenen Haus einerseits, robuste Profitabilitätszahlen andererseits. Der geplante Börsengang im Oktober dürfte zeigen, wie Investoren diese beiden Signale gegeneinander abwägen.

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