Apple Aktie: Kursziel-Spanne von 250 bis 400 Dollar
Bei Apple klaffen die Kursziele der Analysten weit auseinander: Zwischen Verkaufsempfehlung und Höchstmarke liegen 150 Dollar. Der Streit entzündet sich an Bewertung und Wachstumsaussichten.

Kurz zusammengefasst
- Kurszielspanne von 150 Dollar
- KeyBanc rät zum Verkauf
- TD Cowen sieht Kurspotenzial
- Lieferengpässe trüben Ausblick
Selten war sich die Wall Street bei Apple so uneinig. Auf der einen Seite steht ein Analyst, der zum Verkauf rät und ein Kursziel von 250 Dollar nennt. Auf der anderen Seite ein Kollege, der genau das Gegenteil sieht — mit einem Ziel von 400 Dollar. Zwischen beiden Lagern liegen 150 Dollar Differenz. Das zeigt, wie tief der Graben in der Bewertung von Apple inzwischen ist.
Die Apple-Aktie notiert aktuell bei 268,90 Euro, kaum verändert gegenüber dem Freitagsschluss von 269,10 Euro. Über die vergangenen sieben Handelstage hat das Papier aber rund 9,25 Prozent verloren. Zum Jahresauftakt steht trotzdem noch ein Plus von 15,76 Prozent.
KeyBanc rät zum Ausstieg
Der schärfste Kritiker sitzt bei KeyBanc. Analyst Brandon Nispel senkte seine Einstufung auf Underweight und kappte sein Kursziel auf 250 Dollar. Das entspricht einem Abwärtspotenzial von 19 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Nispels Hauptargument ist die Bewertung. Apple handelt nach seiner Rechnung mit dem 37-Fachen der für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Gewinne — deutlich über dem Drei-Jahres-Durchschnitt des Konzerns. Diese Bewertung passe nicht mehr zum veränderten Wachstumsprofil, so der Analyst. Er geht davon aus, dass Investoren die Risiken aus schwächerer Hardware-Nachfrage, langsamerem Services-Wachstum und längeren Update-Zyklen der Kunden weiterhin unterschätzen.
Nispel spricht sogar von einem möglichen „Peak iPhone Growth“ — dem Höhepunkt des iPhone-Wachstums. Künftige Vergleichswerte dürften damit deutlich schwerer zu schlagen sein.
Auch die jüngsten Quartalszahlen bewertet er kritisch. Apple verdiente im dritten Geschäftsquartal 2,02 Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von 109,42 Milliarden Dollar. Beide Werte lagen über den Erwartungen der Wall Street von 1,89 Dollar und 108,85 Milliarden Dollar. Allerdings enthielt der Gewinn pro Aktie einen Sondereffekt von 0,11 Dollar aus Zollrückerstattungen — das operative Ergebnis fiel also schwächer aus, als die Schlagzeile suggeriert.
TD Cowen sieht das genaue Gegenteil
Die Mehrheit der Analysten teilt Nispels Pessimismus nicht. Insgesamt bewerten 29 Wall-Street-Analysten die Aktie im Schnitt mit „Moderate Buy“. 16 raten zum Kauf, 11 zum Halten, nur zwei — darunter KeyBanc — zum Verkauf.
Die optimistischste Stimme kommt von TD Cowen. Analyst Krish Sankar hob sein Kursziel von 350 auf 400 Dollar an, den höchsten Wert am Markt, und bestätigte seine Kaufempfehlung. Das geschah, obwohl die Aktie nach den Quartalszahlen wegen schwacher Prognosen und Warnungen zu Chip-Lieferengpässen zeitweise rund 9 Prozent verlor.
Sankars Optimismus stützt sich auf Apples Preissetzungsmacht und die Fertigungsstrategie. Er erwartet zwar kurzfristig Gegenwind durch höhere Bauteilkosten und Währungseffekte. Mittelfristig sollen aber höhere Preise bei iPad, Mac und künftigen iPhones sowie der Umstieg auf 2-Nanometer-Chips die Margen verbessern.
Die übrigen Großbanken positionieren sich dazwischen. JPMorgan senkte sein Kursziel leicht von 345 auf 340 Dollar, bleibt aber optimistisch — die Lieferprobleme würden Nachfrage eher verschieben als vernichten, so die Einschätzung. Morgan Stanley reduzierte sein Ziel von 364 auf 360 Dollar und behält die Übergewichten-Einstufung. Barclays-Analyst Tim Long bleibt bei Verkaufen und senkte sein Ziel von 253 auf 245 Dollar, mit Verweis auf enttäuschende Services-Umsätze und schwache China-Zahlen. Die chinesische GF Securities stufte Apple von Kaufen auf Halten zurück und begründet dies mit einer nach der jüngsten Rally ausgereizten Bewertung.
Lieferengpässe belasten die Prognose
Der Auslöser der Debatte liegt im Ausblick, den Apple beim Quartalsbericht gegeben hat. Für das laufende vierte Geschäftsquartal erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum von 9 bis 11 Prozent — die Analysten hatten mit mehr als 12 Prozent gerechnet. Finanzchef Kevan Parekh nannte Bauteil-Engpässe als Hauptgrund. Diese betreffen laut Unternehmensangaben iPhone, Mac und iPad im September-Quartal, hinzu kommen belastende Währungseffekte.
Auch das Services-Geschäft, lange Apples verlässlichster Wachstumstreiber, enttäuschte. Trotz eines iPhone-Umsatzplus von 22 Prozent im Jahresvergleich blieb der Services-Umsatz von 30,7 Milliarden Dollar unter den Erwartungen der Analysten.
Charttechnik zeigt Pattsituation
Der aktuelle Kurs liegt knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 269,60 Euro und rund 10,90 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 301,80 Euro aus Ende Juli. Der RSI von 42,3 signalisiert weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation. Das passt zum Bild eines Marktes, der zwischen zwei gegensätzlichen Thesen pendelt: Preissetzungsmacht und Chip-Margen auf der einen Seite, ein nicht mehr zum Wachstum passendes Bewertungsniveau auf der anderen.
Die Spanne der Kursziele — von 250 bis 400 Dollar — macht deutlich, wie gespalten die professionelle Einschätzung inzwischen ist. Klarheit dürfte erst das kommende Quartal bringen, wenn sich die Kostenbelastung durch teurere Speicherchips voll in den Zahlen niederschlägt.
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