Apple steht zum Jahresauftakt gleich an mehreren Fronten im Fokus: Ein deutlich angehobenes Kursziel von Evercore ISI trifft auf Klarheit bei der Zukunft der Apple Card. Gleichzeitig ringt die Aktie nach einem schwachen Start ins Jahr 2026 um Orientierung. Entscheidend ist nun, ob starke iPhone-Nachfrage und ein stabiler Services-Bereich die wachsenden KI-Sorgen der Anleger überlagern können.
Evercore wird optimistischer
Evercore ISI hat am Samstag sein „Outperform“-Rating für Apple bestätigt und das Kursziel von 325 auf 330 US‑Dollar erhöht. Die Analysten rechnen damit, dass Apple im laufenden Berichtssaison-Auftakt die Erwartungen übertreffen wird.
Für das am 31. Dezember endende erste Geschäftsquartal prognostiziert Evercore nun einen Umsatz von 140,5 Milliarden US‑Dollar und einen Gewinn je Aktie von 2,71 US‑Dollar. Damit liegen die Schätzungen spürbar über dem aktuellen Konsens an der Wall Street, der bei 137,3 Milliarden US‑Dollar Umsatz und 2,66 US‑Dollar Gewinn je Aktie verortet ist.
Die Anhebung deutet darauf hin, dass Evercore insbesondere die Hardware-Nachfrage stärker einschätzt als viele Marktteilnehmer. Genannt werden vor allem robuste iPhone-Verkäufe in Nordamerika und in ausgewählten Schwellenländern, die sich offenbar besser entwickeln, als es die jüngste Skepsis zur Hardware-Zyklik vermuten lässt.
Apple Card: Wechsel zu JPMorgan
Parallel dazu kommt Bewegung in Apples Finanzdienstleistungsangebot. Nach längerem Hin und Her um die Zusammenarbeit mit Goldman Sachs steht nun fest: JPMorgan Chase soll die Rolle als Emittent der Apple Card übernehmen.
Kernpunkte der Vereinbarung:
- Übertragung von rund 20 Milliarden US‑Dollar an Kreditkartensalden von Goldman Sachs zu JPMorgan
- Geplanter Übergangszeitraum von etwa zwei Jahren
- Fortführung des Apple‑Card‑Programms ohne Unterbrechung für Nutzer
- JPMorgan rechnet im Zuge der Transaktion mit Rückstellungen (Provisions) von rund 2,2 Milliarden US‑Dollar
Für Apple bedeutet der Wechsel vor allem eines: strategische Planungssicherheit im wichtigen Services-Ökosystem. Die Apple Card bleibt als Bestandteil der Fintech‑Angebote erhalten, ohne dass Kunden einen Bruch im täglichen Gebrauch spüren sollen. Marktbeobachter werten dies als Absicherung einer margenstarken Erlösquelle neben dem Hardware-Geschäft.
Auf institutioneller Ebene zeigen die jüngsten Meldungen ein gemischtes Bild: 5T Wealth LLC hat seine Apple‑Position im dritten Quartal um 44,5 % auf über 10.000 Aktien aufgestockt, während Valley National Advisers Inc. seinen Bestand um 13 % reduzierte und rund 14.000 Papiere veräußerte. Ein eindeutiger Trend lässt sich daraus nicht ableiten, die Transaktionen unterstreichen aber die unterschiedlich bewertete Lage der Aktie.
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Bewertung, KI-Skepsis und Marktumfeld
Der optimistischere Blick von Evercore kommt in einer Phase, in der Apple an der Börse spürbaren Gegenwind erlebt. Die Aktie hat die erste Handelswoche 2026 mit einem Rückgang von gut 4 % seit Jahresbeginn beendet und schloss am Freitag bei 259,37 US‑Dollar. Damit notiert der Titel rund 5 % unter seinem 52‑Wochen-Hoch, liegt aber deutlich – über 60 % – über dem Tief des vergangenen Jahres.
Ein wesentlicher Stimmungsdämpfer: Am 7. Januar wurde Apple bei der Marktkapitalisierung von Alphabet überholt. Mit rund 3,88 Billionen US‑Dollar lag der Google‑Mutterkonzern zuletzt vor Apple mit etwa 3,83 Billionen US‑Dollar. Auslöser ist vor allem die starke Begeisterung vieler Investoren für Alphabets KI‑Plattform „Gemini“.
Hier zeigt sich ein strukturelles Thema: Teile des Marktes sehen Apple derzeit im Rückstand, wenn es um die sichtbare Umsetzung generativer KI-Funktionen geht. Während Wettbewerber ihre KI‑Angebote offensiv vermarkten, bleibt Apples KI‑Strategie weitgehend im Hintergrund. Der jüngste Kursrückgang, laut Marktdaten eine der längeren Verlustphasen seit Anfang der 1990er Jahre, spiegelt diese Unsicherheit über künftige Wachstumstreiber jenseits klassischer Hardware-Zyklen wider.
Evercore setzt mit seiner Einschätzung einen Kontrapunkt zu diesem Pessimismus. Die Analysten gehen davon aus, dass die Basiserlöse aus iPhone und anderen Kernprodukten stabiler und dynamischer sind, als es die Marktstimmung nahelegt. Damit verlagert sich der Blick zumindest temporär wieder stärker auf das operative Hier und Jetzt – und nicht nur auf die große KI-Erzählung.
Nächste Termine und mögliche Trigger
Der nächste große Prüfstein ist bereits datiert: Am 29. Januar 2026 legt Apple seine Zahlen für das erste Geschäftsquartal vor. Dieses Ereignis wird zum Gradmesser dafür, ob die über dem Konsens liegenden Umsatz- und Gewinnschätzungen von Evercore gerechtfertigt sind.
Schon zuvor könnten jedoch Makrodaten für Bewegung sorgen. Am 13. Januar stehen die neuen US‑Verbraucherpreisdaten (CPI) an, gefolgt von der Fed‑Sitzung am 27. und 28. Januar. Beide Termine können das Zinsumfeld und damit die Bewertung großer Tech‑Werte spürbar beeinflussen.
Auf Analystenseite liegt das durchschnittliche Kursziel aktuell bei rund 299 US‑Dollar und damit etwa 15 % über dem jüngsten Schlusskurs. Charttechnisch ist der Bereich um 256 US‑Dollar zuletzt als Unterstützung getestet worden. Hält diese Zone und bestätigen die Quartalszahlen die optimistischeren Annahmen, hätte Apple aus Bewertungssicht Spielraum nach oben – bleiben KI‑Sorgen dominiert, dürfte die Aktie dagegen anfällig für weitere Rückschläge bleiben.
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