Apple stellt seine Produktagenda spürbar um – und das gleich an mehreren Fronten. Der Mixed-Reality-Versuch Vision Pro läuft deutlich hinter den Erwartungen her, während das iPhone-Programm für 2026 neu sortiert wird. Dazu kommen regulatorische Vorgaben in Europa, die zentrale Teile des Ökosystems aufbrechen. Wie passt das zu den weiterhin ehrgeizigen Wachstumszielen?
Vision Pro schwächelt, iPhone-Plan wird neu sortiert
Auslöser der aktuellen Diskussion ist die schwache Marktaufnahme des Vision Pro. Laut IDC wurden im vierten Quartal 2025 nur rund 45.000 Geräte ausgeliefert, für das Gesamtjahr 2024 waren es geschätzt 390.000 Stück – klar unter den frühen Branchenprognosen für ein Gerät, das mit 3.499 US-Dollar im absoluten Premiumsegment liegt.
Die Konsequenzen sind deutlich: Fertigungspartner Luxshare soll die Produktion bereits 2025 gestoppt haben. Parallel dazu zeigen Daten von Sensor Tower, dass Apple die Marketingausgaben für das Headset um mehr als 95 % zurückgefahren hat. Das deutet auf eine klare Prioritätenverschiebung hin – weg vom teuren Nischenprodukt, hin zu anderen Wachstumstreibern.
Gleichzeitig verdichten sich Berichte über einen Umbau der iPhone-Roadmap. Demnach könnte es im Herbst 2026 kein klassisches iPhone 18 Basismodell geben. Stattdessen soll Apple zunächst iPhone 18 Pro, Pro Max und ein neues faltbares iPhone bringen; das Standardmodell würde dann erst im Frühjahr 2027 folgen. Ziel ist laut den Berichten, die Modellpalette stärker zu unterscheiden und die komplexen Lieferketten für neue Displaytechnologien besser zu steuern.
EU-Regeln erzwingen Öffnung des Ökosystems
Neben der Hardwareseite sorgen regulatorische Vorgaben in Europa für Veränderungsdruck. Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der EU die Umsetzung des Digital Markets Act (DMA) auch für zentrale Apple-Dienste.
Mit dem Update auf iOS 26.3 öffnet Apple sein System stärker für Drittanbieter-Hardware. Funktionen wie Näherungskopplung (proximity pairing) und Smartwatch-Benachrichtigungen sollen nun auch mit Geräten außerhalb des eigenen Ökosystems möglich sein. Zusätzlich wurde ein neues Gebührenmodell in der Region eingeführt, der sogenannte „Core Technology Commission“-Ansatz. Er regelt, wie Apple zentrale Plattformtechnologien monetarisiert, wenn Drittanbieter darauf aufsetzen.
Diese Anpassungen könnten langfristig die Bindung an die eigene Hardware lockern, sind aber notwendig, um Strafen und weitere regulatorische Eingriffe in der EU zu vermeiden.
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Starke Erwartungen an Q1 – trotz Wachstumsdilemma
Trotz der Rückschläge beim Vision Pro und der regulatorischen Auflagen bleiben die finanziellen Erwartungen hoch. Der Markt blickt auf den Q1-2026-Bericht am 29. Januar 2026. Der Konsens rechnet mit einem Umsatz von 138,25 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von rund 11 % im Jahresvergleich entspricht. Beim Gewinn je Aktie (EPS) werden 2,65 bis 2,67 US-Dollar erwartet.
Treiber dieser Entwicklung ist vor allem der aktuelle iPhone-17-Zyklus, der insbesondere in China stark läuft: Dort legten die Verkäufe im Oktober 2025 um 37 % im Vergleich zum Vorjahr zu. Parallel baut Apple mit dem Abo-Dienst „Apple Intelligence Pro“ (Startpreis 9,99 US-Dollar pro Monat) eine zusätzliche Erlössäule im KI-Bereich auf.
An der Börse zeigt sich dennoch ein gemischtes Bild. Apple erreichte Ende 2025 eine Marktkapitalisierung von rund 4 Billionen US-Dollar, blieb mit einem Jahresplus von etwa 9,5 % aber klar hinter dem Nasdaq 100 (rund 20 % Zuwachs) und auch hinter dem S&P 500 zurück. Analysten sprechen von einem „Wachstumsdilemma“: Enorme Cashflows stehen einem schwierigen Balanceakt zwischen stagnierenden neuen Hardware-Kategorien (Vision Pro) und Hoffnungen auf neue Segmente wie Foldables und KI-Abos gegenüber. Einige Marktbeobachter sehen Apple daher eher als defensiven Wert im Umfeld eines möglichen KI-Bubbles, auch weil der Konzern deutlich weniger aggressiv in Capex investiert als große Cloud-Anbieter.
Kursniveau, Risiken und nächste Katalysatoren
Am gestrigen Donnerstag schloss die Aktie bei 271,86 US-Dollar und liegt damit weniger als 1 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 273,81 US-Dollar – nach einem deutlichen Anstieg seit dem 52‑Wochen-Tief im April 2025. Technisch betrachtet bewegt sich der Kurs klar über den wichtigen Durchschnittslinien, was auf einen intakten Aufwärtstrend hindeutet.
Kurzfristig rücken mehrere potenzielle Kurstreiber in den Vordergrund:
- Q1-Zahlen am 29. Januar 2026: Insbesondere der Ausblick auf den weiteren iPhone-17-Zyklus und erste Signale zur iPhone-18-Strategie dürften entscheidend sein.
- Produktpipeline 2026: Die Marktreaktion auf das erwartete faltbare iPhone und mögliche Klarheit über ein günstigeres „Vision Pro Lite“ (angedeutet für Ende 2026, mutmaßlich 1.500–2.000 US-Dollar) könnte die Bewertung beeinflussen.
- Rechtliche Risiken: Der App-Store-Mammutprozess über 7 Milliarden US-Dollar, dessen Verhandlung im Februar 2026 ansteht, bleibt ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Unterm Strich stehen hohe Umsatz- und Gewinnprognosen einer Reihe strategischer Baustellen gegenüber – von Vision Pro über Regulierung bis hin zur Neuordnung der iPhone-Linie. Wie überzeugend Apple Ende Januar den mittelfristigen Wachstumspfad skizziert, dürfte maßgeblich bestimmen, ob die Aktie ihre Höchststände nur verteidigt oder in die nächste Bewertungsrunde eintritt.
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