Apple liefert den Rekord, Cook liefert den Nachfolger – und der DAX feiert mit
Apple meldet 111 Mrd. Dollar Umsatz und kündigt CEO-Wechsel an. John Ternus übernimmt und setzt mit günstigem MacBook Neo neue Akzente.

Kurz zusammengefasst
- Apple erzielt Rekordumsatz von 111 Milliarden Dollar
- Tim Cook kündigt Rücktritt nach 15 Jahren an
- John Ternus wird neuer CEO ab September
- Neues MacBook Neo startet bei 599 Dollar
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit der Beobachtung, dass die Weltwirtschaft gerade starke Unternehmensgewinne und schwache Rahmenbedingungen gleichzeitig produziert – und dass es zunehmend schwieriger wird, beides auszuhalten. Am Freitag haben die Märkte gezeigt, welcher Seite sie vorerst den Vorzug geben: den Gewinnen. Der DAX legte um 1,79 Prozent zu, die US-Börsen markierten neue Rekordstände. Und in Cupertino vollzog sich etwas, das über einen guten Börsentag weit hinausreicht: Tim Cook kündigte seinen Abschied an – nach fünfzehn Jahren, in denen er Apple von 350 Milliarden auf rund 4 Billionen Dollar Marktkapitalisierung führte. Die Frage ist nicht, ob sein Nachfolger John Ternus das Erbe verwalten kann. Die Frage ist, ob er es sich leisten kann, es nur zu verwalten.
Apples Quartal: 111 Milliarden Dollar und ein Abschiedsgeschenk
Die Zahlen, die Apple am Donnerstagabend vorlegte, waren bereits am Freitag bekannt – doch ihre Tragweite entfaltet sich erst mit etwas Abstand. 111,18 Milliarden Dollar Quartalsumsatz, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn pro Aktie stieg um 22 Prozent auf 2,01 Dollar. Das iPhone 17 allein steuerte knapp 57 Milliarden Dollar bei, ein Plus von über 21 Prozent. Das Service-Geschäft erreichte mit rund 31 Milliarden Dollar ein Allzeithoch – bei einer Bruttomarge von 76,7 Prozent.
Was diese Zahlen von früheren Rekorden unterscheidet: Sie fallen in eine Phase, in der Apple massiv in eine neue Technologie investiert, deren Rendite noch nicht absehbar ist. Die F&E-Ausgaben stiegen um 33 Prozent auf 11,42 Milliarden Dollar. Für die KI-Strategie kooperiert der Konzern jetzt mit Google und setzt auf dessen Gemini-Modelle. Cook selbst warnte vor Speicherchipkosten, die um 20 bis 30 Prozent steigen dürften – getrieben von der globalen KI-Nachfrage. Sein letzter Rekord als CEO ist also auch eine Warnung an seinen Nachfolger.
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Was Ternus erbt: Kapitalrendite, Regulierung und ein 599-Dollar-Laptop
John Ternus übernimmt am 1. September ein Unternehmen, das finanziell so stark dasteht wie nie – und operativ so viele Baustellen hat wie selten. Seine Strategie setzt auf Disziplin: ein angekündigtes Aktienrückkaufprogramm über 100 Milliarden Dollar, eine Dividendenerhöhung um 4 Prozent auf 0,27 Dollar je Aktie, strikter Fokus auf Kapitalrenditen.
Doch die Herausforderungen reichen über die Bilanz hinaus. In Europa kollidiert Apple zunehmend mit regulatorischen Vorgaben. Der Konzern stufte die Energielabels seiner Produkte freiwillig herab, nachdem die neuen EU-Testverfahren zu Diskrepanzen geführt hatten – das iPhone 16 landete bei „B“, mehrere iPad-Modelle bei der niedrigsten Stufe „G“. Die EU-Forderung nach fünf Jahren garantierter Software-Updates nach Verkaufsende erhöht den Druck zusätzlich.
Auf der Produktseite setzt Ternus einen bemerkenswerten Akzent. Das neue MacBook Neo startet bei 599 Dollar – mit Bildungsrabatt bei 499 Dollar – und zielt direkt auf das Terrain von Chromebooks und günstigen Windows-Laptops. Der verbaute A18 Pro Chip liefert in ersten Tests eine Single-Core-Performance, die 46 Prozent über dem älteren MacBook Air M1 liegt, bei 16 Stunden Akkulaufzeit. Apple greift damit ein Marktsegment an, das der Konzern bisher bewusst gemieden hat.
KI-Infrastruktur: Der stille Gewinner der Berichtssaison
Während Apple die Schlagzeilen dominiert, vollzieht sich abseits der großen Namen eine bemerkenswerte Verschiebung. Tower Semiconductor, ein israelischer Chipfertiger, hat seit August 329 Prozent an Börsenwert zugelegt. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 22 Milliarden Dollar. CEO Russell Ellwanger begründet den Erfolg mit Lösungen für die Stromversorgung von KI-Chips und einem Vertrag mit Nvidia über Optikmodule für Rechenzentren.
Das Muster ist deutlich: Die KI-Wertschöpfung verschiebt sich von der Software zur physischen Infrastruktur – zu Chips, Kühlung, Stromversorgung, Glasfaser. Wer diese Lieferkette kontrolliert, profitiert unabhängig davon, welches KI-Modell sich am Ende durchsetzt.
Die Verschiebung der KI-Wertschöpfung zur physischen Infrastruktur ist erst der Anfang eines langfristigen Megatrends – neben Chips und Rechenzentren gehören auch Cybersecurity, Robotik und Industrie 4.0 zu den Sektoren mit dem größten Wachstumspotenzial. Dieser kostenlose Report beleuchtet, welche Technologie-Bereiche Analysten besonders im Blick haben. Gratis-Report „Das große Tech-Comeback“ jetzt herunterladen
Makro-Kulisse: Starke Kurse, fragile Fundamente
Die Börsenrally überdeckt dabei konjunkturelle Risse, die nicht kleiner werden. Die Schließung der Straße von Hormus verursacht ein globales Ölangebotsdefizit von 9 bis 9,5 Millionen Barrel pro Tag. In Deutschland wuchs das BIP 2025 lediglich um 0,2 Prozent. Die Arbeitslosenzahl lag im Januar 2026 bei 3,085 Millionen – eine Quote von 6,6 Prozent und der höchste Januar-Wert seit 2014.
Auch der FTSE 100 und der CAC 40 schlossen am Freitag im Plus, mit 0,8 beziehungsweise 0,85 Prozent. Doch die europäischen Zugewinne wirken eher wie ein Mitzieheffekt der US-Euphorie als wie ein Signal eigener Stärke.
Was kommende Woche zählt
Für deutsche Anleger verschiebt sich der Fokus auf heimische Unternehmenszahlen. Am 6. Mai präsentiert Heidelberg Materials sein Trading-Update zum ersten Quartal, am 7. Mai folgt Henkel mit dem Bericht zum Jahresauftakt. Politisch wird es am selben Tag: Der Arbeitskreis „Steuerschätzungen“ des Bundesfinanzministeriums tagt in Stralsund, die Ergebnisse werden in Berlin vorgestellt. Sie dürften zeigen, wie eng der finanzielle Spielraum der Regierung Merz tatsächlich ist.
Die Berichtssaison hat in dieser Woche geliefert, was Anleger hören wollten: operative Stärke trotz widriger Umstände. Doch das Muster hat eine Haltbarkeitsgrenze. Steigende KI-Investitionen, teurere Rohstoffe und ein schwaches europäisches Wachstumsumfeld werden irgendwann auch die stärksten Bilanzen erreichen. Wer jetzt kauft, wettet darauf, dass dieser Moment noch nicht gekommen ist.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann