Applovin, Kalray, CATL: Diese Turnaround-Kandidaten senden Kaufsignale

Vier Aktien verloren binnen 30 Tagen zweistellig, zeigen nun aber technische Erholungssignale. Eine nachhaltige Trendwende bleibt unbestätigt.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Applovin verliert binnen 30 Tagen 24 Prozent
  • Kalray zeigt bullisches MACD-Kreuz
  • CATL kehrt aus überverkauftem Bereich zurück
  • Western Digital durchbricht 20-Tage-Linie

Vier Aktien, ein gemeinsames Muster: Nach herben Kursverlusten der vergangenen Wochen blinken bei Applovin, Kalray, CATL und Western Digital plötzlich technische Kaufsignale auf. Während die einen Anleger noch die Verluste beklagen, wittern andere bereits den Einstieg. Ein Blick auf die Charts zeigt, warum gerade jetzt der Zeitpunkt für eine genauere Betrachtung gekommen sein könnte.

Die Auswertung zum Stichtag 4. September 2026 identifiziert vier Titel, die innerhalb von 30 Tagen zweistellige Kursverluste hinnehmen mussten, gleichzeitig aber ein technisches Signal wie einen Ausbruch über den 20-Tage-Durchschnitt, ein bullisches MACD-Kreuz oder eine Rückkehr aus überverkauften RSI-Zonen produzierten. Solche Konstellationen gelten in der technischen Analyse als klassische Frühindikatoren für eine mögliche Bodenbildung. Fundamentaldaten spielen dabei zunächst keine Rolle— entscheidend ist allein die Dynamik am Kursende.

Applovin: Ausbruch trotz massivem Kurssturz

Kein Titel in diesem Feld hat so viel Substanz verloren wie Applovin. Innerhalb von 30 Tagen ging es um 24 Prozent nach unten, auf Jahressicht steht sogar ein Minus von 54 Prozent zu Buche. Der Freitagsschluss bei 275,85 Euro liegt nur noch 8,1 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 255,20 Euro.

Und trotzdem: Am Stichtag durchbrach der Kurs seinen 20-Tage-Durchschnitt nach oben— ein Signal, das Käufer zurück in den Markt lockt. Der Freitag selbst brachte mit einem Plus von 2,3 Prozent bereits einen ersten Vorgeschmack auf mögliche Stabilisierung. Der RSI von 40,9 zeigt zwar noch keine Euphorie, deutet aber auch nicht mehr auf Panikverkäufe hin. Applovin bleibt als Werbeplattform stark von Budgetentscheidungen der App-Industrie abhängig, was die hohe Schwankungsbreite von 69 Prozent auf Jahressicht erklärt. Ein einzelner Schlusskurs über der 20-Tage-Linie reicht aber noch nicht als Bestätigung— das Vertrauen der Anleger muss sich erst neu aufbauen.

Kalray: MACD-Kreuz nach wildem Ritt

Kaum ein Wert in diesem Umfeld zeigt eine so extreme Kursachterbahn wie Kalray. Der französische Prozessorspezialist verlor in den vergangenen 30 Tagen 22 Prozent, steht seit Jahresbeginn aber immer noch mit 373 Prozent im Plus. Diese Diskrepanz allein verrät, wie nervös der Handel in diesem Nebenwert verläuft.

Das aktuelle Signal ist ein bullisches MACD-Kreuz— ein Hinweis darauf, dass die Verkäufer an Kraft verlieren. Der RSI von 33,1 liegt nah an der überverkauften Zone, was die These einer Erschöpfungsphase stützt. Mit einem Abstand von 23 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt bleibt aber deutlich, wie weit sich der Kurs von seinem mittelfristigen Trend entfernt hat. Kalray gilt als spekulativer Wert im Bereich der Hochleistungsprozessoren für Rechenzentren und Automobilanwendungen. Die geringere Liquidität im Vergleich zu globalen Halbleiterkonzernen sorgt dafür, dass Kursbewegungen hier besonders heftig ausfallen können— in beide Richtungen.

CATL: Rückkehr aus dem überverkauften Terrain

Der weltgrößte Batteriehersteller zeigt ein deutlich ruhigeres Bild als seine Mitstreiter im Ranking. CATL verlor in den vergangenen 30 Handelstagen 13 Prozent und notiert derzeit bei 351,00 Yuan. Auf Wochensicht ging es zuletzt sogar um 4,8 Prozent nach unten— der Abwärtsdruck hält also noch an.

Das Kaufsignal ergibt sich aus einer RSI-Bewegung: Der Indikator war zuvor unter die Marke von 30 gerutscht und ist inzwischen in den neutralen Bereich zurückgekehrt. Solche Übergänge markieren häufig das Ende der ersten Verkaufswelle. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt CATL trotz der jüngsten Schwäche noch mit 15 Prozent im Plus, was die grundsätzliche Stärke des Unternehmens im globalen Elektromobilitätsmarkt unterstreicht. Sorgen um das Wachstumstempo bei E-Auto-Verkäufen und mögliche Handelshemmnisse belasten kurzfristig, während die technologische Marktführerschaft und Skaleneffekte des Konzerns langfristig als Stützpfeiler gelten.

Western Digital: Der moderateste Rücksetzer im Feld

Im Vergleich zu den anderen drei Kandidaten fällt der Kursverlust bei Western Digital fast harmlos aus. Mit einem Minus von 11 Prozent über 30 Tage bewegt sich der Speicherhersteller deutlich gemäßigter als etwa Applovin. Der Freitag brachte dafür einen kräftigen Ausschlag nach oben: Die Aktie legte um 5,8 Prozent zu und schloss bei 402,05 Euro.

Auch hier lautet das Signal SMA20-Breakout— der Kurs hat die 20-Tage-Linie von unten durchbrochen. Bemerkenswert ist der Blick auf die längerfristige Bilanz: Auf Jahressicht steht ein Plus von 418 Prozent, getrieben von der Nachfrage nach Speicherlösungen für Rechenzentren. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei satten 24 Prozent im positiven Bereich, was den grundsätzlich intakten längerfristigen Aufwärtstrend belegt. Die zyklische Speicherbranche reagiert klassischerweise schnell auf Nachrichten zur NAND-Preisentwicklung— entsprechend dürften kommende Preissignale aus dem Speichermarkt richtungsweisend für die nächsten Wochen sein.

Sektordynamik im Überblick

Die vier Turnaround-Kandidaten eint das Muster aus scharfer Korrektur und technischer Gegenbewegung, unterscheiden sich aber deutlich in Ausprägung und Risikoprofil:

  • Applovin: stärkster 30-Tage-Verlust (-24%), SMA20-Ausbruch, hohe Volatilität von 69%
  • Kalray: MACD-Bullish-Cross nach -22% in 30 Tagen, RSI nahe überverkauft bei 33,1
  • CATL: RSI-Rückkehr aus überverkaufter Zone, moderatester Verlust der vier Titel (-13%)
  • Western Digital: SMA20-Ausbruch bei nur -11% Monatsverlust, kräftiger Tagesgewinn von 5,8%

Gemeinsam ist allen vier Werten, dass die jeweiligen Signale eine Unterbrechung des kurzfristigen Abwärtstrends anzeigen— keine Garantie für eine nachhaltige Trendwende. Technische Indikatoren wie SMA-Ausbrüche oder MACD-Kreuze neigen gerade in volatilen Marktphasen zu Fehlsignalen, die sich erst durch nachfolgende Handelstage bestätigen müssen.

Zwischen Bodenbildung und Bärenfalle

Die vier Kandidaten zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich Turnaround-Signale ausfallen können— vom spekulativen Halbleiterwert Kalray über den Werbetechnologie-Titel Applovin bis zu den etablierteren Namen CATL und Western Digital. Entscheidend wird in den kommenden Handelswochen sein, ob die Ausbrüche über die kurzfristigen Durchschnittslinien Bestand haben oder sich als kurzes Aufbäumen innerhalb eines intakten Abwärtstrends entpuppen. Wer die Signale ernst nimmt, sollte sie stets im Zusammenspiel mit fundamentalen Entwicklungen und dem breiteren Marktumfeld betrachten— technische Muster allein liefern selten die vollständige Geschichte.

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