Arm Aktie: Analysten zweifeln am Bewertungsniveau
Höhere Lizenzerlöse überdecken schwache Gebühreneinnahmen kaum; Barclays reduziert das Kursziel trotz positiver Einstufung.

Kurz zusammengefasst
- Quartalsumsatz über Analystenschätzungen
- Lizenzerlöse steigen um 50 Prozent
- Laufende Gebühren wachsen nur acht Prozent
- Barclays senkt Kursziel auf 325 Dollar
Starke Zahlen, schwacher Kurs: Arm hat im zweiten Geschäftsquartal die Erwartungen übertroffen, die Aktie schloss dennoch 5,28 Prozent tiefer bei 191,80 Dollar. Nachbörslich gab sie weiter nach. Der Grund liegt im Detail der Umsatzstruktur.
Lizenzen glänzen, Royalties enttäuschen
Der Umsatz stieg um 27 Prozent auf 1,44 Milliarden Dollar, Analysten hatten mit 1,38 Milliarden gerechnet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 52 Cent statt der erwarteten 47 Cent. Die Lizenzerlöse legten um 50 Prozent auf 773 Millionen Dollar zu.
Schwächer fielen die laufenden Lizenzgebühren aus. Sie wuchsen nur um acht Prozent auf 670 Millionen Dollar. Marktbeobachter führen das auf den schwächeren Smartphone-Markt zurück, wo Engpässe bei Speicherchips die Produktion bremsen und Geräte verteuern.
Der Ausblick ließ ebenfalls keinen großen Spielraum: Für das laufende Quartal peilt Arm rund 1,54 Milliarden Dollar Umsatz an, der Konsens lag bei 1,53 Milliarden. Manche Prognosen reichten bis 1,7 Milliarden.
AGI CPU als Hoffnungsträger
Konzernchef Rene Haas will Arm vom reinen Lizenzgeber zum Chiphersteller umbauen. Der eigene KI-Rechenzentrumsprozessor AGI CPU soll in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 bis zu zwei Milliarden Dollar Umsatz bringen. Haas zeigte sich zuversichtlich, dieses Niveau zu erreichen. Barclays hält die Nachfrage sogar für „well beyond“ dieser Marke.
Der Umbau hat jedoch seinen Preis. Barclays senkte das Kursziel auf 325 Dollar von 360 Dollar, bleibt aber bei „Overweight“. Die Begründung: Die AGI CPU ist ein Hardwareprodukt mit niedrigerer Marge, zudem steigen die Forschungsausgaben im März-Quartal um 55 Millionen Dollar. Die Gewinnschätzungen rutschen deshalb nach unten.
Im Rechenzentrum läuft es unterdessen rund. Die Royalties dort haben sich laut Unternehmen verdoppelt, der Marktanteil Arm-basierter Server bei den großen Hyperscalern soll bis Ende 2026 über 60 Prozent steigen.
Skeptiker bleiben skeptisch
Das Analystenbild ist gespalten:
- Goldman Sachs: „Sell“, Kursziel 160 Dollar, wegen hoher Bewertung und fehlendem klaren Wettbewerbsvorteil bei der Chipfertigung
- HSBC: „Hold“, Kursziel gesenkt auf 215 von 230 Dollar
- Barclays: „Overweight“, Kursziel 325 Dollar
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 195 macht die Aktie verwundbar. Sie hat in der vergangenen Woche 16 Prozent verloren und im Oktober knapp 29 Prozent, in einem ohnehin schwachen Chipsektor.
Goldman erwartet eine Seitwärtsbewegung und könnte seine Haltung ändern, falls die Royalties wieder anziehen oder Arm mehr Klarheit über die Skalierung der Chipfertigung liefert. Barclays rechnet für das Dezember-Quartal mit Lizenzwachstum von über 50 Prozent, bei Royalties jedoch nur mit niedrigem einstelligem Plus.
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